Von der Liebe. 125
9. Es ist offenbar, daß Petrus sich von einerihm gut scheinenden Empfindung leiten ließ, alser seinen so geliebten Meister abhalten wvlte,Sich den Ihm bevorstehenden Leiden und demTode darzugcben, aber der Sohn Gottes lehrteihn, die Regungen der Natur unterscheiden vonder wahren, sich auf Gott beziehenden Liebe.
10. Die Weiblein aus Jerusalem, welcheunserm Heilande nachgingen, als Er zum Todegeführet ward, mochten sich wohl gefallen in ih-ren Mitleidsbezeugungen, als sie sich auf dieBrust schlugen und klagten; daß aber dieses,an sich so natürliche und schöne Gefühl des Mit-leids, nicht mit heilsamer Sinnesänderung ver-bunden war, erhellet, dünket mich, nicht un-deutlich aus den Worten mit welchen Er sie an-redete: „Ihr Töchter von Jerusalem, weinet„nicht über Mich, sondern weinet über euch .„selbst und über eure Kinder" ... u. s. w.
11. Wie verschieden war diese flüchtige Rüh-rung jener Weiber von dem tiefen, sprachlosen,namenlosen, dennoch gottergebnen Schmerze derMutter unsers Heilandes, des Jüngers den Je-sus lieb hatte, der Schwester Seiner Mutter,und der Maria Magdalena, die am Kreuze des