Erste Tafel.
Die Gediegeneren - Masse
von 71 Pfund Wiener Cvmmerzial-Gewicht (i),
welche am s 5 . May »y 5 » gegen 6 Uhr Abends Key dem Dorfe Hraschina in der Agram er Gespannschafr (etwa drey MeilenN. O. von Agram) in Kroatien, unter den gewöhnlichen meteorischen Erscheinungen und im Angesichte mehrerer Augenzeugenaus der Luft gefallen, und drey Klafter tief in einen kurz zuvor gepflügten Feldgrund eingedrungen war.
42 , s wurde diese Masse (2) ihrer Merkwürdigkeit wegen, und als Beleg des wunderbaren Naturereignisses, von dembischöflichen Consistorium zuAgram, welches, aus eigenem Antriebe, durch Abgeordnete das Factum sogleich (am 2. Ju-lius desselben Jahres) an Ort und Stelle amtlich und förmlich untersuchen ließ (3), sammt einer schriftlichen Urkunde,
(1) Bekanntlich ist nebst dieser nur noch eine zweyte, kleinere Masse von >6 Pfund als Product des vorauögsgangenen Feuer-Meteors, der beobachteten Feuerkugel, niedergefallen, welche nicht nur im Nicderfallen, und selbst bey der Lostrennung vonjener gesehen, sondern auch gleichzeitig mit jener, und auf 2000 Schritt Entfernung von derselben, aufgefunden und aus derVersenkung gehoben wurde; über deren Aufbewahrung oder Verwendung aber ursprünglich keine Nachricht gegeben ward, undvon deren Hochvorhandenseyn auch bis jetzt keine weitere Kenntnis; erlangt werden konnte.
<2) Es ist dieselbe um so interessanter und schätzbarer, als sie von den ohne dieß sehr wenigen ähnlichen Eisen-Massen, deren Nieder-fallen historisch und factisch erwiesen ist (wie die, ihrer Beschaffenheit nach, zwar zweifelhaften, und wie es scheint, ganz inVerlust gerathenen von Miscolz in Ungarn i 55 y, und von Torgau » 56 »; die zwar noch — in Gotha — vorhandene, aberdem Fundorte nach zweifelhafte — aus Sachsen — von » 5 sio oder » 55 »? und nebst einigen, die seit unserer Zeitrechnungim Oriente — China, Japan, Persien — gefallen seyn mögen; jene, am zuverlässigsten bekannte, 1621 zu Lahors in In-dien gefallene, welche aber der mogolische Kaiser Dschehan-gir ganz verschmieden ließ), die einzige noch vorhandene zu seynscheint; so wie sie die einzige von dieser Art ist, welche physisch und chemisch untersucht wurde, und durch den Befund ihresGehaltes und ihrer physischen Eigenschaften, als Prototyp auf einen gleichen meteorischen Ursprung jener ähnlichen Eisen-Mas-sen,-nach Analogie zu schließen berechtigte, welche zufällig zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen, sehr entfernten Ortenaufgefunden morden, bekannt und noch vorhanden sind, aber bey welchen es, ihre Herkunft zu erweisen, an historischen undsacrischen Belegen fehlte (wie dieß bey den, in dieser Beziehung problematischen Eisen-Massen aus Süd- und Nord-Amerika,Brasilien, Afrika, Sibirien, Böhmen, Ungarn u. s. w. der Fall ist). Auch war sie von den derben Gediegeneisen-Maffen dieerste, und überhaupt mit von den ersten Meteorolithen (mit dem Eisen aus Sibirien, dem Eichstädter und Sieneser Meteor-Steine), welche auf Veranlassung der kaum bekannt gewordenen Untersuchungen Ho war d's (1802) in Deutschland analytischuntersucht wurden , und zwar vonKlaproth (der die Resultate seiner Untersuchungen zuerst in einer Vorlesung in der königl.Akademie der Wissenschaften zu Berlin, und dann im neuen allgemeinen Journal der Chemie, B.», zu Anfang des Jahres »8oZbekannt machte), welchem zu diesem Ende ein kleines Stück von dieser Masse (gleichzeitig mit einem Stücke vom EichstädtcrMeteor-Steine) schon im Jahre 1802 von hier aus mitgetheilt worden war. Im Jahre 1608 wurde, so weit es ohne Beeinträchti-gung der Form und Ansicht der Masse geschehen konnte, ein größeres Stück von etwa 20 Loth abgesägt, um zu technischenVersuchen zu dienen, die Hr. Director von Widmanstätten auf meine Veranlassung vornehmen wollte, und welche zu merkwür-digen Resultaten, und insbesondere zur höchst interessanten Entdeckung des krystallinischen Gefüges, welches diesen Massen, wonicht ausschließlich, doch vorzugsweise eigenthümlich und für dieselben charakteristisch zu seyn scheint, führten. Die durch Ab-wägung jenes Stückes an der Masse erhaltene Fläche wurde mit Salpetersäure geätzt, um jenes Gefüge oberflächlich darzustel-len und die Entdeckung zu bewähren; von dem Ueberreste des abgesagten Stückes wurden kleine Abschnitte nach London, Parisund Hartem mitgetheilt.
< 3 ) Es war diese eine der frühesten Begebenheiten der Art (die erste, mit Ausnahme jener von Thüringen » 58 » und von Bern»698, welche ebenfalls von den Local -Behörden legal untersucht, und durch eine ausgefertigte Urkunde documentirt wurden,wovon sich jene von der ersteren Begebenheit, nach C h l a d n i's Versicherung, noch zur Zeit im Archive zu Dresden aufbewahrtbefindet), welche einer amtlichen Untersuchung von einer Behörde werth geachtet und durch eine ausgsfertigte förmliche Urkundeder Nachwelt aufbewahrt, und die erste, von welcher diese selbst, wenn gleich gerade nicht mit der Absicht, das Factum be-glaubigen zu machen, zur Publicität gebracht wurde (Stütz, Bergbaukunde B. 2, »790) ; und es wäre in der That unbe-greiflich, wie eine so unbefangene und reine, deutungs- und beziehungslose Darstellung von einer so achtbaren Behörde so we-nig Aufmerksamkeit erregen, so wenig auf die Ueberzeugung wirken konnte, wenn nicht zu vermuthen stände, daß sie durchjene Publicirung nur wenigen eigentlichen Physikern zur Kcnntniß kam. Sie verdient um so mehr an einem schicklicheren Orte,wie bey einer andern Veranlassung geschehen soll, und im Original bekannt gemacht zu werden, als es die ausdrückliche Ab-sicht der Aussteller und Einsender dieser, mit allen Förmlichkeiten ausgestatteten, Urkunde war, nicht nur die Mitwelt von
A