95. Das Gebet ist der Hauch, welcher dasFeuer der Liebe in unfern Herzen anfacht, er-hält, vermehrt, wenn es ernstlich gemeint, wenn<s kein leeres Lippengeplärr ist, mit welchem wiruns selbst täuschen, und uns dann wohl nochwundern daß es ohne Würkung bleibt. UnserHeiland führt den Juden zu Gemüt, was schonZsaias im Namen Gottes gesagt hatte; „Disg „Volk ehret Mich mit den Lippen, aber ihr Herz-„ist ferne von Mir." Wie oft wird selbst dasGebet des HErrn entweihet, wenn es gedanken-los hergeplappert wird, als ob wir Gott, Derunser Herz begehrt, mit »»beherzigten Wortendieneu könnten! Die öftere Wiederholung die-ses hochheiligen Gebets, ist nur öftere Entwei-hung, wenn es auf solche Weise, nur mit devschnellen Zunge, ohne Gedanken und ohne Em-pfindung hingebetet wird. So steiget das Ge-bet nicht als heilige Opferflamme gen Himmel,sondern als ein eitler Rauch, der uns den Blickdes Geistes trübet, und sich erhebet zwischen unsund Gott. Als der Sohn Gottes, in inbrün-stigem Gebete für uns mit dem Tode rang, dadrang blutiger Schweiß aus dem feinsten GeäderSeines dem Opfer für uns geweiheten, heiligenLeibes; und wir sollen wähnen Ihm solche LiebeMit sinnlosem Geschwätze zu vergelten? mit sinn-
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Ein Büchlein von der Liebe : nebst dem Schwanengesange des Verstorbenen und zwey Zugaben
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198
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