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Cholera.
ung der CH. aufgefaßt werden könnten. Man er-wog die klimatischen Verhältnisse, die Beschaffen-heit der Jahreszeiten, die Temperatur u. Feuch-tigkeitsverhältnissc der Luft, die Race u. Natio-nalität der Bewohner des Heimathlandes derCH. rc., doch fanden sich keine Einflüsse, die nichtauch an anderen Theilen der Erdoberfläche zurBeobachtung kommen. So sind uns die Quellendes Ch-giftes bis heute noch völlig unbekannt.Etwas besser steht es mit unserer Kenntniß überdie Verbreitungsbedingungen der CH. Es ist zurEvidenz erwiesen, daß die Krankheit bei uns u.allerorts mit Ausnahme der Gangesniederungcneine verschleppte ist, u. zwar wird sie verschlepptdurch Ch-kranke, wie Gesunde, wenn letzteren dasCh-gift anhaftet. Auch Gegenstände (Kleider,Wäsche rc.) können das Gift weiterverbreiten.Ferner kann die Luft den Träger des Ch-giftesabgeben, doch wird die Ansteckungsfähigkeit schonin geringen Entfernungen abgeschwächt u. aufge-hoben. Es folgt aus diesen Wahrnehmungen, daßdie Verbreitung der CH. durch den Verkehrstattfindet und die CH. auf den Verkehrsstraßen,sei es zu Lande, od. zu Wasser, vorwärtsschreitenmuß. Orte, die vom Verkehre abgeschlossen sind,werden nicht von der CH. heimgesucht; daherschloß sich mit Erfolg im I. 1831 der russischeHof mit 10,000 Personen in Peterhos u. Zarskoje-Sselo ab. Ja, selbst in Städten bewahrten sichFamilien vor der Ansteckung, indem sie währenddes Herrschens einer Epidemie sich streng in ihremHause von dem Verkehre mit Anderen abschlossen.Die Immunität von einzelnen Gebirgsorten be-ruht wesentlich auf der Entfernung vom Verkehre,u. man beobachtete in den letzten Epidemien nichtselten, daß diese Immunität aushörte, sobaldFremde in den Ort eingewandert waren. Daszu jeder Ch-erkrankung nothwendige Requisit istund bleibt immer das Ch-gift; nur da, wo das-selbe eingeschleppt wird, ist eine Erkrankung anCH. möglich, niemals da, wo das Gift fehlt, u.wenn selbst die Verhältnisse u. Personen noch sosehr der Hygieine Hohn sprechen. Es ist deshalbauch niemals möglich, daß Schmutz, Unreinlichkeit,verpestete Luft, wüstes Leben u. dergl. an sichdie Ch-erkrankung herbeiführen. Als weitere ge-sicherte Thatsache ist zu betrachten, daß das Ch-gift,dessen Beschaffenheit uns übrigens noch völlig un-bekannt ist u. jedenfalls nicht in den gewähntenPilzen besteht, in den Darmentleerungen, u. zwarnur in den Darmentleerungen Ch-kranker enthal-ten ist, daß jedoch nicht die frischen Darmentleer-ungen ansteckend sind, sondern erst die in Zer-setzung übergegangenen; der Ch-krankeselbst ist nicht ansteckend. Nach dieser Erfahr-ung ist es von höchster Wichtigkeit, die Zersetzungder Ch-dejecte zu verhindern, was dadurch annä-hernd erreicht werden kann, daß die frischen Dejectesofort mit Caübolsäure, Ätzkalk u. dergl. desiuficirt,oder an Orte geschafft werden, wo mau durch Ver-brennen oder durch chemische Mittel ihre Zerstörungmit Sicherheit ausführen kann. Unter allen Um-ständen ist zu verhüten, daß die Ch-dejecte in ge-meinschaftl. Abtritte gegossen werden, od. in porösen,mit sich zersetzendenSubstanzenangefüllten Erdbodengelangen, da hier die in den Darmentleerungen
