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Bd. 4 (1876) Brasilienholz - Chopersk
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Byzantinische Kunst.

die Schreibweise wird breit, mit hohlem Pathosversetzt, dabei doch oft trocken und form- wie ge-schmacklos. Chronologisch gehören in die Zeit derbilderstürmenden Kaiser (718 867 n. Chr.) dieChronisten Georgios Synkellos, der PatriarchNikephoros, derAbt Theophanes; der makedonischenDynastie (8671057 n. Chr.) außer dem gelehrtenKaiser Constantinus Porphyrogennetos namentlichGenesios, Leon Grammatikos, Georgios Mo-nachos, Pollux, Simeon Metaphrastes, die Ver-fasser des Ellroniecm kasokaalo, dann Nphilinos,u. im 11. Jahrhundert Leon Diakonos n. MichaelAttaliota, wie nachmals in der Komnenenzeit (bisznm Ausgang des 12. Jahrh.) außer den fürstlichenSchriftstellern, unter denen namentlich Anna Kom-nena glänzte, der Mönch Georg Kedrenos, JohannesSkylitzos u. Annas Gatte, Nikephoros Bryennios.Historiker des 12. Jahrh. waren namentlich Joh.Kinnamos, Michael Glykas und Joh. Zonaras.Dem Zeitalter des latinischen Kaiserthums gehörenan: Niketas Akominatos n. Georg Akropolita. DerZeit der Paläologen endlich sind zuzutheilen GeorgPachymeres, Nikephoros Gregoras, Joh. Kanta-kuzenos, Joh. Dukas, Georg Prantzes, GeorgKodinos, Laonikos Chalkokondylas. Sachlich un-terscheidet man eigentliche Annalisten, die einevollständige Geschichte des Oströmischen Reichesvon Constantinus d. Gr. bis zur türkischen Erober-ung bieten. Dahin gehören namentlich Zonaras,Niketas Akominatos, Nikephoros Gregoras, Laoni-kos Chalkokondylas. Andere haben einzelne Partiendieser Geschichte beschrieben. Die Chronisten fer-ner haben historische Compilationen der Weltge-schichte von der Urzeit an bis znm 8.13. Jahrh.gemacht, am besten Leon Grammatikos, NikephorosPatriarch«, Michael Glykas, Georgios Synkellos.Noch Andere endlich haben über Sitten, Einricht-ungen, Verfassung rc. des Byzantinischen Hofes u.Reiches geschrieben rc. Außer den Ausgaben ein-zelner Werke derselben oder ganzer Schriftstellerbesitzen wir eine ziemlich vollständige Ausgabeihrer sämmtlichen Werke in dem Lorpuz bz-rmuti-nnm od. Lxrantinas llistorias seriptores, heraus-gegeben von Labbe, Fabrotti, Dusresne u. A., Par.16541711, 35 Bde., Vened. 172733, 23 Bde.Fol., die neueste Ausgabe von Niebuhr, Bekker,Dindorf, Hase u. A., Bonn 182855, 48 Bde.

Hertzbrrg.

Byzantinische Kunst. Es lag in dem innerstenWesen des Christenthums, daß es in der erstenZeit seiner Entwickelung der Kunst, die es vor-sand, wenn nicht feind, so doch entschieden abge-neigt war, denn die gesammte alte Kunst war ausder religiösen Überzeugung hervorgegangen undstand auch jetzt noch vielfach im engsten Zusam-menhänge mit dem heidischen Cultns, in dessenDienste sie groß geworden. Die neue Religion, diein ihrem Gotte nicht mehr eine verkörperte Natur-krast sah, sondern ein rein absolut geististes Wesen,bedurfte der Kunst nicht, der es an einem sicht-u. greifbaren Object fehlte, das sie hätte darstellenkönnen. Dazu kam noch ein anderes Element vonnicht zu unterschätzender Bedeutung. Das Christen-thum sah in den alten Göttern u. Göttinnen, vonderen Leben die Mythe gar Manches zu erzählenwußte, was der christlichen Moral widersprach,

