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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Neander.

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mögen auch dazu dienen, dem Leser die folgende kurze Darstellung des Lebens undWirkens von M. Neander zu empfehlen. Wenn Zeiträume, welche dadurch, daß sieneue leitende Ideen auf die Bahn bringen, als epochemachende sich charakterisiren, überhaupt'unser Interesse besonders anregen, weil in ihnen jene Ideen mit besonderer Frische,Kräftigkeit und Deutlichkeit hervortreten und sie uns dadurch das Verständnis des vondiesen beherrschten geistigen Entwicklungsganges erschließen; so fordert die Epoche derReformation ein solches Interesse von unserer Seite ganz besonders heraus, weil sie dieGedanken zuerst zur Herrschaft gebracht hat, welche heute noch unser geistiges Lebenvorzugsweise bestimmen. Wenn ferner in der Geschichte solcher Zeiträume das bio-graphische Element besonders bedeutsam hervortreten muß, weil, bevor die neuen Ideensich allgemeinere Geltung verschafft haben, sie von einzelnen hervorragenden Persönlich-keiten getragen und vertreten sind; so gilt dies in ganz besonderem Maße von demGebiete der Pädagogik, in welchem das persönliche Element an sich schon eine so we-sentliche Einwirkung ausübt. Und wenn endlich darum jeder Pädagoge es sich gefallenlassen muß, nicht bloß auf sein Wirken, sondern auf sein persönliches Sein angesehenzu werden, so lädt dazu die Persönlichkeit eines Mannes ganz besonders ein, der nichtsowohl durch Aufstellung neuer pädagogischer Principien oder durch eigenthümlicheorganisatorische Einrichtungen, sondern durch sein persönliches Wirken in treuer Lehrer-thätigkeit vorzugsweise gewirkt hat, wie dies bei Neander der Fall war.

Michael Neander oder, wie sein Name ursprünglich hieß, Neumann, wurde1525 zu Sorau in der Niederlausitz geboren, wo übrigens seine Eltern nicht, wie Jöchermeint, sehr arme Leute waren, vielmehr war sein Vater ein, wenn auch nicht reicher,doch wohlhabender „Krämer und Kaufhändler," aus einem alten, vornehmen und tapfernGeschlechts. Für den ernsten, tüchtigen und frommen Sinn, welcher im Hause diesesHans Neumann und seiner Ehefrau Agnes herrschte, ist die Schrift charakteristisch,welche Michael unter dem Titel „Menschenspiegel" „vor seine liebe alte Eltern, seinenlieben Vater und Mutter, liebe Brüder und Schwestern ans ihre vielfältige Bitte undAnhalten" um 1560 geschrieben und 1587 in Druck gegeben hat. Es heißt dort unteranderm (S. 99 f.): „Ich gedenck offt an unfern lieben Vetter Frantze, das frommechristliche rechtschaffene Hertze, da er sein Haus bauete und diesen Reim darein schreibenließ, halt er stehet noch daran:

Wir bawen alle feste,

Und sind doch srembde Gäste,

Und da wir ewig sollen seyn,

Da bawen wir gar wenig ein.

Welche Wort mir als einem Knaben zur selben Zeit trefflich sehr zu Hertzengiengen und bewogen mich dermaßen, daß ich alsbald nach keiner Welt nicht mehrfragte, nach schönen Kleidern und dergleichen, daß auch der Vater Lust darob hatteund offt sagte: Michael fraget nicht mehr nach solchen Dingen." lind indem er seineEltern auf die Vergeltung des letzten Gerichtes hinweist, giebt er ihnen zugleich ausdankbarem Kindesherzen das sprechendste Zeugnis (S. 278 ff.): „Da wird man, lieberVater und Mutter sehen, daß ihr fromme getrewe christliche Eheleute zusammen gewesen,wie eins mit des andern Schwachheiten Gedult gehabt, wie ihr euch sonsten gehaltenim Unglück, im Leiden, im Haußhalt, auch gegen den nothdürftigen Nechsten, daß ihrewrc Kinder zur Gottesfurcht und Erbarkeit gezogen, ihnen recht vorgestanden, wie wirdenn dasselbe von euch rühmen werden in jenem Leben, wie ewer Hertz gegen Gottgestanden, ob ihr fleißig gewesen im Gebet, Gott gedankt fleißig und täglich vor seineWohlthat, vor seinen lieben Sohn, ob ihr euch seines Worts, seiner Verheißung unddes ewigen Lebens von Hertzen gefrewet, Sehnen und Verlangen darnach gehabt. Dawird man auch sehen, wie ihr ewre Kinder geliebet, ob wir euch gefolgt, ob wir euchauch in Ehren gehalten, ob wir Gott geliebet und den Nechsten und mit was Hertzegedient haben; . . . darnach auch, ob ich ein recht brüderliches Hertze zu meinen Brü-