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Bd. 4 (1876) Brasilienholz - Chopersk
Entstehung
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Cholera.

scheint, als wenn die CH. eine immer mehr ein-heimische Krankheit bei uns werden wolle. Auchim I. 1874 sind einzelne Districte Europas u.Deutschlands von der CH. nicht verschont geblieben,namentlich wurden in Bayern die Städte Mün-chen, Ingolstadt u. Speyer bedeutend heimgesucht,doch kam es nirgends zu einer ganz so mörderischenEpidemie, wie früher. Im Mai 1878 trat sie inSyrien, u. zwar zunächst in Damascus zieml. hef-tig auf u. verbreitete sich von dort auch nach ver-schiedenen Städten, sowol nach dem Mittelmeere,als nach dem Rothen Meere hin, ohne jedoch einegroße Ausbreitung zu erlangen. Bei diesem Auf-treten im Orient zeigte sie sich noch mehr alssonst von ihrer seltsamen, man möchte sagen ca-priciösen Seite, die jeden Gedanken von einerdirecten Ansteckung, wie bei der Pest u. anderenansteckenden Krankheiten, so gut wie ganz aus-schließt. Sie tritt plötzlich in einzelnen Gegendenn. in den Städten nur in bestimmten Straßen n.Vierteln auf, überspringt die Nächstliegenden u.deshalb scheinbar am meisten ansgesetzten Orte,durchläuft wie im Zickzack die Bevölkerung, deci-mirt dieselbe hier in wenigen Tagen auf dasSchrecklichste und verschont sie an anderen Ortenvollständig, obwol die äußeren Bedingungen aufder einen, wie aus der anderen Stelle völlig die-selben zu sein scheinen.

Über die durch die CH. verursachten Verheer-ungen liegen u. a. folgende Notizen vor (nachKolb, Handb. der Statistik): Zu London starbenan dieser Seuche: 1832/33 6729, 1848/49 14,601,l854 11,661 oder mit Dazurechnnug verwandterKrankheiten 17,919 Menschen im letzten Jahre.In ganz Frankreich raffte die CH. hinweg:1832 102,735 Menschen, 1849 100,110 u. 1854145,541. In Italien trat die CH. 1866/67 in3120 Gemeinden auf u. raffte 147,646 Personenhinweg (74,498 männlichen, 73,184 weiblichenGeschlechtes); in Palermo allein starben 3821, inMessina 3787, in Catania 3066 Individuen3, gs »- 4,4g pCt. der Bevölkerung. Ausdem preußischen Staate liegen folgende No-tizen vor (nach den Berechnungen des vr. Engel):

Jahr.

Erkrankungen.

SterbcsMe.

Proc.

1831

54,517

31,912

1832

17,713

8364

47,28

1837

22,655

11,650

51,64

1848

48,810

26,337

54^2

1849

85,078

45,202

56,01

Jahr.

Erkrankungen.

Sterbefälla

PrvL

1850

32,115

13,126

36,g,

1852

68,436

40,342

61,2

1853

15,610

8268

54,g,

1855

57,252

30,535

52,».

1857

6373

3471

55,§

1859

5304

2307

43,§

1866

224,382

114,683

51,i^

1867

11,505

6031

52,^

Zus. 649,745 349,760 53,«,

Im Jahre 1873 wurden in 9 Provinzen (mitAusnahme von Westfalen u. der Rheinprovinz)vom 22. Mai bis 6. Dec. 44,959 Menschen durchdie Seuche ergriffen, u. 23,242 unterlagen ihr.In Rußland erkrankten im I. 1855 an Epi-demien 849,700 Individuen, von denen 163,000starben. Ein anderer amtlicher Bericht gibt aberan, daß bloß von der CH. damals 324,156 Men-schen befallen, u. von diesen 124,504 weggerafftworden seien. In Österreich tödtete die CH.im I. 1866, so weit constatirt, 234,920 Personen;die Sterblichkeit im Ganzen überstieg die Durch-schnittszahl um 252,597; sie hatte diese Durch-schnittszahl im Cholerajahre 1855 ebenfalls um218,149 überschritten. Im I. 1873 erkranktenin Galizien vom 15. Mai bis 6. Juli 51,577,von denen 19,007 starben. In Ungarn zählteman in dem kurzen Zeiträume vom 18. Juli bis1. August bereits 41,673 Erkrankungen u. 15,855Todesfälle. In Wien raffte die Seuche in denverschiedenen Jahren hinweg:

1831 2188

1832 19701836 2316

1849 1117

1850 9541854 2122

1855 19431866 29281873 2854

Zu Breslau zählte man 1866 bis zum 16.Nov. 6306 Erkrankungen u. 4442 Todesfälle andieser Seuche. In Leipzig kamen in den 146Tagen, während deren die Epidemie graffirte (vom29. Juni bis 21. Nov. 1866) 1658 Todesfällean derselben vor 1,«4 PCt. der Bevölkerung;in dem Arbeiterdorfe Stötteritz aber starbenzwischen 26. Juli u. 20. Oct. von den etwa 4000Ew. nicht weniger als 240 6 pCt. (in einemComplcx von 6 kleinen Häusern, bewohnt von56 Partien u. ungefähr 300 Individuen, starben39 13 pCt. Über die Cholera-Epidemien, vondenen die Stadt München zu wiederholten Malenheimgesucht wurde, verdankt man Majer folgendeZusammenstellung:

Epidemien. Erkrankt.

1) Vom 23. Oct. 1836 bis 18. Jan. 1837 --- 87 Tage 2047

2) 2". Juli 1854 bis 5. April 1855 252 6334

3) 16. Juli 1873 bis 28. April 1874 -- 284 3040

Davon: Sommerepidemie bis 11. Nov. 1873 119 1008

Winterepidemie, vom 15. Nov. 1873 165 2032

Gestorben.

945 46,2 M.3066 48,4 PCt.1466 48,2 PCt.455 45 PCt.1011 49 pCt.

Die Bevölkerung Münchens betrug in dieserZeit (rund) 1836 95,000, 1854 127,000, 1871170,000. In Speyer sind in 67 Tagen'(vom26. Aug. bis letzten Oct. 1873) erkrankt 418Personen, davon gestorben 202. Die Seuchewllthcte am meisten in sieben Gäßchen; in einemderselben blieb kein, in einem anderen nur einkleines Haus verschont. Da fast »/j aller Sterb-fälle auf diesen wol kaum von 2000 Menschen be-

wohnten Stadttheil kamen, so läßt sich annehmen,daß in demselben wenigstens 15 pCt. der Ein-wohner erkrankten und mindestens 7 pCt. derSeuche erlagen.

Die Ursachen der CH. Es lag nahe, seit man er-kannt hatte, daß die Lüolsra asiaiioa ganz alleinihre spontane Entstehung in den Gangesniederungeuhabe, auch hier vorzugsweise nachzuforschen, welchelocalen Verhältnisse als specifische für die Entsteh-