Druckschrift 
Bd. 4 (1876) Brasilienholz - Chopersk
Entstehung
Seite
337
Einzelbild herunterladen
 

337

Byzantinisches Reick

u. die Rücksichten auf die Orthodoxie in Kirchein Volk thatsächlich starke Schranken; unheilvollaber war es, daß mau die Unbestimmtheit derErbfolge aus den römischen Zeiten mit übernommenhatte. Der Kaiser nannte sich 4.utoürator, späterauch Lsdastoürator; dazu gab ihm die Schmei-chelei manche nur Gottzukommende Prädicate: an-fangs 8sbnst«s, d. i. Verehrungswllrdiger (dieKaiserin Lebaoto oder Lsbastias), dann t?roto-soimstos, der vor Allen Verehrungswürdige, zu-letzt ?anli^pörssdg.8to8, der über Alles Vcrehr-ungswürdige. Der Kaiser wurde von demPatriarchen zu Constantinopcl gesalbt u. gekrönt(zuerst Leo I.); seine Person war geheiligt u. durchschwere u. grausame Strafen gegen Verletzunggeschlitzt. Da die byzantinischen Kaiser die un-mittelbaren Nachfolger der römischen Imperatorenwaren, so nannten sie sich Kaiser der Römer(griechisch Rhomäer) u. hielten stets an den An-sprüchen auf das Weströmische Reich fest. AmKaiserhofe war eine Unzahl von Beamten ange-stellt, die nach oben ganz abhängig, unter ein-ander in viele Klassen getheilt n. durch Titel u.Tracht verschieden waren. Die obersten Beamtenwaren die Domsskivi (s. OomsMom), welche dieunmittelbare Umgebung des Kaisers bildeten undvie'le Eunuchen unter sich zählten; nach ihnen dieLnroxalakeo (s. d.), die Haushofmeister der vierkaiserl. Paläste. Der Staatsrath (Senat) besorgtedie Leitung der Staatsgeschäfte; die Mitgliederwurden von dem Kaiser ernannt; die Oberleitungin demselben harten bald Palastbeamte, bald, wieunter den Paläologen, der oberste Militärbefehls-haber (Llsxaäomevtieno). In den einzelnen Pro-vinzen des Reiches saßen anfangs Statthalter vonverschiedener Würde u. verschiedenen Titeln, welchebestimmte Summen an den Kaiser abzuliefern hat-ten. Die ans der Zeit von Theodosios' I. Todeübernommene römische Eintheilnng wurde über-wiegend aus militärischen Rücksichten während des7. n. bis zur Mitte des 8. Jahrh. mit der Ein-thcilung in Themata vertauscht; in Europa hatteman 12, in Asien 17 Themata, deren jedes durcheinen Strategen regiert wurde. Was die in hartfiScalischem Sinne geleiteten Finanzen anlangt, sowar der Staats- und kaiserliche Schatz eins; indenselben flössen die festgesetzten Tribute aus denProvinzen, außerdem Stenern, deren Höhe nachden Bedürfnissen bemessen wurde, u. die Erträgeder Regalien u. Domänen; ans demselben wurdenalle Auswände bestritten, selbst die tributartigenGeldzahlungen an unruhige Nachbarn, dafür, daßsie das Reich in Ruhe ließen. Nücksichtlich desHeerwesens waren die stehenden Legionen nachVollendung der Themenverfassnng unter die ver-schiedenen Themata vcrthcilt. Die Armee war theilsaus den Bewobncrn einiger kriegerischen Provin-zen u. befreundeter Clientclstaaten (wie Armenienu. die christlichen Kaukasnsländer), theils aus ge-worbenen Fremden (zuerst namentlich Germanen,später Stämmen aller Art) gebildet. Die Ober-besehlshaberstelle bekleideten voinsotiei, der höchstewar der vomootiens des Ostens, NsAaäomeoti-vU8. Anfangs wurde das Heer aus dem Staats-schätze besoldet, später hatten die Themata die Er-haltung ihrer Besatzung theilweise zu bestreiten.

