Druckschrift 
1 (1819) In zwei Abtheilungen
Entstehung
Seite
247
Einzelbild herunterladen
 

24 ?

schast treten, »ird durften gar keine andere Beschäftigung wäh,len, wenn sie ihren Adel nicht verlieren wollten.

Dieses lag ganz im Geiste des Nittrrthums und der Nit,terehre, die ungemein zart war, dir aber fallen mußte, sobalddie damalige Kriegseinrichlung fiel. Als das Pulver erfundenwurde, so gab dieses der Kugel eine größere Kraft, als derStoß der Lanze, von der Hand des stärksten Ritters geführt. *)

Da wo die Gesellschaft aristokratisch geordnet ist, wie inEngland, Heimchen die Stände gewöhnlich ihrem Stande ge,maß, und der Kaufmann, der keinen Umgang mit dem Krämerhält, wird auch nicht leicht die Tochter des Krämers heirathen,eben weil er sie nicht kennt.

Auch sind immer viele handeltreibende Familien, die ihreWappen beim Wappenherolde verwahrt und ihre Kinder einschrei,ben lassen, deren Töchter also ebenfalls zum Wappen geboren sind.

Obschon nun die meisten Heirathen zwischen Personen von glei,chem Stande und Herkommen geschlossen werden, so werden dochauch welche zwischen solchen geschlossen, die zu Wappen geborenund die nicht zum Wappen geboren und da hieraus keine Artvon bürgerlichen Nachthcilen entsteht, so gelten sie auch gesetzlichnicht für Misheicathen; — obgleich, wenn ein Lord aus de»untersten Ständen heirathen wollte, solches in der Gesellschaftimmer für cine Misheirath angesehen würde. — Allein aufAhnen,probe hat dieses keinen Einfluß, da das Oberhaus keine Innungmacht, und der Eintrelende nur zu beweisen hat, daß er adcli,gen Ursprungs und Erbe eines Kronlehns, das im Oberhaus«

Wie zart die Rittcrehre war, das geht aus folgendem Verse hervor, dersich in einem alten Manuskripte auf der Rathsbibliothek in Leipzigfindet

Welch Ritter pey einer Messe stet,

UnO nicht zu dem Opfern geht,

Und Schüsseln spült und spielt mit .Schelken

Und pcgynt die Küwe zu melken

Und gefliktc Schu antrcit

Und einen Armen vcrschmeit

Und seine Kleider schickt, daß man sie verwendt

Der hat seine Nittcrschast geschont.