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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Reander.

licher, trefflicher Dinge von ihm geinerket und ausgeschrieben," das er sein Lebenlangnicht vergessen werde. Und jener heilsame Anstoß wirkte in der That sein Lebenlangfort. N. las nicht bloß mit unermüdlichem Fleiße sämmtliche griechischen und lateinischenClassiker durch, sondern er verschaffte sich auch von dem Hebräischen und den ver-wandten Dialekten eine, so weit es die jener Zeit zu Gebote stehenden Mittel nurerlaubten, gründliche Kenntnis, ja er arbeitete sich selbst durch die späteren Lateinerund durch die Scholastiker hindurch, indem er bei diesem oft sauren Geschäfte seinenTrost theils in dem Worte des Plinius fand, daß auch das schlechteste Buch doch seinKörnlein Gutes enthalte, theils in der Erwägung, wie erst aus der Bekanntschaft mitdiesen abstrusen und barbarischen Schriftstellern es recht klar Werde, wie groß dieGnade sei, welche Gott mit dem durch Luther und Mekanchthon uns wieder ausge-stellten Lichte einer reineren Erkenntnis uns erwiesen habe. Aus solche Weise erwarbsich N. jene wahrhaft stannenswerthe Belesenheit, wie sie nur in einer Zeit zu Standekommen konnte, in welcher man einerseits mit frischester Lust den Neudruck) der kaumerst wieder aufgeschloßnen klassischen Studien in Angriff nahm, und andererseits umso ungestörter der Lectüre der Alten selbst sich hingeben konnte, je weniger man nochüber sie zu lesen hatte.

Im I. 1547 machte der unglückliche Ausgang der Schlacht bei Mühlberg auch demAufenthalte N's. in Wittenberg ein Ende. Auf Empfehlung von Melanchthon undJustus Jonas wurde er zuerst als „Schnldiener," was wir wohl vornehmer Colla-borator nennen würden, und bald als Conrector an der Schule zu Nordhausen ange-stellt, welcher damals Basilius Faber als Rector Vorstand; zugleich fand er in demHanse des Burgemeistcrs Erasmus Schmied, eines hochangesehenen und zugleich derevangelischen Lehre treu ergebenen Mannes, eine höchst wünschenswcrthe Unterkunft. DieSchule zu Nordhansen ist auch für den jungen Lehrer eine heilsame Schule geworden.Weil er, wie er in seinem „Bedenken" mit liebenswürdiger Offenheit erzählt, „zu Wittenbergeine zeitlang läuguas, auch Uüz-mosn, Aatlremata und lübsllum cks auima ziemlichstudiret hatte," so glaubte er „als ein junger Narr" Orammatioaru und Lzmtaxiuverachten zu dürfen und schwatzte lieber mit seinen Collegen von denen stuclüs. Dathät ihm denn der Rector „eine besondere Schalkheit." „Weil ich, so fährt N. fort,so gelert sein wollte und Orarnmatioarn so für ein gering und gemein Ding achtet, sogab er mir majorsm Lzmtaxin den nurjoridus zu lesen, den ich zuvor mein lebelangnie gesehen, viel weniger gehöret und gelernet hatte. Da erfuhr ich erst, daß ich nochnichts studiret und daß ich allen Büschen zu fern war; da war mir alle meine Kunstzu wenig; dazu martert ich mich, ehe ich eine Lection darinnen kondte zu Wege bringen,das ich wol Blut ofst hätte schwitzen mögen, suchte offt eine ganze Comoedien in Manko,ein gantz Buch in Minio und Oioorono aus, umb eines Exempels willen, damit ichaus dem oontextn die Exempel möchte verstehen lernen, und war mir darüber so bange,daß, wenn man zur Stunde laute und ich in das auäitorium gehen mußte, darinneneine große, lange Taffell voll erwachsene, auch viel bärtige Gesellen saßen, mir alleHaar zu Berge stiegen. Und wenn ich von nothwcgen den keotorem umb Bericht bat,mußte ich hören: „Ihr jungen Studenten, wenn ihr von Wittenberg kommet, meinetihr doch, ihr könnet Alles! und mußte mich offte male schewren lassen." Uebrigensmuß N. diese demüthigende Prüfung doch gut bestanden haben, denn als im I. 1550die Lehrerstelle an der Klosterschule zu Ilfeld erledigt wurde, empfahlen Melanchthonund Erasmus Schmied für dieselbe den damals fünfundzwanzigjährigen N., welcher am30. Juni des genannten Jahres von Nordhausen abzog, um sein neues Amt anzutreten,das er 45 Jahre lang mit unermüdlicher Treue verwalten sollte.

Auch in die stillen Waldesthäler des Harzes hatte die evangelische Lehre, nament-lich von Nordhausen und Quedlinburg aus, bald Eingang gefunden und war Veran-lassung geworden, daß mit den dortigen zahlreichen Klöstern, wie Walkenried, Jlsen-burg u. a., evangelische Schulen verbunden wurden, wodurch ein reges Bildungsstreben