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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Neander.

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und geistiges Leben in jenen Gegenden entstand. So war auch in dem um das I. 1200gegründeten Prämonstratenserkloster zu Ilfeld am südlichen Abhange des Harzes vondem frommen Abt Thomas Stange, welcher selbst mit Mühe aus dürftigen Verhält-nissen zu seiner ehrenvollen Stellung und unter schweren inneren Kämpfen aus demWerkdienst der Gesetzeskirche zur Freiheit des Evangeliums sich emporgerungen hatte,eine Schule gegründet worden. Neun Jahre lang wirkte N. noch unter diesem treff-lichen Manne, bei dessen am 10. April 1559 erfolgten Tode er die alleinige Verwal-tung und Leitung der Schule als ein heiliges Vermächtnis von ihm empfieng, dessentreue Erfüllung N. nun, unbeirrt durch verschiedene ehrenvolle Berufungen, sich zurernstesten Lebensaufgabe machte. Schon bei Lebzeiten des frommen Abte shatte durch N.'sEifer die Zahl derZöglinge von 12 auf 40 sich gehoben. Jetzt gelang es seiner Hingebung,die zwar von den Grafen von Stolberg begünstigte, aber von anderen habgierigenkleinen Herrn im höchsten Grade in ihrem Bestand gefährdete Schule nicht nur zu er-halten und ihre Wirksamkeit, wie ihren Ruhm, zu vermehren, sondern auch durch um-sichtige Verwaltung die ökonomischen Grundlagen ihres Bestehens zu befestigen, zuerweitern und ergiebiger zu machen. Was Pestalozzi von seinem Aufenthalte in Stanzgesagt hat, daß er nicht bloß Erzieher und Lehrer seiner Zöglinge gewesen sei, sondernauch Zahlmeister, Hausknecht, ja fast Dienstmagd, das läßt sich in vollem Maße aufN. anwenden; nur daß er mit selbstverleugnendem Eifer sein Leben lang trieb, wasPestalozzi nur ein Jahr lang hat aushalten müßen. Fast 45 Jahre lang ist N. deralleinige Verwalter seiner Schule und nicht allein der alleinige Rector und Lehrer,sondern auch der väterliche Versorger und Pfleger der ihm anvertrauten Kinder gewesen,und während er sein Institut nach außen gegen die zuweilen lebensgefährlichen Anfech-tungen der habgierigen Gegner vertheidigte, mußte er im Innern, und zwar fünfmalin mörderischen Pestzeiten, Len Arzt und Krankenpfleger machen. Ein altes Bild beiLeuckfeld stellt ihn in ganzer Figur, nicht sitzend oder stehend, sondern gehend, miteinem Buche und einem großen Schlüsselbund, den charakteristischen Symbolen seinerlehrenden und verwaltenden Thätigkeit, dar.

lieber seine Grundsätze des Unterrichtes hat N. selbst ausdrückliche und aus-führliche Rechenschaft gegeben in seinem „Bedenken an einen guten Herrn und Freund,wie ein Knabe zu leiten und zu unterweisen, das er one gros jagen, treiben und eilenmit Lust und Liebe vom sechsten Jahre seines alters an biß auff das achtzehende wolund fertig lernen möge Uiotatom, linguam I-atinain, Olraooam, Hobraoam, artes undendlich Universum Ullilosopliisrn. 1580;"*) ein Büchlein, von welchem der größte Nach-folger N's. im Lehramte zu Ilfeld, F. A. Wolf, sagt, daß er wohl Lust gehabt habe,nach diesem Vorbilde ein dem Bedürfnis der neueren Zeit angemessenes Bedenken zuverfassen, und welchem er nachrühmt, daß es „sehr artige Dinge enthalte; überall der alte,ächtdeutsche Sinn, der auf Realität geht;" daß es nicht von Erziehung spreche, denn„die gehöre den Eltern," sondern von der ratao iustituouäi, und daß es nichts wissevon der schädlichen Methode, alle Sachen zu erleichtern.**) Gleichwohl ist das Büch-lein in der Absicht geschrieben, eine Methode zu beseitigen, Welche das Lernen unnöthi-gerweise erschwerte, ja es geradezu zur Qual machte. Der „gute Herr und Freund,"an welchen es geschrieben ist, ein wohlgelahrter und wohlweiser Herr Bürgermeister,wie es scheint, zu Nordhausen, hatte gegen N. oft Klage darüber geführt, „daß der liebenJugend in vielen Oertern übel vorgestanden, sie verhindert und versäumt werde, also

*) Auch abgedrnckt bei Vormbaum, die evangelischen Schulordnungen des 16. Jahrhun-derts. Gütersloh 1880. S. 746 ff. Mir liegt die 1. Ausgabe von 1580 vor, auf welche nach-her noch mehrere gefolgt sind, die 5. im Todesjahre Ws. 15S5, vermehrt durch ein „Büchleinäs moribus kusrorum äsosutibuswelches Vormbaum gleichfalls mittheilt. Ich citire nachVormbaum's Abdruck, als dem zugänglichsten.

**) F. A. Wolf, lieber Erziehung, Schule, Universität, von Körte. Quedlinburg undLeipzig 1835. S. 30 u. 73.