enthaltenen Keime sich zum wirksamen Krankheits-gifte entwickeln, n. es nur von der Gelegenheitabhängt, daß nun durch das entwickelte Ch-gift Er-krankungen veranlaßt werden. Die Mittel, durchwelche das KrankheitSgift in den gesunden Meu-chen gelangt, sind die Luft, die wir einathmenr. zum Theil verschlucken, u. das Trinkwasser,obald der betreffende Brunnen mit einem inficir-ten Abtritte durch den Erdboden oder sonstwiein Verbindung steht. Sind Kleidungsstücke, Wäscheu. dergl. mit Ch-dejecten beschmutzt, so geht gleich-falls die Ausbildung der CH-keime zum wirksamenCh-gifte bei Hinzutritt von Luft u. Feuchtigkeitvor sich, u. dann sind solche Effecten ansteckend.Hierin liegt die Erklärung, daß in Krankenhäusern,in denen Ch-kranke sich befinden, besonders dieWäscherinnen an CH. erkranken u. nur selten dieÄrzte, und ebenso, daß oftmals in einem bishercholerafreien n. von Ch-orten sehr entfernten Orteplötzlich die CH. ausbricht: häufig war dahin ge-schickte, von Ch-dejecten beschmutzte Wäsche dieUrsache. Auch die Lehre geht aus den angeführ-ten Erfahrungen hervor, daß man in Ch-zeitenniemals einen fremden Abtritt benutzen soll; manmuß sich daher besonders vor den Abtritten aufEisenbahnhöfen u. in Hotels hüten, zumal schondie Entleerungen an einfacher Ch-diarrhöe Leiden-der, die als unverdächtige Gesunde erscheinen, dieCh-keime in sich tragen. Neuerdings ist durchgenaue mikroskopische Beobachtungen u. chemischeUntersuchungen nachgewiesen worden, daß durchdie gewöhnliche Stubenfliege (Lluson äomsstioa),welche auf Ch-dejecten gesessen hat, der Ansteck,ungsstoff auf Speisen u. Getränke übertragen u.dadurch eine Ansteckung der Menschen bewirkt wer-den kann. Man wird daher in Ch-zeiten gut thnn,seine Wohnung so viel als möglich von diesen Jn-secten sreizuhalten. Aus obigen Erfahrungen gehtferner für den Einzelnen, wie für die Aufsichts-behörden über Gesundheitsverhältnisse die Pflichthervor, mit conseqnenter Strenge u. allem Eiferfür Beseitigung von Unrath aller Art, Reinhalt-ung der Wohnungen u. Straßen rc. zu sorgen,damit der Ch-keim keine Stätte findet, an wel-cher er sich zum Ch-gifte ausznbilden im Staudeist. In der Verhütung u. Beseitigung der Brut-stätten (Jnfcctionsherde) liegt die oberste Aufgabeder Gesundheitsräthe u. jedes Einzelnen in Zeitender CH. Obgleich endlich von allen Seiten an-erkannt ist, welch hohe Ansteckungskrast das Ch-gift besitzt u. in schlimmen Epidemien nur äußerstwenige Menschen von allen Ch-erscheiuungen freibleiben, so darf immerhin nicht übersehen werden,daß stets eine persönliche Disposition zu Ch-erkrankung bei dem Einzelnen vorhanden sein muß,wenn eine erfolgreiche Ansteckung stattfinden soll.Diese persönliche Disposition ist bei den einzelnenMenschen sehr verschieden: es gibt Menschen mitsehr starker, mit mittelmäßiger u. mit geringfügi-ger individueller Disposition; nur äußerst wenigeMenschen find gar nicht disponirt, u. können diesesich ungestraft dem Ch-gifte aussetzen. Von demGrade der persönlichen Disposition hängt es ab,ob nach erfolgter Ansteckung eine schwere od. leichteCh-erkrankung erfolgt. Die Disposition erlischt,wenigstens aus mehrere Jahre, nach stattgehabter