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Reander.
dern und Schwestern getragen, item, mit was Trewen sie mich wiederumb gemeynethaben, und so fortan."
Seinen ersten Unterricht empsieng N. in der Schule seiner Vaterstadt, von demRector Theodor. Wie er diesen benutzte und wie überhaupt seine gelehrte Bildungverlief, darüber berichtet er selbst mit eben so großer Offenheit und Ausführlichkeit inder an seinen Bruder Job Neander gerichteten Dedication des dritten Buches seinerTtllios vsdus ot sapiens. Der Umstand, daß dieser authentische Bericht von den Bio-graphen Ns. übersehen worden ist, hat in die Darstellung seines Bildungsganges mancheJrrthümer sich einschleichen lassen. *) Er war als Knabe, nach seinem eigenen Bekennt-nisse, zum Lernen keineswegs besonders aufgelegt, vielmehr war dieses ihm so zuwider,daß seine Lehrer ihm „Steine zu reden schienen, die ihm das Gehirn aus dem Kopfezu schlagen drohten." Hatte er die vormittägigen Schulstunden glücklich überstanden,so suchte er bald auf diese bald auf jene Weise einen Vorwand, um die besseren undnützlicheren Nachmittagsstunden zu versäumen, was ihm auch nicht schwer wurde, dadie Eltern ihn gerne in der Haushaltung und im Geschäfte verwendeten. So kam es,daß er oft Monate lang die Schule nicht besuchte und keines auch der kleinsten damalsüblichen Lehr- und Lesebücher von Anfang bis zu Ende unter Anleitung des Lehrers durchar-beitetc. Was ihn selbst von der Schule abzog, das war freilich weder die Neigung zurOekonomie, noch zum Kaufmannsstande, sondern die von dem Vater, ja von Großvater undvon Urahnen ererbte Lust an Fisch- und Vogelfang, und es ist schön zu sehen, wie indie Beichte seiner knabenhaften Abneigung gegen das Lernen noch der Sechzigjährigeden sehnsüchtigen Ausdruck der Erinnerung an jene frische und fröhliche Jugendlust mischt:Ward von den Hunden erhaschet der Hirsch und vom Sperber der Finke,
Schwebte der Falk' in der Luft, da lebten wir im Paradiese!
Und nicht minder schön ist es, wie dabei die Erinnerung daran, daß er, von seinenJagden auf die im Herbste in großen Schaaren ankommendcn Zugvögel oft nach tage-langer Unterbrechung erst zur Schule wieder znrückkehrcnd, dann immer seine hinter dieBank versteckten Bücher und Schulgeräthschaften vollständig wiederfand, ihn zu einembegeisterten Lobredner der „guten alten Zeit" macht, im Gegensätze zu der neuen, inwelcher — prob clolor! — kein Federkiel mehr vor den räuberischen Händen der zügel-losen Jugend sicher sei.
Es mußte ein äußerer Anstoß kommen, um den allzu praktischen Vater zu über-zeugen, daß Michael zu einem rechten Kaufmann doch nicht tauge und um den jungenWildfang seinem wahren Beruf zur rechten Zeit noch zuzuführen. Welcher Art dieserAnstoß gewesen sei, erzählt N. ebenfalls in jener Dedication, ausführlicher aber inseiner Erdbeschreibung (Ordis lcwras partium suooiuota oxplioatio. Tips. 1589. kol. 36 f.).Wie er da auf Goldberg und vie dortige Schule Valentin Trotzendorfs zu reden kommt,bemerkt er, daß dieser bei den gelehrten Studien vorzugsweise durch die Ermahnungseiner Mutter gehalten worden sei: „Velten, bleibe ja bei der Schule"; und daranknüpft er denn die Erinnerung an das Wort, womit sein Vater, ganz gegen seinen
*i Nachdem ich das Mannscript dieses Artikels abgeschickt hatte, wurde ich von der verehr-lichen Redaction ans Latendorf's Aufsatz: ,,Ans dem Jugendleben Neanders" (N. Jahrb. fiirPhilologie und Pädagogik. 2S. Bd. 4. Heft.) aufmerksam gemacht, indem er neue Lichter überN.s Jugend anfstecke. Ich hoffte neue Aufschlüsse auf Grund eines handschriftlichen Fundes zuerhalten, fand mich aber sehr enttäuscht, als ich sah, daß die dort angepriesene neue Quellenichts anderes ist, als eben die oben angeführte Dedication zu dem 3. Buche der Ltbios oot.Diese Schrift gehört aber so wenig zu den eigentlichen literarischen Seltenheiten, daß ich inmeiner Privatbibliothek 3 Exemplare davon besitze. Ihre Benutzung war mir daher als dia sichganz von selbst verstehende Pflicht eines gewissenhaften Biographen erschienen und ich fand indem erwähnten Aufsatze keine Veranlassung, an meinem Artikel irgend etwas zu ändern. Viel-leicht findet sich Gelegenheit, an einem andern Orte auf die von Latendorf angeregten biblio-graphischen Fragen zurück zu kommen.