Canaria — Ccmarienvogel. 439
nebst den alten Gesetzen des Landes. Als einMuster des prosaischen Stils gilt eine canaresischeBearbeitung des indischen Pantschatantra; sonstsind noch die Vetalapantschavinsati, die Sukasaptatiu. die Battis puttali, ein beliebtes Märchenbuchmahrattischem Ursprunges, im Lande viel ver-breitet. Ein neueres Prosawerk ist der RomanNilavati von Jadavaraja, einem Hofdichter inMaisur. In neuester Zeit hat sich hier und daauch bei den Canarescn das Bestreben gezeigt,für den Druck zu schreiben. So hat Krischuama-charja, ein Advocat des obersten Gerichtshofes zuMadras, eine Canaresische Grammatik (Madr.1838), ein Anonymus Kathamandschari (Erzähl-ungen, Bangalore 1841) u. Adacki Sooba Row,Ltoriss null Rsvouuo ikapers (Madr. 1846) her-ausgegeben. Die Missionäre haben die Bibel über-setzt u. eine große Anzahl Tractätchen ansgegeben;auch begründeten sie 1844 eine Zeitung, die zu-erst in Mangalore, dann in Bellary erschien. Un-ter Europäern wurden die besten Arbeiten überdas Canaresische von John Mac Kerrell (Gram-matik, Madras 1820) u. W. Reeve (Wörterbuch,Madr. 1832) geliefert. Vgl. Caldwell, L, oom-parsbivs Zrummur vk Druvickian or Lonbü-In-äinn kainil/ ok lanAnaAso. Lond. 1356.
Canarra (Gran-Canaria), die fruchtbarste u.wasserreichste der Kanarischen Inseln; 1861(30,g (UM); 1860: 68,302 Ew.; Gebirge: Roc-que de Sancillo 1666,»» m, Rocque de Nueblo1505,» in u. Pico del Pozo de las Nieves 1834,» m;fast ganz vulcanisch, im N. u. O. sehr fruchtbar;zahlreiche Heilquellen; Wein- u. Olcultur, Seesalz-gewinnung, Ziegenzucht; die Fichtenwaldungennehmen immer mehr ab. Hauptort ist Ciudadde las Palmas, größte Stadt der KanarischenInseln, 11,400 Ew., große u. schöne alte Kathe-drale, Wasserleitung, befestigter Hafen, Handel;Artenara, im Innern, 1200 Ew., deren Wohn-ungen ganz in Tuff gehguen sind; Tiraxana, alteColonie freier Neger, Olbau; Teror, 4600 Ew.,wunderthätiges Marienbild, heiße Quellen; Gal-dar, 2000 Ew., sehr alte Stadt.
Canarie (fr., ital. Canario), sonst ein vonder Gigue nur durch das geschwinde Zeitmaß un-terschiedenes Toustück in G oder H Tact; bestehtaus 2 Theilen, jeder zu 8 Tacten.
Canarienbaum, Canarienharz u. Cana-ricnniissc, s. u. 6ana.rium.
Canariensamen, Samen von dem Canarien-glanzgras (kbalario oanarisnsis); s. i?tis.Iari3.
Canariensect, s. u. Cauarische Inseln.
