400
Calvi — Calvin.
Calvi, Pompes, ital. Architektur- u. Land-schaslSmaler, geb. in Mailand 1806; lernte beiMigliaria; wirk! namentlich durch glückliche Ver-lheilung des Lichtes, treffliche Behandlung desHelldunkels u. richtige Perspective. Werke: dieÜberreste des Porticus der Octavia in Rom (1834)u. das Innere des Domes in Monza (1838), imBelvedere zu Wien. Regnet.
Calvi, l) Hauptstadt des gleichnam. Arr. imnördl. Theil des franz. Depart. (Insel) Corsica,am gleichnam. Golfe, Festung ans einer Halbinselmit kleinem Hafen; Gericht I. Instanz; Handelmit Wein u. Olivenöl; 2175 Ew. Die Stadtwurde von einem Herrn von Nebbio, einem An-hänger Gennas, gegründet; die Genuesische Bankließ die Festungswerke bauen u. gab der Stadtviele Gerechtsame, sie stand daher in den corsischenFreiheitskämpsen stets auf der Seite Genuas.In der Mitte des 16. Jahrh. von den Franzosenzweimal vergeblich belagert, wurde sie 1794 vonden Engländern erobert. 2 ) C. Risorta, Stadtin der italienischen Provinz und dem BezirkeCaserta; Bisthum; Kathedrale; einst ansehnlich,hat jetzt nur noch die bischöflichen und andereGebäude; Seminar; ungesund, öfter Erdbeben;Ruinen eines Amphitheaters; 2862 Ew. —C. steht an der Stelle des alten Cales. Auf denTrümmern desselben wurde 879 C. von demGrasen Atenulf von Capua erbaut; 1555 ver-gebens von den Türken belagert; hier im Fran-zösischen Revolutionskriege am 9. Decbr. 1798Sieg der Franzosen über die Neapolitaner, und10. Jan. 1799 Vertrag zwischen Franzosen undNeapolitanern. 3 ) Monte C., Berg in der ital.Provinz Livorno, an der See, Ausläufer destoScanijchen Hügellandes, 543 in, hauptsächlich answeißem Marmor bestehend; berühmt durch seinePorphyre.
Calvillen, s. Apfel a).
Calvin (Calvinus, eigentlich Jean Caulvin od.Cauvin), berühmter Theolog, geb. 10. Juli 1509zu Noyon in der Picardie; war früh schon für dengeistlichen Stand bestimmt u. studirte Theologie inParis, dann, von seinem Vater dazu bewogen, dieRechte zu Orleans u. Bourges, die er aber nacheiniger Zeit wieder zu Gunsten der Theologie auf-gab. Zugleich durch das Studium der HeiligenSchrift, namentlich des griech. N. T., wozu ihnWolmar anleilete, u. durch innere religiöse Kämpfeselbständig zu resormator. Überzeugungen geführt,predigte er in den Versammlungen der Evangelisch-gesinnten zu Paris, entsagte hier seinen kath. Pfrün-den u. faßte den Plan, Frankreich zum Protestantis-mus zu bekehren. Aber die Verfolgung derReformir-ten nahm so überhand, daß er sich mit Noth ausParis flüchten konnte, woraus er sich 1535 nachStraßburg u. Basel begab. Hier schrieb er seineIn8titubiu ollristiaurrs isIiAiouis, durch welche erLen König Franz I. von der Versolgung derProtestanten abzuhallen hoffte, jedoch umsonst.Sein nächster Versuch, in Ferrara als Reformatorzu wirken, mißlang, u. er wandte sich 1536 nachGenf, wo die Reformation bereits durch Farel u.Virel eingeführt war u. er nun Gehilfe dieserBeiden wurde. Als Lehrer u. Prediger angestellt,bestrebte er sich, sein eigenes Glaubensbekennruiß
zum herrschenden zu erheben. Gestützt auf dievielen in Genf eingewanderten reformirten Fran-zosen u. andere Anhänger seiner Lehre, stellte er sichnamentlich den Genfer Patrioten gegenüber, welchesich mehr um Politik als um Dogmatik bekümmertenund daher von den Zeloten Libertiner genanntwurden, ohne daß damit damals eine moralischeHerabwürdigung gemeint war. Als C. u. Farelnun den Genfern einen neuen Katechismus nachihrer Lehre aufdrängen wollten, erregte diesesgroßen Streit, der damit endete, daß die beidenPrediger aus Genf verbannt wurden (1538).
C. brachte sein Exil meist in Straßburg zu, woer eine franz. resormirte Gemeinde gründete u.als Abgeordneter der Stadt an den Reichstag inFrankfurt u. zu dem Religionsgespräch zu Regens-burg gesandt wurde. Aber unterdessen erlangtenseine Anhänger in Genf nach heftigem Parteikampsewieder die Oberhand u. riefen ihn 1541 zurück.Ungern kam er, wurde aber durch erhöhte Stellungu. große Ehren entschädigt u. zugleich auch beaus-tragt, die Gesetze Genfs abzufassen. Die bestehendeRegierung war von da an sein Werkzeug u. ereigentlicher Dictator. Ein durchgreifendes Spio- >nirsystem wurde von ihm organisirt, um alleReden u. Thaten seiner Gegner in Erfahrung zubringen. Beleidigungen seiner Person wurdenwie Gotteslästerungen bestraft u. Leute, welcheabweichende Ansichten aufstellten, öffentlichen Demä-thigungen unterworfen u. excommunicirt, späteraber, als sich die Anhänger C-s noch sichererfühlten, geradezu hingerichtet, wie z. B. JakobGruet, der jüngere Berthelier (s. d.) u. d. A.
Der bekannteste Justizmord unter C-s Herrschaftist aber die Verbrennung des Michael Servet (s. d.)wegen abweichender Ansichten über die Dreieinig-keit, im Jahre 1553. Auch blühten unter E-sHerrschaft die Hexenprocesse in hohem Maße, u.in moralischer Beziehung wurde gegen harmloseVergnügungen u. sogar gegen Trachten, gegenTaufnamen, die nicht aus der Bibel stammten u.gegen Volksgebräuche mit einer Strenge einge-schritten, welche später glauben machte, daß C.in Genf die Sitten verbessert hätte, was abernach zeitgenössischen Berichten u. Schilderungengar nicht der Fall war. Das Theater wurde un-ter C. vollständig unterdrückt. C. verpflanzte denMönchsgeist in die neue Kirche, ja, dieser Mönchs- !
geist sollte die ganze Gemeinde beherrschen. Erst >
i. I. 1555 gelang es C. durch mehrere Hinricht-ungen, denen arge Unruhen vorangegangen, diesog. Libertiner niederzuwerfen. Von da an warseine Regierung, wenn auch nicht milder, dochnicht mehr blutig. Im Jahre 1558 stiftete er dieAkademie zu Genf, deren erster Rector Beza (s. d.)wurde, die indessen in jener Zeit vorzugsweiseder Theologie C-s diente. Im Übrigen war errastlos bestrebt, seine Richtung weiter anszudehnen, -u. knüpfte zu diesem Zwecke Verbindungen mitden Presbyterianern Schottlands, wo John Knoxsein Schüler war, sowie in Skandinavien undPolen an. Vorzugsweise aber wirkte er für seineGlaubensgenossen in Frankreich (s. Hugenotten),welche, dort vertrieben, stets bei ihm Aufnahme u.Schutz fanden. — Seine Gesetze zur Organisationder Kirche machten die Presbyterialverfassung zur