Dämonen, die einen schlimmen Einfluß auf dasMenschengeschlecht geltend zu machen suchten, unddiese zu bekämpfen, gehörte zu den ersten Auf-gaben der neuen Lehre. So ward Venus zurTeufelin, welche die Menschen zur Wollust ver-führte, u. der alte bockssllßige Faun mußte es sichgefallen lassen, das böse Princip zu repräsentiren,das nicht minder persönlich als das gute diesemverneinend gegenüberstand, wobei die Verquickungpersischer u. jüdischer Überlieferungen eigenthüm-lich genug zu Tage trat. Das Jndenthum kanntekein Bild Gottes, ja, es verbot sogar, ein solchesherzustellen, u. den Inden-Christen lag diese An-schauung nahe genug, um sie unverändert zu re-cipiren, während die Heidenchristen sich mit deinFeuereifer Nenbekehrter von Darstellungen hättenabwenden müssen, die sie an den alten abgelegtenGlauben erinnerten. So kam es, daß sich dieChristen der ältesten Zeit mit symbolischen Zeichenbegnügten, unter denen sich ihnen Gott verbarg;s. Christusbilber. Anders aber gestalteten sich dieVerhältnisse, als die Kirche in ruhigere Zeiteneintrat u. sich zur herrschenden geistigen Machtaufschwang. Nun durfte sie nicht bloß an derherben Strenge ihrer bisherigen Anschauung derbildenden Kunst gegenüber einiges Nachlassen;es mußte ihr wünschenswerth erscheinen, ihrerMachtstellung auch nach dieser Seite hin sichtbarenAusdruck zu geben. Zudem ging es nicht längermehr an, den künstlerischen Gestaltnngstrieb derantiken Cultur zu ignoriren. Aber diesem Ge-staltungstriebe entsprach die gestaltende Kraft nichtmehr; die alte Kunst hatte sich überlebt, und anihre Stelle trat nach den ewigen Gesetzen derCulturgeschichte eine neue, auf den Grundsätzender neuen Lehre ruhende. Naturgemäß eignete siesich die Formen an, deren sich ihre Vorgängerinin ihrer letzten Periode, in der des Verfalles, be-dient hatte. Aber durch die alten verdorbenenFormen wehte ein neuer geistiger Hauch u. ver-lieh ihnen einen neuen eigenartigen Charakter nichtbloß, sondern auch die Fähigkeit der Fortbildung.An die Stelle der alten Roma war das jugend-frische Byzanz getreten und ward auch der Aus-gangspunkt der neuen Kunst, die deshalb mit Rechtnach ihm genannt wird. Die Angehörigen derneuen Genieinden bedurften bestimmter Locale, umsich dort zu versammeln; fanden sie solche, wie dasvielfach bei den Basiliken der Fall, nicht vor,mußten sie neue einrichten und thaten das nachdem ihren Bedürfnissen entsprechenden Muster der-selben Basiliken (s. d.). Solche ans der ältestenZeit sind in allen damals bekannten Erdtheilen,z. B. in Orleansville (Algerien) vom Jahre 252,in El Hagy (Libysche Wüste); andere standen inTyrus u. Jerusalem, in Bethlehem n. Rom; hierdie Basilica von Sta. Croce in Jerusalem, die altePeterskirche, S.Paul vor den Mauern rc. inRom rc.Üeber die eigenartige Entwickelung der byzanti-nischen Baukunst in Constantinopel s. Baukunst(S. 785) n. über die Katakomben s. d. Über dieEntwickelung der roman. Architektur aus der by-zantin. s. ebd. (S. 786). Die Scheu der ältestenChristen vor bildlichen Darstellungen mußte gegen-über den greifbaren Werken der Plastik noch leb-hafter sein, als vor der auf bloßem Scheine be-