Kanarienvogel (l?iin§iUa. ouuuria. L., 8sri-nns eauarius ^r.), Vogelart aus der Fam. derFinken, Gruppe der Sperlingsvögel, Ordnung derGangvögel (?L8ssrso); Schnabel kurz ,dick, stumpf-spitzig, geradrandig; Flügel verhältnißmäßig großu. spitz, in der Ruhe die Hälfte des Schwanzesbedeckend; Schwanz mittellang, am Ende einge-schnitten. Vaterland die Canarischen Inseln. Beidem wild lebenden Männchen sind Stirn, Augen-, streif, Kehle u. Brust goldgelb; Kopf, Nacken,Rücken und Oberschwanzdccksedern gelb-grün mitgrauen Federrändern; Unterseite weißlich; Schwin-gen und Steuersedern schwärzlich. Die Weibchen' sind oberseits braun-grau mit breiten schwarzen
Schaftstrichen, sonst fast wie das Männchen gefärbt,jedoch mit dem Unterschiede, daß bei ihm nurBrust u. Kehle goldgelb, die übrigen Theile aberalle mehr grünlich u. dunkler gefärbt sind. JüngereMännchen haben die Farbe des Weibchens. Beiden ebenfalls diesem ähnlich gezeichneten Nest-vögeln vertritt Grau u. Gelb-grau die Stelle vonBraun-grau u. Grün-gelb. DerC. ist ein lehrreichesBeispiel der Veränderung, welche ein Thier er-leidet, wenn es vom Menschen gezüchtet wird.Kaum mehr als 300 Jahre sind verflossen, daßman die ersten Wildlinge dieses jetzt verbreitetstenaller Stubenvögel nach Europa brachte; erst umdie Mitte des 16. Jahrh. begann man den C. inEuropa zu züchten, u. wenig über 30 Jahre ist esher, daß dieser Vogel sich die Welt erobert hat.Die gelbe Farbe, wie wir sie bei den in Gefangen-schaft gehaltenen fast ausschließlich kennen, ist Folgeder Züchtung, ein unvollkommener Leucismus(d. h. Weißwerden des ganzen Gefieders). Undwenn auch an manchen sogenannten grünen Vö-geln die ursprüngliche Färbung wenigstens theil-weise hervortritt, so ist doch selbst die bei diesenThieren so oft vorhandene schwärzliche Federholleein Product der Züchtung. Mau unterscheidethauptsächlich 2 Racen: Harzer oder Audreas-berger u. Holländer (Brüsseler, Brabauter,Pariser). Die letzteren sind in der Regel ganzgoldgelb und ausgezeichnet durch eigenthüinlichcFederwuchernngen auf Brust, Rücken und Ober-flügel. Sie zerfallen in mehrere Uuterracen; diegrößten sind die Pariser od. Trompeter mitkrausen Schulter« u. Brustfedern; die eigentlichenHolländer oder Brabanter sind kleiner, mitunvollkommener Brustkrause (Oiiopsan) und ohneScheitelbusch; die Brüsseler endlich, welche anGröße zwischen jenen beiden stehen, sind sehrschlank, rein goldgelb und nur an der Brust einwenig kraus. Die Holländer sollen auch bei dersorgfältigsten Lehre niemals den vollkommenen u.reinen Schlag der Harzer Vögel erhalten. Diesezerfallen in zahlreiche Racen: in Hoch- od. Gold-gelbe,Gelblich- od. Röthlichbraune,Stroh-gelbe, Weiße, Grau-grüne, Gezeichnete,Gescheckte, Getigerte, Plattköpfige u. Ge-haubte, Gekrönte, Jsabell-Schwarz- undGrünslüg el, Schwarz- und Grünplatten,Schwalben rc. Am beliebtesten sind die Hoch-oder Goldgelben, deren Farbe dem Orange nahe-kommen u. möglich gleichmäßig über den ganzenKörper vertheilt sein muß. Schwalben sind solche,bei denen bestimmte Körpertheile, namentlich Ober-kopf u. Flügel, eine dunklere Färbung zeigen, alsder übrige Leib; bei den Schwarzschwalben sindz. B. jene Theile schwärzlich-grün u. der übrigeLeib gelb. Der Gesang der Canarienvögel sollnur aus wohlklingenden Tönen bestehen; am be-liebtesten sind die Glocken- u. Flötentöne, die Hohl-,Pfeif-, Lach-, Knarr- u. Bogenroller oder Triller.Je wechselreicher diese Laute vorgetragen werden,je angenehmer die Übergänge sind, mit welchen derSchläger sie verbindet, je richtiger er an- u. absetzt,um so höher steht er im Werthe. Der oft wirklichstaunenerregende Gesang eines guten Vogels istnur durch die außerordentliche Mühe u. Sorgfaltder Züchter zu erzielen u. zu erhalten. Unter