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Napoleon.
Despotismus, der nichts gleichartiges mehr neben sich duldet und jede freie Regungmit Füßen tritt. Die freien Unterrichtsanstalten, welchen der erste Consul noch eineBerechtigung zuerkannte, hat der Kaiser auf ein immer kleineres Gebiet beschränkt, derAutokrator aber, als er auf dem Höhepunct seiner Macht angelangt, hat ihnen denTodesstoß gegeben.
Um aber den Geist der Gesetzgebung auf dem Gebiete des Unterrichtswesens inFrankreich in den Tagen Napoleons vollständig zu bezeichnen, müßen wir auch ins Augefassen, auf welche Gebiete sich dieselbe bezogen hat. Und hier tritt uns die interessanteThatsache entgegen, daß sich dieselbe fast ganz ans das Gebiet der Mittelschule (denSecundärunterricht) beschränkt. Ans diesen Schulen dachte sich der Herrscher die un-mittelbaren Werkzeuge seiner Gewalt, Officiere und Beamte, herzuziehen. Was fürdas Volksschulwcsen geschehen ist oder auch nur geschehen sollte, verdient kaum einerErwähnung. Die Aufgabe der Hochschule aber soll durch isolirte Specialschulen oderFacultäten erreicht werden, deren Gründung und Organisation selbst übrigens sehr lang-sam und unvollkommen erfolgte. Es muß ferner constatirt werden, daß von Anstaltenzur Bildung des weiblichen Geschlechts nirgend die Rede ist. Seine Ansicht von demWerthe des Weibes hat Napoleon in dem bekannten Wort an Frau von StaÄ nieder-gelegt, daß diejenige die beste sei, die dem Staate die meisten Kinder gebäre.
Der Geist dieser Gesetzgebung aber giebt sich noch weiter zu erkennen in der Artund den Mitteln der Bildung/ welche in den genannten Anstalten zur Anwendung kommensollten. Es war alles darauf berechnet, dem höchsten Willen gehorsame, willige, brauch-bare Diener heranzuziehen. Eine würdige, auf der Höhe der Zeit stehende Ansicht vonder Aufgabe der Erziehung und des Unterrichts findet sich nirgends in diesen Gesetzenund Decreten?') Sie kennen nichts höheres als Treue gegen die katholische Religion, gegendie Dynastie, die Oberen. Die Schüler werden nicht bloß unterrichtet, sondern erzogen,sie sind wesentlich Zöglinge, ölovss; sic werden durch eine Reihe von Jahren dem Kreiseder Familie entrückt und unter den Einfluß der Staatserziehung gestellt. Ein guter Theilwird unentgeltlich erzogen; dadurch werden die Eltern und die Kinder dem Staate ver-pflichtet. Die Disciplin und die Bewegung des täglichen Lebens in diesen Anstaltenhat einen militärischen Charakter. — Hauptbestandtheile des Unterrichts aber sind diealten Sprachen oder richtiger das Latein und die Rhetorik nebst der Mathematik. Svglücklich man den Gedanken nennen muß, den Unterricht wieder auf die alten Sprachenzu basiren und daneben der Mathematik und den Naturwissenschaften ihre wohlberech-tigte Stellung einzuräumen, so ist doch der utilitarische Zweck nicht zu verkennen. DieMathematik und die Naturwissenschaften sollten brauchbare Officiere, Ingenieurs, Che-miker rc. heranbilden und zur Hebung der Industrie und der Gewerbe beitragen; dieHebungen der Rhetorik und der alten Sprachen aber für den Dienst der Regierungjene Rhetoren bilden, durch deren elegante, präcise und gewandte Darstellung sie ihrSystem zu illustriren suchen mußte, Rhetoren von der Art, wie wir sie in unfernTagen thätig sehen, um die Gesetze gegenüber dem Publicum und den parlamentarischenKörpern zu empfehlen. Eines der hervorragendsten Stücke dieser Beredsamkeit habenwir in der Rede zu erkennen, womit Portalis die Discusston über das Concordat mitdem Pabst im Jahr 1801 einführte (Moniteur cks l'an 10, Nr. 196, Sitzung des ge-setzgebenden Körpers vom 15. Terminal). „Die stolze Phrase der rhetorischen Kunst"war, wie dereinst in den Zeiten des römischen Kaiserthums „der erste Liebling" dieserBildungsperiode. — Um aber diese Unterrichts- und Erziehungsanstalten schleunigst zubevölkern und schnell emporzubringcn, dazu wurden alle Hebel des Ehrgeizes und des
*) Es ist dies um so bemerkenswertster, wenn wir an die idealen Tendenzen eines Pestalozziund Fellen berg denken, welche diesen Gesetzen gleichgültig waren; der Moniteur jener Jahre er«wähnt einigemal rühmend die Verdienste Felleubergs, aber nur — um die Fortschritte der Land-wirthschaft.