801
(Lholcra.
nngen durch den Mund u. durch den Darm ver-bunden sind.
Die Obolsra nostras s. suropsa, d. h. diebei uns vorkommende CH., war schon den ältestenÄrzten, Hippokrates, Aretäos, Celsus u. s. w.,bekannt u. besteht in einem einfachen, bisweilenepidemisch vorkommenden Magen-Darm-Katarrhmit gnßweisen Entleerungen nach oben u. unten.Sie hat ihren Namen nostras ganz mit Unrecht,da sie überall vorkommt, in allen Ländern hei-misch u. zu allen Zeiten beobachtet E Man hatals besondere Form die Ob. infantum beschrieben,da die Krankheit bes. häufig bei Säuglingen vor-! kommt, doch ist die Aufstellung dieser Form nichtgerechtfertigt, da auch Erwachsene an Ob. nostraserkranken u. kein Lebensalter eine Ausschließungdieser Krankheit zeigt. Selbst alte Personen kön-nen an Ob. nostrno zu Grunde gehen; so sollder bekannte Weise der Tonne, Diogenes, infolgedes Genusses roher Rindsfllße an Ob. nostra«f gestorben sein. Beschreibungen von epidemischemr Auftreten der Ob. nostras datiren erst aus demI 16. Jahrh.; Forestus beschreibt eine solche Epi-! demie des Jahres 1548, Riverius vom Jahre1645, Sydenham von den Jahren 1669—1672.Mit Recht vermuthet Lebert, daß wol mancheals Ost. nosfiras beschriebene Epidemie auf Ver-giftung, z. B. auf der Beimischung von Bleizuckerzu Wein, beruhe, u. auch wol Trichinenepidemienmögen damit verwechselt sein; in der Trichinen-epidemie von Hedersleben a. H. war ja auch dieDiagnose zuerst auf CH. gestellt. Die Ursachen derOb. nostras sind hauptsächlich Diätfehler (Genußunreifer Früchte, verdorbener Getränke, z. B. an-gegangenen Lagerbieres, schaler Gose, sauren Weiß-bieres, in Gährung übergegangenen Mostes rc.,
! kalten Trinkwassers, namentlich bei schwitzendem! Körper, unverdaulicher Speisen) u. ErkältungenW infolge zu leichter Bekleidung in heißen Sommer-M tagen mit schneller Abkühlung der Luft amI Abend (aus diesem Grunde beobachtet man öfterW ein epidemisches Auftreten der Krankheit im Spät-W sommer), kalten Badens bei schwitzendem Körper,W zuweilen auch die Einathmnng von fauligen Aus-A diinstungen (von Cloaken, Abtritten); auch starkeD Gemüthsbewegungen führen zuweilen den Aus-W bruch der Krankheit herbei, z. B. bedingt Schre-M äen bei Kindern nicht selten eine sofortige Darm-W entleernng, wahrscheinlich infolge einer momen-M tonen Darmlähmung durch den psychischen Einfluß.M Eine Verbreitung von Person zu Person, od. aufM contagiöse Weise durch ein specifisches Krankheitsgiftfindet nicht statt; die Ob. nostrns besitzt ein sol-ches — im Gegensätze zur asiatischen CH. — nicht.
