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Cholera.
Epidemie, durch welche 60,000 Menschen ihr Lebeneinbüßten. Im I. 1780 herrschte die Krankheitin Tranquebar, 1774, 1781 u. 1782 in Madras,u. 1783 wurden unter den Pilgern in Hnrdwar,einem Wallfahrtsorte am Ganges, innerhalb 8Tagen 20,000 Menschen von derselben dahin-gerafft. Aus diesen Daten ergibt sich nach Hirsch,dem die nachfolgenden Angaben entlehnt sind, daßdie Ursprungsstätten der CH. nicht, wie man bisherbehauptet, nur die unteren Districte von Bengalensind, sondern ein viel größeres Terrain einnehmen;derselbe Forscher glaubt mit Sicherheit behauptenzu können, daß die flachen Küstenstriche u. diefeuchten Flußufer Indiens stets die Hanptorte derspontanen Entwickelung der CH. abgegeben haben.Für die übrigen Orte Indiens bleibt es unent-schieden, ob die CH. dahin durch Einschleppunggelangt, od. daselbst spontan entstanden ist. InChina u. Hinter-Jndien hat niemals vor dem I.1819 die eigentliche CH. geherrscht, vielmehr ge-hörten die dort vorgekommenen Erkrankungen vordieser Zeit der sog. 6Ir. noobras an. Ihre welt-historische Bedeutung gewann die CH. erst im I.1817, als sie begann, sich zunächst über ganzIndien u. demnächst über die Nachbarlande u.weiterhin über den bewohnten Erdball zu ver-breiten. Wir finden 1816 die CH. in Behar, imJuni 1817 in Nuserabad, im Juli in Patna u.Nnddea, im August in Dschessnr, wo sie zuerstdie Aufmerksamkeit der Behörden aus sich zog u.schon eine größere Verbreitung in Bengalen u.den angränzenden Provinzen gefunden hatte. Erstim folgenden Jahre schritt die Krankheit weitergegen Süden u. Westen vor, kam im Oct. nachMadras u. Januar 1819 nach Pallamcottah u.s.w.Schon im I. 1818 überschritt die CH. das in-dische Gebiet, erschien zuerst in Dschafsnapatam, dernördlichsten Stadt Ceylons, u. verbreitete sichschnell über die ganze Insel. In den nächstfol-genden Jahren treffen wir sie auf Jsle de France,an der OKüste Afrikas, auf den Molukken u.Philippinen, in China u. im I. 1832 in Au-stralien. Bei dem Borschreiten in westlicher Richt-ung von ihrem Heimathlande aus finden wirdie Seuche im Frühjahre 1821 an der OKüsteArabiens, von wo sie sich schnell auf Mesopota-mien, Kurdistan u. Syrien verbreitete. Im Mai1823 wurde sie von Persien aus zuerst längs derKüste des Kaspischen Meeres auf russisches Gebieteingeschleppt und gelangte am 22. Septbr. nachAstrachan, also zum ersten Mal ans europäischesGebiet, wo sie jedoch im Oct. völlig erlosch. DreiJahre später beginnt der zweite Anlauf der Seuchegegen Europa, u. nunmehr schreitet sie wie imFluge durch Europa und den übrigen Erdball.Sie nimmt bei dieser zweiten Attake ihren Wegvon Bengalen aus, wo sie 1826 wieder eine grö-ßere Verbreitung erlangt hat, rückt (1829) überPersien gegen Astrachan vor u. hat schon 1830auf russischem Boden ein bedeutendes Terraingewonnen. Sie wüthete nordwestlich bis Jaro-tlaw u. Nowgorod, nördlich bis Wjätka, war inder Nähe Petersburgs u. bis nach Kiew, Podo-lien u. Volhynien vorgedrungen, 1831 erschien siein den westlichen Gouvernements Minsk, Grodno,Wilna, ferner in Polen, u. schickte sich an, von
Rußland aus nach Deutschland vorzurücken. Dasletztere geschah auch sehr bald, u. zwar dehnte sichEnde Juni 1831 die Lreuche von Kalisch aus überdie preußische Grenze aus. Sie durchzog nun dieRegierungsbezirke Posen u. Bromberg, Schlesien u.schritt längs der Oder nach der Mark u. Pom-mern. Bis Ende 1834 hatte sie ihre Tour durchBrandenburg, Sachsen, Hannover vollendet u.langte im Oct. desselben Jahres in Bremen an.Auf einem zweiten Wege wurde im Mai 1831die CH. von Rußland aus nach Danzig durchSchiffe einqeschleppt u. breitete sich epidemisch inOst- u. Westpreußen aus. Aus einem drittenWege drang im Jan. 1831 die CH. von Podolienin Galizien ein, überzog Ungarn, die Walachei,Mähren u. Ober-Österreich. Schon im I. 1831treffen wir die CH. auf dem britischen Jnselreicheu. auf französischem Boden (zuerst in Calais u.Paris), im Mai 1832 in Belgien u. Holland u.den preußischen Rheinprovinzen, im Herbste 1832in Norwegen (während Dänemark ganz verschontblieb), 1834 in Schweden n. s. w. Mit dem Herbste1837 hatte die erste pandemische Verbreitung derCH. ihr Ende erreicht, u. nun schwieg die Krank-heit volle 11 Jahre. Erst im I. 1848 kam eszu einem neuen Eindringen des verderblichenFeindes über die Grenzen Europas, nachdem der-selbe schon 1841 u. 1842 von Neuem zu einergrößeren Verbreitung in Indien gelangt waru. in den folgenden Jahren weiter westwärts fort-schreitend ganz Border-Asien durchzogen hatte. Auftürkischem Gebiete zeigte sie sich zuerst wieder imJahre 1847, gelangte im Öctober d. I. nachConstantinopel, wo sie sich diesmal nicht zu einerheftigen Epidemie steigerte, während von ihr inAegypten (besonders in Kairo) viele Menschen da-hingerafft wurden. In Rußland verbreitete siesich zu dieser Zeit längs des Kaspischen Meeresu. die Wolga hinauf bis nach Kasan u. dann ander NOSeite des Kaukasus entlang zu denGestaden des Asowschen Meeres u. von hier nördl.über Charkow, Knrsk u. Tula nach Moskau, wo-hin sie am 18. Sept. 1847 gelangte u. bis tiesin den Herbst hinein mit gleichmäßiger Heftigkeitandanerte. Nach einem fast vollständigen Erlöschenim Winter 1847 auf 1848 brach sie im Frühjahre1848 mit erneuerter Heftigkeit wieder aus u. ver-breitete sich schnell über den größten Theil Ruß-lands bis nach Finnland, Sibirien (Tobolsk) u.Polen. In Petersburg wüthete sie in einer bisdahin in Europa ungekannten Heftigkeit von MitteJuni 1848 bis Sept. 1849, wo sie sich wiederzu mindern anfing. Von Polen aus gelangte sieeinerseits nach den Ostseeprovinzen, wo sie beson-ders in Mitau u. Dorpat viele Opfer geforderthaben soll, u. anderseits nach Preußen (1848).Die Eigenthllmlichkeit der in diesen Jahren inRußland herrschenden Epidemie war, daß sie un-gewöhnlich rasch vorschritt, Sprünge nach ent-gegengesetzter Richtung machte, lange Zeit aueinem Örte verweilte u. öfters an den schon ver-lassenen zurückkehrte. Während sie früher das platteLand u. hochgelegene kleinere Örte verschont hatte,hauste sie diesmal in kleineren Orten wie in gro-ßen, in tiefgelegenen u. selbst in solchen, die inansehnlicher Höhe lagen, u. während sie früher