326 Bilttersäuregährung — Buttmami.
unterschieden u. führt den Namen Jso-B., währenddie oben besprochene Säure Gährnngs-B. genanntWird (s. Butyl). Floren.
Buttersäureflährung (Chem.) ist diejenigeGährung, deren Endprodukt Buttersäure ist. Sietritt ein, wenn Zucker bei Gegenwart von faulen-den thierischen Stoffen, namentlich Käse (auchFleisch, thierische Häute re.) u. Kreide längere Zeiteiner mittleren Temperatur ausgesetzt wird. AlsUrsache dieser Gährung ist eine Bakterie (einmikroskopisches organisirtes Gebild, in Gestalteines an beiden Enden knotenförmig verdicktenStäbchens von höchstens 0,02 mm Länge, das mitfreiwilliger Bewegung begabt ist) anzusehen. Beider Berührung dieses in Len genannten faulendenThierstoffen enthaltenen Ferments mit dem Rohr-zucker erleidet derselbe eine successive Umwandlungin Traubenzucker (d. h. gährungsfähigen Zucker),dieser setzte sich in Milchsäure u. letztere endlichin Buttersäure um, ein Proccß, der sich durchnachstehendeZersetzungsgleichungen veranschaulichenläßt: 1) Umwandlung in gährungsfähigen Zucker:
OgkiinOg -d ll,,0 OgkkigOg
Nvhrzucker u. Wasser geben Traubenzucker.
2) Milchsäuregährung:
OeUigOg 2
Traubenzucker gebt Milchsäure.
3) Buttersäuregährnng:
26zSgOg--e O.klbOz -I- SCOz -s- 42Milchsäure gibt Bultersäure, Kohlensäure u. Wasserstoff.Der B. geht also die Milchsäuregährung vorauf.Letztere ist nach etwa 10 Tagen eingetreten, wobeidie gährende Masse breiartig geworden ist. Hier-aus aber beginnt die Masse dünnflüssig zu wer-den, unter Entwickelung von Kohlensäure n. (fürdie B. besonders charakteristisch) Wasserstoff. Diezugesügte Kreide hat den Zweck, die freie Milch-säure unter Bildung von milchsanrem Kalk zuneutralisiren, weil sonst beim Sauerwerden derMasse die Zersetzung leicht gehemmt wird u. beider Milchsäurebildung stehen bleibt. (Vgl. auch dieArt. Buttersäure, Ferment, Gährung.) Cloren.
Bntterscife, durch Verseifung von süßer But-ter mit Ätzuatronlauge n. mehrmaliges Anssalzenmit Kochsalz dargestellt; gibt in Weingeist gelöst
u. mit den anderen Zusätzen einen schönen durch-sichtigen Opodeldoc (s. d.); in der Pharmacieverwendet.
Buttervogel, Schmetterling, bes. Weißling.
Butterwoche, in Rußland die den großenFastenvor Ostern vorangehende Woche, ein Volksfest,wo zum letzten Mal Fleischspeise n. Butter geges-sen, geschmaust, getrunken, getanzt, geschaukelt, ansdem Rutschberge gefahren rc. wird; in Petersburgfinden die Belustigungen bes. auf dem Admirali-tätsplatze statt.
