Nr. 240. 1524 Februar 2. 383
zeit nit bessers finden, dan an dem ort zu handeln, da der predigerhalben durch gmain reichsstende gehandelt worden und die kais.mandat ausgangen sein. 1 Demnach ich auf dat. oder morgenLasaro Spengler, der von Nurmberg ratschreiber, als ainem diserSache vill verstendigen und mir insonder wol vertrauten genNurmberg furschreiben will, 2 ob E. Erbarkeit durch schritt oderpotschaft an ine gelangte, den furderig und beholfen zu er-scheinen, als ich acht, er gern tun werd. Hat auch diser irrigenSachen, als vill die neuerung diser schwebenden leuf berurend, fürander guten verstand. 3 Das hab ich E. Ft. diser zeit im pestennit wollen verhalten. Mich gedeucht auch nit unfruchtbar sein,ob man in gheim ein geschickt mensch hette, das zu Dillingen ain
Dr. Christoph Sdrappeier, Inhaber der seit 1479 von Konrad Vöhlin gestiftetenPrädikatur an der Memminger Martinskirche (vgl. über ihn W. Vogt, RE17'S. 523ff), war wegen seiner Predigten, in denen er nioht nur am Wandelder Geistlidikeit, sondern audi an den jüngsten päpstlidien und kaiserlidienErlassen in der Religionsfrage scharfe Kritik geübt hatte, am 13. Jan. 1524von dem Augsburger Bischof Christoph von Stadion vor das bischöfl. Geriditauf das Dillinger Sdiloß geladen worden. Sahappeier weigerte sidi, der Ladungzu folgen. Der Rat der Stadt stand vor einer sdiwierigen Entscheidung: ent-zog er dem ungehorsamen Prediger seinen Sahutz, so standen in der über-wiegend neugläubig gesinnten Bürgersdiaft Unruhen zu befürditen; stellteer sidi aber auf die Seite Sdiappelers, so geriet er in offenen Gegensatz zumBischof und damit voraussiditlidi audi zum Sahwäbisdien Bunde und zumReidisregiment. Nadi einigem Schwanken entschloß er sidi zu einer sdirift-lidien Eingabe an den Bischof, in der er die wider den Prediger erhobenenVorwürfe entschieden in Abrede stellte. Ehe er indes das Sdiriftstüdc ab-sandte, legte er es dem Rate von Augsburg und Peutinger zur Begutachtungvor. Beide verwarfen es — in dem eingangs unseres Briefes erwähntenSchreiben — als .zu unbescheiden und trotzig'. Vgl. E. Rohling, Die Reichs-stadt Memmingen in der Zeit der evangelischen Volksbewegung (1864) S. 94 f.;F. Dobel, Memmingen im Reformationszeitalter 1 (1877) S. 29 u. 36ff.
1 nämlich in Nürnberg, wo auf dem Reichstage von 1522123 die letztenreidisgesetzlidien Entscheidungen in der Kirdienfrage (das kaiserl. Mandatvom 6. März und §28 des Abschiedes vom 18. April 1523: RTA 3 Nr. 84S. 448 ff. und Nr. 149 S.603f.) ergangen waren und wo seit dem 14. Jan. 1524die Reidisstände wiederum versammelt waren.
" Briefe Peutingers an seinen Nürnberger Kollegen sind nicht erhalten.
3 Spengler befaßte sidi mit dem von den Städten in der Kirdienfragezu beobachtenden Verhalten in seinem für die städtisdien Vertreter im Aus-schuß des Reichstages bestimmten Gutachten vom 27. März 1524: RTA 4Nr. 107 S. 489 ff.