Einen gewichtigen Vorzug freilich hatte Benoni vor allennoch lebenden Brüdern, ausser, dass er der Jüngste war;und dieser Vorzug mochte für Jaakobs träumerisch-assoziie-renden Sinn ein Grund mehr sein, ihn immer zu Hause zuhalten: er war zu Hause gewesen, als Joseph umkam in derWelt, und wie wir Jaakob kennen, hatte sich diese Glei-chung von Zu Hause sein und von Unschuld, von Ganz-bestimmt-nicht-beteiligt-gewesen-sein an einer draussen ge-schehenen Untat, in seinem Kopfe symbolisch festgesetzt,also dass Benjamin ständig zu Hause sein musste, zum Zei-chen und Dauerbeweise dieser Unschuld und dafür, dass erallein, der Jüngste, nicht unter den immerwährenden, denimmer still nagenden Verdacht fiel, den Jaakob hegte, undvon dem die anderen wussten, dass er ihn hegte, zu recht,wenn auch unrichtig. Es war der Verdacht, dass der Eber,der Joseph zerrissen, einTier mit zehn Köpfen gewesen sei;und Benjamin musste „zu Hause“ sein zum Zeichen, dasses elf Köpfe nun einmal bestimmt nicht gehabt habe.
Vielleicht auch nicht zehn, Gott wusste es, er mocht’ esfür sich behalten, und auf die Dauer, wie Tage und Jahresich mehrten, verlor die Frage an Wesentlichkeit. Sie tatdas vor allem dadurch, dass Jaakob, seit er aufgehört hatte,mit Gott zu hadern, allmählich zu der Auffassung gelangtwar, nicht Jener habe ihm das Isaaksopfer gewaltsam aufer-legt, sondern aus freien Stücken habe er’s dargebracht. So-lange der erste Schmerz wütete, hatte diese Idee ihm ganzund gar fern gelegen; nur grausamst misshandelt war ersich vorgekommen. Wie aber der Schmerz sich legte, Ge-wöhnung sich einstellte, der Tod seine Vorteile geltend
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