IV
Diese weit aussehenden Pläne und Vorsätze und jene, Zeit und Ruhe heischenden, mannig-faltigen Unternehmungen, wurden leider nur zu früh und gewaltsam, durch die bald nach die-ser Periode eingetretenen ungünstigen Zeitverhältnisse, die den literarischen Verkehr erschwer-ten und mir ganz andere Beschäftigungen anfdrangen, unterbrochen, und zuletzt, durch dielange Fortdauer und Folgen derselben, zum Lheil ganz in Vergessenheit gebracht. Inzwischenwar doch bereits nicht nur eine erschöpfende Benutzung jener Gelegenheit erzielt, die umständ-lichste und befriedigendste Untersuchung jenes Ereignisses zu Stande gebracht, und selbst dasWesentlichste der hierbei) erhaltenen Resultate bekannt gemacht, sondern auch eine Fülle neuerAnsichten und Aufklärungen gewonnen und eine Menge belehrender Versuche und erfolgreicherUntersuchungen als Vorarbeiten angestellt, welche zu interessanten Beobachtungen und Erfah-rungen führten, die aber, nach eimnahl so gewaltsam abgerissenem Faden, zu dessen Wicder-auffassung sich in langer Zwischenzeit weder Muße noch Veranlassung finden wollte, nur zumTheil und außer Zusammenhang, Bruchstückweise und auf indirekten Wegen, zur öffentlichenKcnntniß gebracht werden konnten.
Glücklicheren Erfolg, als jene ungünstigen Zeitumstände erwarten ließen, hatte mein Be-streben in Auftreibung und Erhaltung der materiellen Belege früherer und in der Zwischenzeitvorgefallener Ereignisse; denn im Laufe von 10 Jahren war es mir doch gelungen, von 2Yderselben, die noch vorhanden und irgend wo aufbewahrt oder eben zur Kenntniß gekommen wa-ren (1), charakteristische und zur Aufstellung geeignete Stücke zu erhalten. Die kaiserl. Samm-lung erwuchs somit zur ansehnlichsten und vollständigsten von der Art kostbarer und merkwürdigerNatur-Producte, indem dieselbe nun—mit den bereits früher schon vorhanden gewesenen (2) —
(r) Es mochten deren damahls, und ungefähr von der Mitte des i 5 t°» Jahrhunderts her, nebst sechs Eisenmassen, bey vierzigderley Steinmassen gewesen seyn, von welchen sich, notorisch, ein oder das andere Bruchstück als sprechender Beleg, nachZeit und Ort verschiedener, solcher Ereignisse, ursprünglich im Besitze irgend eines bekannten Privat--Liebhabers befand,der es, seinen individuellen Ansichten gemäß, der Merkwürdigkeit des mehr oder weniger beglaubigten und für ein Wun-der angesehenen Faktums wegen, oder als ein Doeument der Leichtgläubigkeit der Menschen, als ein Curiositätö-Stückaufzubewahren für gut fand; von welchen aber in der Zwischenzeit leider viele, ja die Mehrzahl, wie es mit Privat-Besi-tzungen, zumahl solcher Art, zu gehen pflegt, vollends in Verlust gerathen sind. Und so kam es denn auch, daß von bey-nahe hundert und zwanzig bedentenden, zu ihrer Zeit ziemliches Aufsehen erregenden und hinlänglich beurkundeten Stein-fällen, die demnach von gleichzeitigen Schriftstellern, Historikern und Chronikschreibern der Mit- und Nachwelt bekanntgemacht wurden, und die seit dem Anfänge unserer Zeitrechnung bis zum Jahre i8vb sich ereignet hatten, nun kaum mehrneunzehn durch derley authentische Belege sich bekräftigen lassen, und zwar außer jenem von Ensisheim, von »492, wovonwir die lange Erhaltung des Beleges der kräftigen Fürsorge Maximilians, der ihn zu einem Kirchenschatz machte, zuverdanken haben, und dem höchst zufällig (in Laugier's Händen in Paris) in einem kleinen Fragmente noch erhaltenen,von dem ib 63 bey Verona Statt gehabten Steinfalle — keiner von einem früheren Datum als aus der zweyten Hälftedes röten Jahrhunderts; und die in der kaiserlichen Sammlung seit ihrem Niederfalle aufbewahrte Eisenmasse von Agram,175», und der Stein von Tabor, 1768 (außer welchem nur noch wenige Fragmente von diesem, doch sehr bedeutend ge-wesenen Steinfalle in anderweitigen Besitz zu seyn scheinen), sind nebst jenen beyden, so viel bekannt, bereits die ältestennoch vorhandenen Belege der Art.
(2) Schon vor fünfzehn Jahren, als ich die Direktion der k. k. Hof-Naturalien-Cabinette antrat, fanden sich deren bereitssieben — und manche davon schon seit lange — zwar gerade nicht als Belege der immer noch bezweifelten Ereignisse,die sich, mehr oder weniger befriedigenden, damahls hier, so wie überhaupt noch ziemlich allgemein, wenig beglaubigtenNachrichten zu Folge, zu früheren Perioden in verschiedenen Ländern zugetragen hatten, und für deren Producte sie aus-gegeben waren, sondern vielmehr nur als seltsame Fossilien eines räthfelhaften Ursprunges und Herkommens, unter denSchätzen des Mineralreiches daselbst aufbewahrt. Nahmentlich waren es Musterstücke von jenen 1768 bey Tabor in Böh-men, 1768 bey Maurkirchen in Bayern, 1785 bey Eichstädt in Franken und 1808 um L'Aigle in Frankreich gefallenenSteinen, und nebst der 1761 bey Agram in Kroatien niedergefallenen Metall-Masse, ein Bruchstück von der durch Pal-las ans Sibirien bekannt gewordenen und von einer dieser sehr ähnlichen, angeblich ans Norwegen herstammenden Eifenx