Bräune — Brauneiseustcui. 7
Bräune (Med.). I. Collectivbezeichnung einerAnzahl Krankheiten, die entweder von ihrem Be-ginne an ihren Sitz im Kehlkopfe haben, od. dieNeigung besitzen, von ihrem ursprünglichen Sitzein der Rachen- u. Mundhöhle aus ans den Kehl-kopf sortzuschreiten u. daselbst durch Verengerungder Stimmritze Erstickungsgefahr herbeizuführen.Man unterscheidet eine dreifache B.: eine katar-rhalische, eine häutige u. diphtheritische, die jedochnur Grade eines n. desselben Leidens sind. Undzwar ist die katarrhalische die mildeste Form,d. h. diejenige, welche nur äußerst selten zum Todeführt n. in einer Schwellung u. wässerig-schlei-migen Absonderung der Schleimhaut des Kehlkopfesbesteht; die häutige B. diejenige B-form, beiwelcher die obersten Schichten der Schleimhaut,das Epithel, der Sitz der Erkrankung sind, einfaserstosfiges Netzwerk, die sog. Croupmembran, andie Stelle des Epithels getreten ist; die diph-theritische B. endlich diejenige Form, bei wel-cher das ganze Schleimhautgewebe von einerkleinzelligen Wucherung u. von Eiterzellen durch-setzt ist u. schließlich die Ertödtung der Schleim-haut erfolgt. Die häufigste Form ist die katar-rhalische B.; dieselbe befällt am liebsten Kindervom 3.—5. Lebensjahre; sehr häufig werden schonfrüher von der katarrhalischen B. ergriffene Kin-der von Neuem u. wiederholt von derselben be-fallen. In den letzten Jahren hat sich durch unsnoch unbekannte Verhältnisse die vorwaltendeNeigung zu diphtheritischorB. entwickelt, währenddie häutige B. immer seltener geworden ist. SolcheUmänderungen des Charakters der Krankheitenwerden östers beobachtet. Während die häutigeB. eine ausschließliche Kinderkrankheit war, befälltdie Diphtheritis auch Erwachsene, doch ist sie beidiesen niemals tödtlich. Alle B-sormen zeichnensich durch einen charakteristischen tonlosen Hustenaus, der in nicht wenigen Fällen unerwartet desNachts anstritt n. mit mehr oder weniger Be-schwerde, die Lust durch den Kehlkopf zu ziehen,verbunden ist. In sehr vielen Fällen steigert sichdie Verengerung im Kehlkopfe zu bedeutenderHöhe, u. die Kranken können nur mit großer An-strengung noch etwas Luft durch den Kehlkopfbringen, wobei ein eigenthümlicher pfeifender Tonentsteht. Als begleitende Erscheinungen des B-hustens u. der pfeifenden, erschwerten Inspiratio-nen beobachtet man häufig bei der katarrhalischenB. Schnupfen, Husten u. Fiebererscheinungen, beider häutigen B. kleine, eichelförmige, weiße Auf-lagerungen ans den Mandeln, bei der diphtheriti-schen B. eine förmliche Austapezirung der Nachen-höhle, der Ganmenbögen u. Mandeln mit einerkäsigen Masse; bis ans wenige Ausnahmen ist dieKehlkopssafsection durch Fortschreiten des Processesvon der Rachenhöhle aus auf den Kehlkopf ent-standen. In bösen Fällen von Rachen- u. Kehl-kopfsdiphtheritis zersetzen sich die käsigen zu übel-riechenden Massen, verbreiten einen abscheulichenGestank, n. die Kranken fangen an aus den kran-ken Stellen zu bluten (brandige B.).