Buttlarische Rotte, eine zu Anfang des 18.Jahrh. entstandeneMuckersecte, genannt nach Eva
v. Buttlar. Diese war geboren 1670 in Esch-wege, heirathete 1687 den französischen Refugiede Vestas, der als Hof- u. Tanzmeister in Eisenachlebte. Nachdem sie bis 1697 ein sehr weltlichesLeben geführt hatte, wurde sie plötzlich bekehrtund eine eifrige Pietistin. Sie verließ ihrenGatten u. kehrte nach Eschwege zurück, wo sieeinen Kreis Gleichgesinnter um sich sammelte, mitdenen sie Ans. 1702 zu Allcndorf in Hessen eine
besondere sog. philanthropische Societat stiftete. Andie Stelle der christlichen Ehe wurde hier einegeistig-fleischliche Gemeinschaft gesetzt, wobei Evadie Hauptpartie als Frau spielte, welche den neuenMessias gebären sollte. Die Secte verehrte aucheine Trinität, in welcher Eva, die Urmutter, denHeil. Geist repräsentirte u. als solche die vomHimmel gekommene Sophie hieß; ihr ZuhälterWinter (nachher auch Evander genannt), warder Vater u. ihr jugendlicher Freund Appenfel-der der Sohn. Unter den ungefähr 30 Gliedernder Secte ragten noch zwei Fräulein v. Callenberghervor. Bald von Mendorf ausgewiesen, ließsich die Secte im Wittgensteinischcn nieder, wo sie1704 entlarvt u. der Gotteslästerung, Hurerei,Ehebruch u. Blutschande angeklagt u. gefänglicheingezogen wurden. Es gelang ihnen, zu ent-kommen, worauf sie in Köln katholisch wurden, umvor fernerer Verfolgung sicher zu sein. Zu Lüdenbei Pyrmont trieben sie ihr Unwesen fort. Eva, diesich mit Appenfelder kirchlich hatte trauen lassen,ließ hier das Reich des Sohnes durch die Weihedieses ihres Gemahls beginnen, dem sie als Glie-der einer neuen Dreieinigkeit Winter und denSchreiber Ichtershausen zur Seite stellte, währendsie selbst als die Weisheit (Sophia) u. als Mutter,Gattin, Tochter der Drei sich betrachten ließ. Be-reits im Febr. 1706 wurden sie wegen fortgesetztenUnwesens verhaftet. Sie entkamen wieder, undWinter ließ sich unter dem Namen Brachfeld alsArzt mit Eva u. den beiden Callenberg in Altonanieder; Eva trieb die Pietisterei daselbst fort, indeßruhiger, u. starb nach 1717. Löffler'
Buttlars Forstculturverfahren, Bepflanz-ung des Bodens mit kleinen Setzlingen ohne Ballenmittels eines besonderen eisernen Werkzeuges, dessog. Buttlarischen Eisens. Vergl. B. F., Kass.1853. Die Pflänzlinge sollen, nach hier gegebenerbesonderer Vorschrift, in Saatkämpen erzogen u,im Alter von 1—2 Jahren ausgepflanzt werden.Das Verfahren zeichnet sich durch besondere Bil-ligkeit aus, ist jedoch nicht auf allen Bodenartenanwendbar. Wimmenauer i,.
Buttmann, Philipp Karl, berühmter Phi-lolog, geb. 3. Dec. 1764 in Frankfurt a. M.;studirte in Göttingen, wurde 1787 Prinzenerzieherin Dessau, 1789 Gehilfe, 1796 in Berlin Secre-tär an der königlichen Bibliothek, daneben 180 »Professor der griechischen Sprache am Joachims«thalschen Gymnasium daselbst, 1811 Bibliothekar u.Director des philologischen Seminars; er st. hier21. Juni 1829. B. schr.: Griechische Grammatik,Berl. 1792, 22. A., von seinem Sohne Alex.B. 1869; Schulgrammatik, ebd. 1816, 17. Aufl-,1874; Ausführliche griechische Sprachlehre, ebd.1819—25, 2Bde., 2. A., von Lobeck, 1838—39;Lexilogns oder Beiträge zur griechischen Worter-klärung, 2 Bde., 1818—25, n. A.. 1837 u. 1860;Mythologus oder gesammelte Abhandlungen überdie Sagen des Alterthums, ebd. 1828 f., 2 Bde.,2. A., 1865; gab heraus: klatonia äialoAi IV,5 A., 1830; Demosthenes'Rede in Lliälam, 1823;Araros, 1826; Scholien zur Odyssee, 1821; So-phokles' ?bilootötos, 1822. Bon 1807—1811gab er mit Wolf das Museum der Alterthums-knnde heraus u. redigirte 1803—1812 die Haude-