Die Erscheinungen bestehen in Plötzlich ein-tretendem Erbrechen u. Durchfall. Entweder trittzuerst Erbrechen ein, u. Durchfall folgt nach die-sem, oder umgekehrt. Die Entleerungen erfolgenhäufig sehr stürmisch u. sind außerordentlich zahlreich.^ Die Darmentleerungen haben anfangs eine kothige) Beschaffenheit in Bezug, auf Geruch u. Farbe,schnell werden sie dünnflüssig, öfter ganz unge-' färbt, geruchlos. Es geht ihnen immer Kollern u.mehr od. weniger Kolikschinerz voraus. DasErbrechen ist begleitet von Druck in der Magen-s grübe und Beklemmung; gleichwol verschafft esPierers Universal-Conversations-Lexikon. 8. Ausl. ^
Erleichterung n. thut dem Kranken wohl. Immerist die Zunge belegt, der Appetit vermindert, derDurst vermehrt. Fieber fehlt entweder gänzlich,od. es ist bloß eine Vermehrung der Pulsfrequenzvorhanden. In schlimmen Fällen stockt die Urin»absonderung völlig, u. selbst Wadenkrämpfe sindvorhanden; der Tod kann dann unter Erschöpfungerfolgev ist jedoch sehr selten; meist läßt unterEintritt von Schweiß nach etwa 24 Stunden dasErbrechen u. der Durchfall nach, u. schon nachsehr kurzer Zeit ist der Anfall glücklich überstanden,der Kranke wieder wohl u. fähig, seinen Geschäftennachzugehen. Nur bei kleinen Kindern (unter 2Jahren) ist die Aussicht auf einen glücklichen Aus-gang geringer, ja, in einzelnen Epidemien (z. B.in der von Fourgeaud in St. Louis in den Jah-ren 1841 bis 1843 beobachteten Epidemie) starbenVs der erkrankten Kinder. Beim Auftreten dieserKrankheit ist es dringend anzurathen, sofort ärzt-liche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das diäte-tische Regime anbetreffend, so verordnet man demPatienten Bettruhe u. das Auflegen eines warmenKleienkissens, von Wärmflaschen rc. auf den Unter-leib u. unter die Füße, um ihn zum Schwitzen zubringen, gegen das Erbrechen das Verschluckenvon Eisstückchen od. das Trinken in Eis gekühl-ten Selterser Wassers, u. zwar stets von geringenMengen auf eininal. Die Lebensmittel müssennicht allein im, sondern auch nach dem Anfall imflüssigen Zustande u. nur in geringer Menge aufeinmal dargereicht werden, u. zwar eignen sicham besten Hafergrützenschleim u. schleimige Sup-pen. Bei der Ob. inlantum ist gleichfalls vorAllem die Ernährung zu ordnen, event. eine guteAmme zu besorgen, oder, ist das Kind schon län;gere Zeit entwöhnt, die vielfach beliebte Mehlkostod. Ernährung mit den Milchsurrogaten auszusetzenu. zunächst gut abgefettete, dünne, mit etwas Salep-abkochung vermischte Kalbfleisch- oder Taubenbrüheals alleinige Nahrung zu gestatten. Sehr zweck-mäßig sind auch warme Breiumschläge auf denUnterleib und Einwickelungen des Kindes in er-wärmte wollene Decken. Sind die gröbsten Er-scheinungen beseitigt, so kann man allmählich zurKuhmilch übergehen, niemals aber darf vergessenwerden, daß derartig erkrankt gewesene Kinder leichteinen Rückfall bekommen u. noch längere Zeit eineBerdauungsschwäche behalten, die eine ganz beson-dere Sorgfalt der Ernährungsweise nöthig macht.
8. Die Ob. asiatiea, Ob. morbus, ist einestets epidemisch austretende u. durch Übertrag-ung des specifischen Ch-gistes entstandeneKrankheit. Es darf als ausgemacht gelten, daßVorder-Jndien die Heimath der Krankheit ist (des-halb auch indische CH. genannt), u. daß 1817zum ersten Mal dieselbe ihre Ursprungsstätte verließu. sich fast über die ganze bewohnte Erdoberflächeausbreitete. Namentlich ist das Mundungsdeltades Ganges u. Brahmaputra als ihre Ursprungs-stätte zu betrachten, denn hier scheint seit den alte-sten Zeiten die CH. endemisch geherrscht zu haben.Verläßliche Berichte über Epidemien haben wirjedoch erst seit Mitte des vorigen Jahrhunderts:Sennerat (Vo/aAS nnx Inäss Orient., Par. 1782)beschreibt zuerst die in den Jahren 1768—1771in der Umgegend von Pondichery vorgekommene
Band. i;i