Campani —
doch sein geistiger Aufschwung, seine Arbeitskraftungebrochen. Der Papst nahm ihn unter seineHausfreunde auf und bewilligte ihm ein Jahr-gehalt. Vor den Spaniern, die ihm wegen seinesUmganges mit dem französischen Gesandten nach-stellten, floh er 1634 nach Frankreich. In Parisempfing ihn Ludwig XIII. wohlwollend; Richelieusetzte ihm einen Jahrgehalt von 2000 Fcs. ausu. zog ihn oft zu Rathe. Im Dominicanerklosterder Vorstadt St. Honorö sammelte u. ordnete erseine Schriften; diese Beschäftigung unterbrach derTod, 21. Mai 1639. Campanella sagt: Gott istdie einzige Wahrheit. Er spricht zu uns durchWerke n. Worte; seine lebendige Urkunde ist dieWelt, seine geschriebene die Bibel. Den Inhaltder letzteren eignen wir uns durch den Glauben,den Inhalt der ersteren durch die Wahrnehmungan. Die wissenschaftliche Bearbeitung des Ge-glaubten ist die göttliche Wissenschaft, die Theo-logie; ihre Magd ist die menschliche Wissenschaft,die wissenschaftliche Bearbeitung der Wahrnehm-ungen; Weissagungen u. Wunder sind die theo-logischen, Vernunft u. Erfahrung die philosophi-schen Beweisgründe. Der Physiker soll sich nichtauf Bibelstellen, der Thcolog nicht ans physika-lische Gesetze berufen. Zwischen Theologie undPhilosophie stellt C. die Metaphysik; die seinigerühmt er als Dibiia. pbiiosopborum, als Wieder-herstellerin aller Wissenschaften. Die Physik desTilesius nimmt er vollständig in seine Weltan-schauung auf, gibt ihr aber eine festere Grundlageu. ergänzt sie. Alles — lehrt er mit seinem Vor-gänger — ist beseelt, empfindet, ist durch Liebeu. Haß bedingt: der Raunt, die Wärme n. Kälte,die ganz passive Materie, die Weltkörper, diePflanzen, die Thiere, die Menschen. Viel selbstän-diger ist seine praktische Philosophie. Der Maß-stab der Verdienstlichkeit ist ihm die Besiegung derTriebe. Er betont unsere Pflichten gegen denStaat; das Staatswohl ist in seinen Augen dieoberste weltliche Aufgabe. Aber der höhere Geist,der dem politischen Ganzen innewohnt, ist dieReligion; sie darf also nur in einer Gestalt ge-duldet werden; die Ketzerei ist zu unterdrücken;eine Quelle derselben, das Schulstudium der grie-chischen u. hebräischen Sprache, ist zu verstopfen;dagegen sind Mathematik u. Naturwissenschaft zuPflegen. Aufhebung der Nationalunterschiede durchRacenvermischung, Bereinigung der Staaten zurUniversalmonarchie unter spanischem Scepter, Un-terordnung dieses Reiches unter den Papst — dasfind C-s politisch-kirchliche Ideale. Den Jesuiten-orden preist er hoch. Er donnert gegen Luther,Calvin, Macchiavelli. Werke: Dbiiooopbia, souoi-ims äomoustruta, cum vorn äoksusiouo 8. Deiosii,Neap. 1591; Droäromus pbiio8opirias iustau-rauäss, Frkf. 1617; 8s ssusu rvrum ob ma§iaiibri IV, Frkf. 1620, neue Ausg. beider Schrif-ten, Par. 1636; LpoivAia pro (laiiiaoo luatbs-matreo Dioroutino, Frks. 1622; Dsaiis pbiioso-pbiao spiloAistioas partss IV; Do rorum uaturu(kbMoioZiog,), äs dominum moribus (bloruiiu),koiitioa, oui oivitas soiis juuoka, est, ob Oooo-uomiea, Frkf. 1623; Orvrlms soiis, wiederholt inden Disputationen, Par. 1637, einzeln Utrecht1643; ^strologsioorum iibri VI, Leyd. 1629,Pierers Universa!-Conversations-Lexikon. 6. Nufl. '
