Nr. 285. 1534 Mai 16. 469
Ft. diener Hans Mair die beiligendt schrift mit dem bevelhe, ichsolt forderlich mein gutbedunken darauf verfassen, uberantwurt,und solchs den selben euch, mein herren, zuschicken. Nun habich der Ro. ku. Mt. meins allergnadigesten herren begeren, andie von Nordlingen beschehen, desgleichen der von Nordlingenschreiben, 1 auf mer wege gestölt, verlesen und kan bei mir nitfinden, das ich insonder und für mich selbs allein ain fursten-digen ratschlag furderlich konde stellen, sonder dweil bei mirdas kuniglich begeren nit allein frembd, woll dergleichen nieerhört und daraus großlich zu besorgen ist, es mocht solchshinfuro an erber frei- und reichstedt weiter sonder etlich a auchgelangen: demnach wais ich in ain solcher hochwichtigen sachenit änderst diser zeit zu raten, dan das E. Ft. und wien si dabeisonst haben wollen (und insonder herren Georgen Herwart, 2dweil der diss sach vor auch gehört hat) disen aubent oder morgen,wan es E. Ft. gelegen ist, auf ain stund ain zusamenerscheinenfurnemen und bestellen lassen, damit solch schritten wider orden-
Hinter etlich muß ein Wort ausgefallen sein.
1 Die Nördlinger hatten mit Schreiben vom 15. Mai 1534 Bürgermeisternund Rat von Augsburg mitgeteilt, es sei ihnen soeben vom Römisdien Königein Mandat zugegangen mit dem ernstlichen Begehren, angesichts des vonLandgraf Philipp und Herzog Ulridi auf Württemberg unternommenen An-griffs nicht allein als Glieder des ehemaligen Sdiwäbisdien Bundes, sondernaudi als gehorsame Angehörige des hl. Reichs ihre Hilfe bereit zu madienund ohne Verzug in der kgl. Majestät Fürstentum Württemberg zuschicken;da vermutlidi audi die Augsburger ein ähnlidies Schreiben erhalten hättenund sie selbst eine mit der der Augsburger übereinstimmende Antwort gebenwollten, bäten sie um schleunige Nadiridit, wozu Augsburg sidi entschlossenhabe (Nordlingen, StA: Missivbücher 1534 fol. 95?ff.). — Von den Augsburgernhatte König Ferdinand schon im April erst sdiriftlidi und dann durch eineneigenen Gesandten, endlich am 5. Mai nochmals brieflich zunädist finanzielle,dann audi militärisdie Unterstüzung verlangt (vgl. Roth 2 S. 148f.), die dieStadt am 19. Mai ablehnte, mit der Begründung, daß nadi der inzwischen(am 13. Mai) erfolgten Niederlage der Habsburgisdien Streitkräfte bei Lauffenihre Hilfe ohne die der Fürsten und anderen Stände des Reidies zu sdtwadisei, um Nutzen bringen zu können (Augsburg, StA: Literalien). Den Nörd-lingern wurde auf ihre Anfrage eine ausweidiende Antwort gegeben (SdireibenAugsburgs an Nürnberg vom 21. Mai 1534: Augsburg, StA; Literalien).
2 Der Großkaufmann Georg Herwart, einer der entsdiiedensten An-hänger der neuen Lehre in Augsburg, war damals Mitglied des Kollegiumsder .Dreizehner; vgl. über ihn Ehrenberg 1 S.219 und Roth 2 S.431.