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Cholera.
Durchseuchung, u. hieraus erklärt es sich, daß beischnell aufeinanderfolgenden Ch-epidemien dienachfolgenden weit weniger mörderisch sind undweit weniger Erkrankungen Hervorrufen, als dievorhergehenden. Eine bleibende Vernichtung derDisposition, wie wir sie nach Überstehen vonScharlach, Keuchhusten und anderen Infektions-krankheiten beobachten, findet jedoch bei CH. wolniemals statt; vielmehr sieht man sehr häufig beieiner nachfolgenden Epidemie wieder dieselbenMenschen erkranken, wie bei der vorhergegange-nen. Eher scheint der angeborene Mangel anDisposition zur Ch-erkrankung bleibend zu sein,obschon zu rathen ist, auch darauf keine Häuserzu bauen. Die persönliche Disposition wird er-höht durch alle Schwächezustände, namentlich aberdurch Krankheiten des Verdanungskanals. Werin Ch-zeiten an Neigung zu Durchfall leidet, magsich in Acht nehmen; ans diesem Grunde sindSäufer besonders gefährdet, da sie konstant anDurchfall infolge eines chronischen Magen-Darm-kararrhs leiden. Auch Speisen u. Getränke, wennsie die Eigenschaft haben, leicht Durchfall zu ver-ursachen, wie Weißbier, abgestandenes Lagerbier,Most, Äpfel- u. Pflanmencompot, noch mehr diebekannten Laxirmittel aus der Apotheke erhöhendie persönliche Disposition n. können deshalb inCh-zeiten gefährlich werden. Ebenso verhält cssich mit Durchkühlung des Unterleibes; deshalbhüte man sich vor kalten Bädern, zu leichter Be-kleidung, vor dem Sitzen im Freien beim Kühler-werden am Abend rc. Vermindert scheint diepersönliche Empfänglichkeit zu werden durch mitSpeisen gefüllten Magen; dies läßt sich vielleichtdadurch erklären, daß das verschluckte Ch-gift durchdie Vermengung mit den Speisen im Magen nichtzur Aufsaugung gelangen kann; man soll, riechenschon die älteren Ärzte, niemals mit nüchternemMagen zu einem Ch-kranken, wie überhaupt zukeinem ansteckenden Kranken gehen. Auch durcheine mäßige Alkoholnarkose scheint die persönlicheDisposition, u. zwar wahrscheinlich gleichfalls in-folge einer verminderten Resorptionsfähigkeit desMagens abgeschwächt zu werden; das Trinkenvon gutem Rothwein hat also in Ch-zeiten einengewissen Sinn.
Die Erscheinungen u. der Verlauf derCH. Nachdem eine wirksame Ch-ansteckung erfolgtist, pflegt zunächst eine kurze Zeit zu vergehen,ehe sich die ersten Erscheinungen der Ch-erkrank-nng einstellen (Jncubationsstadium). DieseZeit ist verschieden lang, kann nur wenige Stundenbetragen, doch auch 1 — 3 — 7 Tage; in derselbenmerkt man dem Kranken gar nicht an, daß erdas Ch-gift in sich ausgenommen hat; derselbegeht unbehelligt seinen Geschäften nach. Dannerfolgt das Vorläuferstadium; in diesem tretenKollern im Leibe, doch ohne alles Leibkneipen, u.die Neigung zu Diarrhöe auf. In gelindenFällen von Ch-erkrankung bleibt es bei Kollern u.Durchfall, der meist wässerig ist (Ch-diarrhöe),n. die Erkrankung geht nach kurzer Zeit in Ge-nesung über. In Ch-zeiten muß jede plötzlicheintretende Diarrhöe als eine Ch-erkrankung auf-gefaßt werden. Steigern sich die Erscheinungenzu stärkerem, wässerigem u. farblos werdendem
Durchfall u. gesellt sich Erbrechen hinzu, so nenntman den Zustand Cholerine. Diese Form findetsich häufig bei einer Epidemie, die kurze Zeit dervorhergehenden gefolgt ist u. wo die persönlicheDisposition noch zu schwach zu einer intensivenCh-erkrankung ist. Die Cholerine geht meist nach12 — 24 Stunden in Genesung über. Die böseForm der Ch-erkrankung bildet der eigentlicheCh-anfall. Nachdem gewöhnlich kurze Zeit Vor-läufer (Kollern, Neigung zu Durchfall) bestandenhaben, treten gußweise Entleerungen nach obenu. unten ein; der Kranke erbricht jeden Augen-blick, und der Magen behält gar nichts bei sich;ebenso erfolgen unaufhörlich Stuhlentleerungen vonwässeriger, reißwasserähnlicher Beschaffenheit. DerDurst ist vehement, der Kranke in unnennbarerUnruhe n. wirft sich im Bette hin u. her. Esgesellen sich Wadenkrämpfe hinzu, die Stimmewird tonlos, die Haut verliert ihre Elasticität u.bleibt, in Falten ausgehoben, einige Zeit gefaltetstehen, der Gesichtsansdruck des Kranken wirdunheimlich, die Angen von dunklen Ringen um-zogen, die Lippen bläulich, die Urinsecretion hörtganz ans. Allmählich entwickelt sich ein klebriger,kühler Schweiß auf der Haut, der Puls wird nn-fühlbar, u. schon nach 10—12, höchstens 24 Stun-den endet die Scene, nachdem der Kranke ruhiggeworden, in den Tod. Nimmt die Krankheitden Ausgang in Genesung, so geschieht dies bisauf wenige Ausnahmen noch in dem Stadium,in welchem der Puls noch fühlbar schlägt; manbemerkt dann eine Hebung des Pulses, das Er-brechen läßt nach, u. ein warmer Schweiß brichthervor. In solchen glücklichen Fällen ist meist auchdie volle Genesung schon nach wenigen Tagen er-folgt, u. ist es auffällig, wie schnell sich die Ch-reconvalescenten erholen. In einzelnen Fällenist die Reaction eine ungewöhnlich heftige. DerKranke fängt an, im Gesichte zu glühen, der Pulswird frequent n. hart, es entstehen Kopfschmerzu. Delirien, u. es kommt zur Entwickelung dessog. Ch-typho'ids, d. h. zu einem Krankhcitsbilde,welches in seinen Erscheinungen Ähnlichkeit miteinem schweren Typhus hat. Sehr bald gehendie genannten Erregungserscheinungen in Betäub-ung, Schwerhörigkeit n. stille Delirien über, derKranke hat eine borkige, trockene Zunge, u. seineKraftlosigkeit ist vollständig; nach 5—6—8 Tagenendigt das Typhoid meist in den Tod. Die Er-klärung des Ch-typhords hat man theils in Zurück-haltung von Harnbestandtheilen im Blute (Urämie),da im schweren Ch-ansalle, wie oben erwähnt, dieUrinsecretion völlig stockt, gesucht, theils in Ernähr-ungsstörungen der nervösen Centralapparate (Ge-hirn u. Rückenmark) infolge der enormen Ent-ziehung von Wasser ans dem Blute u. den Or-ganen des Körpers.
Behandlung. Die Verhütung der Krankheitergibt sich aus dem unter den Ursachen (s. oben)Angeführten; wir wollen hier nur anführen, daßdas sicherste Mittel, nicht an CH. zu erkranken,bleibt, eine Ch-ansteckung zu vermeiden. Wer esmöglich machen kann, gehe der CH. aus dem Wegeu. begebe sich an Orte, die von CH. nicht heim-gesucht werden. In den meisten Fällen sind dieshochgelegene u. abgeschiedene Orte im Gebirge,