VI Einleitung.
Ausnahmslos aufgenommen habe ich alle mir erreichbarenBriefe von und an Peutinger, die als „humanistisch" bezeichnetwerden können, d. h. alle Briefe, deren Empfänger oder AbsenderHumanisten gewesen sind oder doch mit humanistischen Kreisenin Verbindung gestanden haben, ferner alle Schreiben, in denenvon Wissenschaft oder Kunst die Rede ist. Hierher gehören u. a.die meisten mir bekannt gewordenen Stücke aus der reichhaltigenKorrespondenz Peutingers mit Maximilian I.; nur wenige derzwischen beiden Männern gewechselten Briefe betreffen politische,juristische oder sonstige amtliche Gegenstände, die weitaus meistenvon ihnen zeigen uns den Stadtschreiber als wissenschaftlichenBerater und geschäftlichen Helfer seines kaiserlichen Gönnersund Freundes bei dessen mannigfaltigen literarischen und künst-lerischen Unternehmungen. Von den zahlreich erhaltenen SchreibenPeutingers, in denen er reichsstädtischen Obrigkeiten oder Privat-personen juristischen und politischen Rat erteilt, habe ich nur dieberücksichtigt, in denen es sich um Gegenstände von historischemBelange handelt und die gleichzeitig des Verfassers Stellung zuwichtigen Zeitfragen, vor allem seine Haltung gegenüber derReformation, mehr oder weniger deutlich erkennen lassen, wiez. B. seine brieflichen Gutachten für Memmingen und Konstanzanläßlich der Konflikte dieser Städte mit ihren Diözesanbischöfenwegen Durchführung der neuen Lehre. Die Berichte, die Peu-tinger als Gesandter Augsburgs auf Reichstagen und Tagungendes Schwäbischen Bundes dem Rate erstattet hat, haben Auf-nahme gefunden, soweit sie persönliche Färbung tragen. End-lich sind alle jene Schreiben von und an Peutinger abgedruckt,die von seinen engen Beziehungen zur Augsburger Handelswelt,! deren eifriger und beredter Sachwalter er gewesen ist, Zeugnisablegen. Auf diese Weise glaube ich aus der Gesamtheit dererhaltenen Peutingerbriefe alles biographisch irgendwie Wertvolleerschlossen zu haben.
Rund drei Fünftel der in meiner Ausgabe vereinigten 303 Briefelagen bereits — ganz oder größtenteils — an verschiedenen Stellengedruckt vor. Schon zu Lebzeiten Peutingers waren ihrer 33durch den Druck verbreitet worden; es sind dies die nach demdamaligen Brauche als Vorreden dienenden Widmungsbriefe inden von dem Stadtschreiber veröffentlichten oder ihm dargebrachten