Druckschrift 
Thamar
Entstehung
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war? Ein kanaanitisch Weib, ein Landeskind vorerst undnichts weiter; dann aber Jaakobs Sohnes-Söhnin, Jehudas,seines Vierten, Schwiegertochter, des Gesegneten Gross-Schnur, sozusagen; vor allem aber seine Verehrerin undseine Schülerin in der Welt-und Gotteskunde, die an sei-nen Lippen hing und in sein feierliches Antlitz aufblicktemit solcher Andacht, dass auch das Herz des verwaistenGreises sich ihr ganz erschloss und er sogar ein wenig ver-hebt in sie war.

Denn Thamars Wesen war, auf eine sie selbst beschwe-rende Weise, aus Strenge und geistlicher Strebsamkeit (derwir noch einen stärkeren Namen werden geben müssen)und dem seelisch-körperlichen Geheimnis astartischer An-ziehungskraft eigentümlich gemischt, — und man weiss, zuwie hohen Jahren die Empfänglichkeit für diese es in ei-nem weich und würdig auf sein Gefühl bedachten Gemütebringen kann.

Jaakobs persönliche Majestät hatte sich seit dem TodeJosephs, will sagen durch dies zerreissende und zunächstganz unannehmbar scheinende Erlebnis nur noch erhöht.Sobald einmal Gewöhnung Platz gegriffen, sein Hadern mitGott sich erschöpft, die grausame Verfügung dieses GottesEingang gefunden hatte in seine anfangs krampfhaft dage-gen versperrte Natur, war sie zu einer Bereicherung seinesLebens, einem Beitrag zu dessen Geschichtenschwere ge-worden, der sein Sinnen—wenn er in Sinnen verfiel—nochausdrucksvoller, noch malerisch-vollkommener zum Sinnenmachte, als es schon immer gewesen war, sodass es denLeuten heilig und scheu dabei zu Mute wurde und sie ein-

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