Druckschrift 
Thamar
Entstehung
Seite
39
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hätte, auch wenn er nicht am Blute erstickt wäre; und man-cher wird es noch tröstlich finden, dass er wenigstens nichtganz allein starb, wie ein Hund, sondern in seines WeibesArmen, obgleich es auch wieder beschwerend ist, sich diesegefärbt vom Lebens-und Sterbensblute des jungen Gat-ten vorzustellen. Mit finsteren Brauen stand sie auf, wuschsich rein und verlangte Onan, Judas Zweiten, zum Manne.

Die Entschlossenheit dieser Frau hat allezeit etwas Ver-blüffendes gehabt. Sie ging zu Jaakob hinauf und klagteihm ihr Leid, klagte gewissermassen Gott bei ihm an, sodassder Alte Jah’s wegen in Verlegenheit geriet.

„Mein Mann ist mir gestorben“, sagte sie, „’Er, dein En-kel, jählings und im Nu! Ist das zu verstehen? Wie kannGott das tun?“

„Er kann alles“, antwortete er. „Demütige dich! Er tut,wenn sich’s trifft, das Ungeheuerlichste, denn alles zu kön-nen, ist, wenn man’s recht bedenkt, eine grosse Versuchung.Es sind Wüstenreste, such’ es dir so zu erklären! Er stösstzuweilen auf einen Mann und tötet ihn mir nichts, dirnichts, ohne Erläuterung. Man muss es hinnehmen.“

„Ich nehme es hin“, versetzte sie, „von wegen Gottes,aber nicht für mein Teil, denn meine Witwenschaft er-kenn’ ich nicht an, ich kann’s und darf’s nicht. Ist einerausgefallen, so muss unmittelbar der Nächste eintreten fürihn, dass nicht mein Funke auslösche, der noch übrig ist,und meinem Mann kein Namen und nichts Übriges bleibeauf Erden. Ich spreche nicht für mich allein und für denGetöteten, ich spreche allgemein und für ewig. Du musst,Vater-Herr, dein Wort geltend machen in Israel und es zur