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Byzantinisches Reich (Geich, bis 718°).
Flavins Tiberius Mauritius genannt, der dannendlich 590 mit Persien einen vortheilhaften Frie-den schließen konnte. Dann wandte er sich gegendie Avaren^die bisher dieDonau-Halbinsel wiederholtfurchtbar heimgesucht u. bei verschiedenen Friedens-schlüssen von den Byzantinern hohe Tributeerzwungen hatten. Die Unternehmungen desMauritius u. seiner Feldherren hatten dagegenallmählich Erfolg u. konnten endlich bis über dieDonau ausgedehnt werden, bis 602 bei dem Donau-Heere eine Empörung gegen ihn ausbrach. Die Sol-daten erhoben den Hauptmann Phokas zum Kaiseru. gewannen die Hauptstadt, wo Phokas den Mau-ritius sammt seiner Familie ermorden ließ. DaPhokas aber ebenso grausam als unfähig regierte,wurde man in Constantinopel seiner bald genug sattn. rief endlich den Statthalter von Afrika Heraklioszu Hilfe. Dieser schickte 610 seinen Sobn Herakliosmit einem Heere nach Constantinopel; Phokasward vom Volke zerrissen u. Heraklios ans denThron gesetzt (610—641). Anfangs war er un-glücklich gegen die Perser, welche seit 603 denKrieg erneuert hatten u. jetzt Syrien, Palästina,Ägypten, Kleinasien eroberten u. seit 617 vonChalkedon aus Constantinopel dauernd bedrohten.Aber mit heroischer Kühnheit u. großem Erfolgeeröffnet? Heraklios im Jahre 622 den Krieg ansder persischen Grenze. Umsonst griffen Perser n.Avaren im Sommer 626 Constantinopel wüthcndan. In den Jahren 622—627 siegte der Kaiserim O. so entscheidend, daß 628 ihm die Perserim Frieden die alte Grenze wieder zngestehenmußten. Von nun an hörten die Kriege der Persergegen das Byzant. R. auf, dafür aber begannenfeit 633 die mit den Saracenen, welche demHeraklios bis 640 dieselben Länder entrissen, welcheer erst von den Persern zurnckerobert hatte. Da-mals tobten in der Kirche die Streitigkeiten überden Monotheletismus, die jetzt eine ähnliche BeLentung hatten, wie im 5. Jahrhundert die mo-nophysitischen Streitfragen. Heraklios hinterlicßbei seinem Tode (641) 2 Söhne, von Eudoxiaden Heraklios Constantin III., von Martina denHerakleonas. Ersterer war schon 613 zu seinemNachfolger bestimmt, aber nachdem er nach desVaters Tode 3 Monate regiert hatte, starb er(Juni 641), u. seine Stiefmutter, die angeblichseinen Tod hcrbeigeführt hatte, setzte den Hera-kleonas auf den Thron; diesem war das Volkund der Klerus nicht zugethan, u. infolge einesAufruhrs mußte er (September 641) mit seinerMutter in die Verbannung gehen. Constans II.,des Constantinns 12jähriger Sohn, wurde nunAlleinherrscher. In reiferen Jahren ein harter,grausamer, aber energischer Mann, stand er kirch-lich zu der Partei der Monotheleten, welcher erunter den heftigsten Streitigkeiten mit dein päpst-lichen Stuhl, dessen Inhaber durch ihn tief ge-demüthigt wurde, die Oberhand verschaffte. DenArabern, die bis 647 Afrika bis nach Tripoliseroberten, die griechischen Inseln bis nach Rhodosund Kos plünderten oder zinsbar machten, leisteteConstans sowol ans der Seeseite, wie an dermesopotamisch-syrischen Grenze zähen Widerstand,gewann auch 658 Friede mit ihnen. Als er abernachher seinen Bruder Theodosios beseitigt hatte,
wich er durch Gewissensbisse beschwert aus derHauptstadt u. regierte seit 662 meist zu Syrakus,wo ihn endlich im Jahre 668 ein Diener er-mordete. Sein Sohn Constantin IV. Pogonatoshatte von Anfang an schwere Kämpfe gegen dieAraber zu bestehen. Erst als die 7jähr. Belager-ung (672—678) Constantinopels (Constantin be-diente sich des von dem Syrer Kallinikos kurzvorher erfundenen Griechischen Feuers gegen dieAraber) mit vollständiger Niederlage der Moham-medaner geendigt hatte, schlossen die Araber mitihm wieder Frieden, u. blieb das Reich in Asienseitdem auf die Länder nördl. von Mesopotamienbeschränkt. Nun aber waren (während 675 bis681 unablässige Angriffe slawischer Stämme in Ma-kedonien sich gegen Thessalonike richteten) im Jahre678 die Bulgaren zu fester Ansiedelung über dieDonau gegangen, und nach einem unglücklichenFeldzüge sah sich der Kaiser genöthigt, ihnen imFrieden d. I. 680 n. Chr. das Land abzutreten,welches noch heute Bulgarien genannt wird; csbildete für Jahrhunderte die Grundlage neuer Er-oberungen u. neuer Kriege der Bulgaren in demByzant. R-e. Damals schloß der Kaiser auch Frie-den mit den Kroaten u. Serben, die unter Hcra-klios Dalmatien, Bosnienu. Serbien eingenommenhatten u. jetzt formell die byzantinische Oberhoheitanerkannten. Constantin, der im A 680/81 ansdem (sechsten ökumenischen) Concil zu Constanti-nopel die Monotheleten aufgegeben u. der Ortho-doxie die Herrschaft in der Kirche wiederverschafsthatte, starb 685. Ihm folgte sein Sohn Justinia-nus II. Dieser entriß durch Leontios den SaracenenJberien, Albanien, Armenien, wurde aber wegenverschwenderischer u. grausamer Herrschaft durcheinen Aufstand gestürzt, bei dem er Thron undNase verlor (seitdem Rhinotmetos genannt) u. nachCherson auf der Krim verbannt wurde (695).Leontios, der Urheber seines Sturzes, bemächtigtesich des Thrones, verlor aber 698 Carthago andie Araber. In demselben Jahre stürzte ihn derAdmiral Apsimar, als Kaiser Tiberius III. ge-nannt; aber 705 führte den Justinianus der Bnl-garenkönig Terbelis, zu dem Jener geflohen war,in das Reich zurück; Leontios u. Tiberius wurdenhingerichtet. Da er in wilder Rachgier gegenseine Unterthanen zu wüthen fortfuhr, fiel er 711durch einen neuen Aufstand. Nach ihm regiertePhilippikos bis 713; nach dessen Sturze Anasta-sias II., vorher Artemios genannt, welcher Con-stantinopel gegen die von Kleinasien u. Ägyptenher drohenden arabischen Angriffe in guten Ver-theidigungszustand setzte. Infolge einer Empörungseiner gegen die Saracenen geschickten Flotte legte er716 die Herrschaft nieder u. ging in ein Kloster.Gleiches that bald darauf der im Herbste 715gegen ihn durch die Flotte als Kaiser erhobeneTheodosios III., da ihn ein anderer Feldherr,Leo III., ein Jsaurier, nicht anerkennen wollten. im Sommer 716 mit HeereSmacht gegen Con-stantinopel zog. Leo ward nun Kaiser. DieAraber, die Thronstreitigkeiten in Constantinopelbenutzend, hatten inzwischen Kleinasien bis zurPropontis besetzt, den Hellespont überschritten n.belagerten nun mit Hilfe einer großen Flotte biszum August 718 Constantinopel, allein Leo ver-