Pierers Universal-Conversations-Lexikon. k. Aufl. II

(Gesch. bis 474).

Die Garde (Spatimrü, unter dem ^rotospnüia-rio3) bestand ans Fremden. Unter diesen sind seitdem 10. Jahrh. namentlich die Warangen mäch-tig geworden; bis zur Eroberung Englands durchdie französischen Normannen bestand dieses Corpsin der Regel aus skandinavischen Kriegern, spä-ter größtentheils aus Engländern. Mit Vorliebewurden die technischen Waffen, seit Ende des 7.Jahrh. namentlich die furchtbare Artillerie (dasgriechische Feuer) gepflegt. Die Flotte wurde vondem vux befehligt. Für das Nechtswesen

wurde im Byzant. R-e viel gethan; mehrere Kai-ser nahmen sich der Gesetzgebung ernstlich an (s.Byzantinisches Recht). Der Hauptsache nach be-wahrte das Byzant. R. bis zu seiner Vernichtungdurch die Lateiner des 4. Krenzzuges zu Anfang des13. Jahrh. eine Fülle reicher Cnltnrelemente. Ammeisten aber hatte die byzantinische schlaue Diplo-matie den altrömischen Charakter bewahrt u. blieblange eine der besten Schutzwaffen dieses Reiches.Das Reich selbst war kein Nationalstaat, sondernvereinigte vielerlei an Sprache u. Sitte verschie-dene Völker in sich, die aber durch das Mediumder griechischen Sprache mit einander verkehrten.

II. Geschichte des Reiches. 4.) Von dessenAnfang bis zur makedonischen Dynastie,395866 n.Chr. Der erste Kaiser des Byzant. R-eswar Theodosios des Großen älterer Sohn Arca-dins, seit 395. Der schwache Kaiser war zeit-lebens der Spielball seiner Minister (zuerst Rufinus,dann Eutropins) n. seiner schönen fränkischen Ge-mahlin Eudoxia. Nach Arcadius' Tode (408) kamsein 7jährigcr Sohn Theodosios II. auf den Thron.Nachdem der ausgezeichnete Präfect Anthemiusbis 415 das Reich verwaltet hatte, nahm Theo-dosios seine kluge n. reichbegabte ältere SchwesterPulcheria als Mitregentin an, die fortan alleNegiernngsgeschäste leitete. Die Einführung desOuäox lüeockooiainw im Jahre 438 n. Chr. istdas bleibende Denkmal dieser Regierung, die sonstnamentlich durch die Angriffe der Hunnen (Attila),besond. 433447, hart heimgesuchl u. schwer gc-Lemüthigt worden war. Als Theodosios 450 starb,gewann Pulcheria, die durch die Cabalen desMinisters Chrysaphios momentan zurückgedrängtwar, volles Übergewicht und erhielt den Thronallein; sie heirathete den trefflichen FeldherrnMarcianus. Bisher hatten die Byzantiner denHunnen schwere Tribute zahlen müssen. DaMarcianus gegen Attila eine ernstere Spracheführte, ließ dieser von dem Byzant. N-e ab u. zognach W., wie es seit 408 die Westgothcn gethanhatten. So gewann das Byzant. R. für längereJahre relativ ruhigere Tage, bis nachmals seitAusgang des 5. Jahrh. die lange. Reihe der Ein-brüche turanischer n. slavischer Völker an der Donau-grenze beginnt, denen im O. persische u. arabischeKriege fast unablässig zur Seite gehen. Mar-cianns starb 457, u. durch den Feldherrn Asparward Leo I. d. Große auf den Thron gehoben,unter dessen Regierung die Vandalen in Afrikaihre Raubzüge seit 467 auch gegen Griechenlandkehrten. Auf Leo I. folgte 474 sein ZjährigerEnkel Leo II., welcher aber schon nach wenigenMonaten starb. Unter diesen Ümständen wurdedes verstorbenen Kindes Vater, Zeno Jsauricus,Band. 22