Die Behandlung besteht bei katarrhalischenB. in Anwendung feuchter Wärme (warme Milchmit Zucker zum Getränk, Einathmnng feuchterDämpfe, Auflegen eines mit recht warmem Was-
ser getränkten Badeschwammes auf den Kehlkopf,gleichmäßig warme (18°) Zimmertemperatur; nurim Nothfalle, bei wirklicher Erstickungsgefahr darfein Brechmittel gegeben werden; die Unsitte imVolke, bei jedem rauhen Husten ein solches zugeben, ist eine häufige Ursache der Entwickelungvon Schwächlichkeit der Kinder. Bei der häu-tigen B. sind Eiswassercompressen aus Len Kehl-kopf zu machen, Blutegel anznsetzen n. baldigstein Brechmittel zu reichen. Nehmen die Erschein-ungen trotzdem an Heftigkeit zu u. treten Erstick-ungserscheinungen oder Zeichen der beginnendenKohlensänrevergiftung (Blaßwerden, anhaltendeSchlafsucht rc.) ein, so ist so früh wie möglich derLuströhrenschuitt (Tracheotomie) zu machen. Bei derdiphtherit. B. sind warme Breiumschläge ausden Hals, Lall elrlorionm innerlich und kräftige,aber flüssige Nahrungsmittel (Bouillon, Milch u.Ei, Wein) anzuwenden; außerdem die täglich 1bis 2 Mal zu wiederholenden Auspinselungen desHalses mit Höllenstein, salzsaurem Eisen, absolu-tem Alkohol rc.
II. Auch Hausthiere, bes. Pferde, Schweine,Hunde rc. sind der B. unterworfen. Man unter-scheidet hier bes. die einsache B. als Entzünd-ungskrankheit, meist von Erkältung herrührend,durch Geschwulst der Halsgegend, Hitze des Mun-des, Ausfluß von Schleim aus demselben, Schwie-rigkeit des Niederschluckens, Athmnngsbeschwerderc. erkennbar. Mitunter ist die Alhmungsbe-schwerde so bedeutend, daß die Thiere nur durchAusführung der Tracheotomie (Lufiröhrcnichnilt)zu retten sind. Die gefährlichste Form der B. istdie brandige B., die nicht selten tödtlich u. beimRindvieh n. bei Schweinen ein gewöhnlicher Be-gleiter des Milzbrandes ist. i> Kunze. ii> Schmidt.-
Braune Farbcstoffc, s. Farbstoffe.
Brauner Glaskopf, s. Brauneisenstein.
Brauiicbcrgcr, vorzügliche Sorte Mosel-wein (s. d.).
Brauneisenstein (Brauneisenerz, Limonit),Mineral von gelber, gelbbrauner bis schwarz-brauner Farbe, welches nur kleine, undeutlicheKrhstalle, meist aber traubige, nierensörmigeoder formlose Massen von faseriger, dichter odererdiger Struktur bildet. Seine Härte ist — 5,sein spec. Gew. — 4, sein Pulver stets gelblich-braun. Chemisch besteht er aus einem Eisenoxyd-hydrat (I'siHgOg); als untergeordnete Bestand-theile finden sich Kieselsäure und Phosphorsäure.Vor dem Löthrohre erhitzt, färbt er sich roth, in-dem er sich in Wasser u. 80—8b pCt. Eisenoxydzersetzt; in vielen Säuren löst er sich auf. Manunterscheidet folgende Varietäten: a) faserigerB., brauner Glaskops, strahlig-faseriger B.,von verschiedener äußerer Form; b) dichter B.,formlose Massen von dichtem Gefüge; <1) ockeri-ger B., erdig, mehr od. wenigerleicht zerreiblich.Der B. findet sich ans Gängen u. Stöcken, Lagernu. Neuern vorzüglich im älteren Gebirge, so z. B.im Siegenschen, bei Schmalkalden und Kamsdorfin Thüringen, Klausthal im Harz, im Erzgebirge,in Böhmen, Steiermark (Eisenerz), Kärnlhen (Hüt-tcnberg), Norwegen (Ulefoß), Spanien, Brasilien,SAfrika rc. Auf vielen Lagerstätten ist der B.mit Kalkstein oder Thon (Thoneisenstein) innig