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Byzantinisches Reich (Gesch. bis 582).
zum Kaiser erhoben. Dieser aber wurde schonim Jahre 475 durch Jntriguen seiner ehrgeizigenSchwiegermutter, Leos I. Wittwe, Verina, welcheihn stürzen u. ihren Bruder Basiliskos auf denThron heben wollte, zum Rücktritte genöthigt.Zeno entfloh nach Jsaurien u. überließ dem Ba-siliskos den Thron. Unter dessen Regierungbrannte ein großer Theil von Constantinopel ab.Basiliskos verscherzte durch Begünstigung derMonophysiten n. durch Grausamkeit u. Geiz balddie Gunst des Volkes, und auch von seinen An-hängern verlassen, sah er sich 477 genöthigt, demZeno den Thron wieder einzuräumen, als dieser,von dem jungen Ostgothenkönig Theuderich (demGroßen) unterstützt, sich die Stimmung des Volkeszu Nutze machte. Nachher aber zerfiel Zeno mitden Gothen u. hatte mit ihnen bis 483 in Thra-kien u. Makedonien einen schweren Krieg zu führen.Es war kein Glück für das Reich, daß Zeno imJahre 488 den Entschluß der Ostgothen, nachItalien zu ziehen, mit Erfolg förderte, denn ihrAbzug von der unteren Donau öffnete dieseGrenze nunmehr den Bulgaren u. Slaven. ZurVersöhnung der über die Natur Christi streitendenParteien erließ Zeno 482 das Henotikon (s. d.).Sein Nachfolger Anastasias I. Dikoros (491 bis518), ein vortrefflicher alter Beamter des Hofes,der durch die Verheirathung mit der kaiserlichenWittwe Ariadne auf den Thron kam, hatte einesehr unruhige Regierung. Zenos Bruder, Lou-ginos, erregte die Jsaurier zu einem Aufstandegegen den Kaiser, indem er selbst Ansprüche aufden Thron erhob. Dieser wurde allerdings (497)niedergeworfen; auch einen Krieg mit den Persernendigte der Friede 505 in zufriedenstellender Weise.Desto wilder wurde die Balkan-Halbinsel heim-gesucht durch die Bulgaren u. Hunnen, gegenwelche Letzteren Anastasios wenigstens das reicheVvrterrain von Constantinopel durch eine 12 Meilenlange Mauer (von Selybria nach Derkon) schützte.Da er die «lonophysitisthe Partei zu begünstigenschien, so brachen wiederholt Empörungen in Con-stantinopel gegen ihn aus. Als er 518 starb,ward Justinus I., Befehlshaber der Leibwache,Kaiser, der Abkömmling einer romanifirten thra-kischen Bauernfamilie in Dardanien; er starb 527.Es folgte sein Neffe Justinianus I., dessen kühneFeldherren Belisar und Narses seiner RegierungGlanz u. Ruhm verschafften. Sein Bestreben wardie äußere Wiederherstellung des alten Kaiserreiches,wie es unter Constantin d. Gr. gewesen war. Einengroßen Zuwachs erhielt sein Reich jedenfalls durchdie Eroberungen Belisars, welcher den Sturz desVandalenreiches herbeiführte u. Afrika, Sardinien,Corsica u. die Balkarischen Inseln (533) und indem Ostgothischen Kriege (535—540) Sicilien u.Italien unterwarf. Aber Afrika blieb zunächstein unsicheres Besitzthnm für das Byzant. R., weildie Aufstände dort kein Ende nahmen, u. auch inItalien begann bald wieder mit den Gothen einVernichtungskampf, den erst Narses 555 glück-lich beendigte. Zur Verwaltung Italiens (desExarchats) wurde ein kaiserl. Statthalter (Exarch)in Ravenna eingesetzt; s. Exarchat. In Spanienwurde (549—554) den Westgothen die Küste vonCartagena bis Lagos entrissen. Dies erweckte glän-
zende Erwartungen, nöthigte aber für die Folge-zeit zu starker Überspannung der Kräfte desReiches. In Stadt und Land schuf JustinianusLuxus- und nützliche Bauten, als Brücken, Laza-rethe, Wasserleitungen, massenhafte Festungen zumSchutze der Grenzen gegen die nördlichen u. öst-lichen Nachbarn (namentlich an der Donau undauf den inneren Vertheidigungslinien der Balkan-Halbinsel bis zum Korinthischen Isthmus), u. be-reicherte die Industrie des Byzantischen R-es durchden Seidenbau. Zu den religiös«: Streitigkeiten,welche chronisch die innere Ruhe störten, geselltensich neuerdings mehr u. mehr noch die Reibungenim Circus, wo die Zuschauer seit Alters in ver-schiedene gegnerische Parteien zerfielen, für dereneine sich selbst der Kaiser gewöhnlich entschied.Aus diesen Spielparteien wurden nach u. nachpolitische Factionen; das Tragen der Farbenihrer Lieblingswettrenner (roth, grün, blau, weiß)auch außer den Spielen gab Veranlassung, die In-teressen der einzelnen Parteien auch bei anderenGelegenheiten hervortreten zu lassen, selbst inBeziehung auf die religiösen Ansichten, auf richter-liche Verhältnisse, auf Militärbesörderuugen rc.Im Januar 532 entwickelte sich aus solchen Reib-ungen der Circusparteien eine gefährliche Empör-ung in der Hauptstadt (Nika-Tumult, von dem Rufeslsika! fd. i. siege!j dem Losungsworteder Empörer).Weil der Kaiser, ein Begünstiger der Blauen,die von denselben verachteten Grünen nicht hatteschützen wollen, u. als der Stadtpräfect Eudämoneinige Rädelsführer von beiden Parteien zurWiederherstellung der Ordnung hatte hinrichtenlassen, so verbanden sich die feindlichen Parteien,alle politische u. religiöse Abneigungen rc. kamenzum Vorschein, man suchte einen neuen Kaiserauf den Thron zu bringen u. das Schloß zustürmen; freilich ohne Erfolg, aber ein 5tägigesRauben, Brennen und Morden verwüstete dieStadt. Gegen die Reste des Heidenthums erließJustinianus scharfe Befehle u. ließ die letzten Hör-säle der griechischen Philosophen in Athen schließen(529). Seit 540 wurde auch das nur dem Namennach noch bestehende Consulat nicht mehr besetzt.Justinianus' bleibendes Verdienst war die durch dasVorbild des Ooäsx 'btrsockosianus augeregte groß-artige Codification des Römischen Rechtes, die inder Hauptsache bis zu Ende d. I. 534 vollendetwurde. Justinianus st. 565. Sein Nachfolger warsein Neffe Justinus II. (565—578). Unter diesemging ein großer Theil Italiens seit 568 an dieLangobarden verloren, mit denen seitdem auf dieserHalbinsel dauernde Kämpfe zu bestehen waren.An der Donau war seit 562 das türkische Volkder Avaren die gefährliche Vormacht unter denBulgaren u. Slaven geworden. In Asien aber,wie seiner Zeit unter Justinianus I., war seit 572wieder ein beschwerlicher persischer Krieg im Gange.Justinus nahm 574 den trefflichen FeldherrnLiberins Constantinus zum Mitregenten an, unddieser regierte nach Justinus'Tode (578) mit Weis-heit u. Milde allein fort. Namentlich gegen die Perserhatten seine Waffen Erfolg. In letzterem Kriegeleistete ihm sein Feldherr Mauritius gute Dienste;daher vermählte er diesem seine Tochter. AlsLiberins 582 starb, folgte ihn: dieser, als Kaiser