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5 (1866) Nachhülfecurse - Philologenverein
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Napoleon.

Nassau.

jenen Tagen dazu nicht an leuchtenden Vorgängen (Pestalozzi, Fellenberg, Fichte), esgalt, dieses große Gebiet zu ordnen mit freiem Geiste, mit Liebe und Hingebung, aufdie Bedürfnisse des Volkes einzugehen, den mannigfaltigen Bestrebungen, Eigenthüm-lichkeitcn, Interessen einer großen Nation Rechnung zu tragen, insbesondere den unterenStänden, den Armen im Volke, Gelegenheit zu schaffen, um zu einem Bewußtseinihrer menschlichen Bestimmung zu gelangen und in der allgemeinen Verwirrung derBegriffe, welche die Revolution in ihrem Gefolge hatte, wieder einen Halt zu gewinnen.

Allein der gewaltige Mann, der wirklich anfangs die Sache des Unterrichts undder Erziehung mit Hellem Blick und geschickter Hand in Angriff genommen hatte, verlorsich bald selbst unter den Eingebungen der Selbstsucht und des Ehrgeizes. Bald pro-clamirte man als Basis des Unterrichts die Treue gegen die katholische Religion, gegendie Dynastie, gegen die Vorgesetzten, man ignorirte das Volksschulwesen fast gänzlich,man beschränkte sich auf das Gebiet des Secundärunterrichts, 'unterdrückte auch hierjede freie Bewegung und schuf, wie ein Redner treffend sich ausdrückte,einen Mecha-nismus des Unterrichts und der Erziehung," wie nian einen Mechanismus der Gottes-verehrung neu begründet hatte.

Der Geist der Selbstüberhebung und Menschenverachtung, der die großen poli-tischen Acte des Autokrators bezeichnet, tritt uns auch auf diesem Gebiete in deutlichenZügen entgegen. Aber die von ihm misachteten Bedürfnisse und Rechte der Nationsind denn doch zur Geltung gekommen. Unter der Julius-Dynastie erhielt das Volks-schulwesen durch das Gesetz vom 28. Juni 1833 durch das Ministerium Guizot erst-mals eine ausführliche gesetzliche Organisation. Napoleon III. aber, sonst in denmeisten Stücken der treue Nachtreter des ersten, hat durch die ersten gesetzgeberischenActe seiner Regierungsthätigkeit (Gesetze vom 15. März 1850 und 9. März 1852)das Princip der Unterrichtsfreiheit anerkennen müßen und damit hat die alte Ilnivor-sits äs Brunos (vgl. den Art. Frankreich II. S. 455) ihre wesentliche Bedeutung ver-loren. Hirzel.

Nassau, Herzogthum.*) Allgemeines. Der jetzige Umfang des Herzogthums be-steht seit 1816, wo niit dem Aussterben der Usingen'schen Linie des WalramischenStammes die Weilburgische allein in den Besitz der Regierung des ganzen Landesgelangte. Es umfaßt infolge des Neichsdepntations-Hanptschlusses von 1803, derWiener Congreßacte und des mit Preusten abgeschlossenen Staatsvertrags von 1818außer ehemals Nassau-Oranischen und Nassau-Walramischen Ländern Theile der geistl.Kurfürstenthümer Mainz und Trier, Theile von Kurpfalz, von Hessen, von Wied-Neu-wied, von Sayn-Hachenburg, die Grafschaften Wied-Runkel, Leiningen-Westerburg,Holzappel nebst der Herrschaft Schaumburg, die Waldbott-Bassenheimschen HerrschaftenCransberg und Reiffenberg u. s. w. Jeder dieser Theile hat eine besondere Schul-

*) Die Redactiou gewährt obigem Artikel über das Schulwesen in Nassau einen größerenRaum, als ursprünglich dafür vorgesehen war, weil eine zusammenhängende gedruckte Darstellungdes Gegenstandes bis jetzt nicht vorhanden ist, noch weniger eine geschichtliche Behandlung derwichtigeren Puncte, die das Verhältnis der Schnlzustände dieses Landes zu den allgemein deut-schen klar machen könnte, und weil sich hier ans kleinem Gebiet eine Menge wichtiger Schnlfragenabspiegeln, welche die Zeit bewegen, so daß dieses Schulwesen in bedeutenden Beziehungentheils in ausgezeichneter Weise geordnet, theils wenigstens typisch genannt werden kann. Ausübersichtlichem Terrain wird hier der Kampf zwischen den verschiedenen Principien, die sich gegen-überstehen, ausgekämpft; Fragen, die an manchen andern Orten noch als zweifelhaft gelten, sindhier durch die Erfahrung entschieden, während in andern Beziehungen eine umsichtige Schul-verwaltung die Früchte der im übrigen Deutschland mit günstigem oder ungünstigem Erfolg an-gestellten Versuche und die von der wissenschaftlichen Erörterung ermittelten Resultate zum Nutzender heimischen Anstalten zu verwerthen sucht; der Artikel stellt somit nach unserer Ansicht eine An-zahl Warnungstafeln und Wegweiser auf, welche wir der Beachtung empfehlen möchten.

D. Red.