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Frkf. 1631; ^ibsismus briuiupbatus, Nom 1631,nnt Do Aoutilismo uou rotiuonäo u. Do prao-äosbiug.tious, sisotiouo, roprobationo ob uuxiliisäiviuao Arutias, Par. 1637; Losltu ä'alouuspossie üiosoüebs äi 8sptimouta.no Zguilla, oa-vata äa ouoi iibri äotti la oautioa, oou I'sspo-sioious, 1632, n. A. von I. C. Orelli: Doosisüiosoüobs äi 1. 6., Lugano 1834; Lloäioiuaiimuiibri VII, Leyd. 1635; Dbilosopbias ratiouaiispartoo V: drammatioa, Dialsotioa, Dbstorioa,Doötioa, DistorioAraxbia, Par. 1637; Disputa-tionum in IV partos suao pbilosopbias realisiibri IV, Par. 1637; Dmvorsalis pbiiosopbiusssu metapb^sioarum rorum juxta, propria äoZ-mata partes III, iibriLVIII, Par. 1638; Dcäo^aiu uativitatom portsutosam Dsipbiui Oaiiiei,Par. 1639; Do mouarobia Dispauia, Amst. 1640;Do übrig proxriis ot rsota ratiouo stuäsuäi szm-taAma, Par. 1642, Amst. 1645; die vier erstenBände der gesammelten Werke, Par. 1640. Ge-sammtausgabe seiner Werke von A. d'Ancona,Turin 1854. Vgl. Balduchini, Vita o üiosoüaäi 1'. 0., Neap. 1843; M. Carriere, Die philo-sophische Weltanschauung der Reformationszeit,Sluttg. u. Tüb. 1847, S. 522 ff.; Erdmann,Grundriß der Geschichte der Philosophie, I. 542 ff.
Campani, Giuseppe, berühmter Mechaniker;lebte in der 2. Hälfte des 17. Jahrh. in Romu. verfertigte ausgezeichnete Fernrohre, mit derenHilfe u. a. Dom. Cassini zwei Saturnusmonde ent-deckte. Nach seinem Tode wurden seine astrono-mischen Instrumente von Benedict XIV. gekauftu. dem Institut zu Bologna geschenkt. Er ver-öffentlichte mehrere Schriften astronomischen undoptischen Inhaltes.
Campanien, nach der alten Geographie Cam-pania, die südwestlichste Landschaft Mittel-Italiens,nach späterer Eintheilung zu Unter-Italien ge-rechnet wegen seiner Fruchtbarkeit, auchDoüx von den Römern genannt; erstreckte sichvom Liris bis zum Vorgebirge der Minerva,grenzte im NW. an Latium, im SO. an Lucania,im NO. an Samnium, im S. u. O. an dasTyrrhenische Meer, welches an seiner Küste diebeiden großen Busen 8iuu8 Dutaoiauus (früher8. Oumuuus) u. 8. Daestauus bildete; das Landwar eben, umschlossen von den Apeninuen mitweinreichen Bergen, im SW. der Vesnvius; Vor-gebirge: Dromoutorium LIissuum u. Dr. Lliuor-vao; bewässert von Liris, Vulturuus u. Küsten-flüfsen; reich an Getreide, mit vorzüglichem Wein(Falerner), Öl, Obst, besonders Feigen, Bauholz,Vieh, Mineralquellen; Hauptstadt: Capua, außer-dem Bajä, Cnmä, Misenum, Linternum, Putcoti,Neapolis, Herculanum, Pompeji, Nola, Saicr-num rc. Es heißt noch jetzt Campanien u. gehörtezum Köuigr. Neapel; 17,978 Hjicm (326*/-iÖM,>;2,754,592 Ew.; nmsaßt die 5 Provinzen Avellino,Benevent, Caserta, Neapel u. Salerno. — Dieältesten Einwohner waren die Ansoner, wahr-scheinlich latinischen Stammes, denen sich griechi-sche Ansiedler, in der Gegend des Vesuv, in Cnmä,Puteoli, untermischten, im 7. u. 6. vorchristl.Jahrhundert. Auch die Etrusker dehnten in dieserZeit ihre Herrschaft über verschiedene Theile desLandes in wiederholten Eroberungszügen ans.tV. Band. 27