was mich in allem Künstlertum, aller Außerordent-lichkeit und allem Genie etwas tief Zweideutiges, tiefAnrüchiges, tief Zweifelhaftes erblicken läßt, wasmich mit dieser verliebten Schwäche für das Simple,Treuherzige und Angenehm-Normale, das Ungenialcund Anständige erfüllt.
Ich stehe zwischen zwei Welten, bin in keinerdaheim und habe es infolge dessen ein wenig schwer.Ihr Künstler nennt mich einen Bürger, und dieBürger sind versucht, mich zu verhaften ... ich weißnicht, was von beidem mich bitterer kränkt. DieBürger sind dumm; ihr Anbeter der Schönheit aber,die ihr mich phlegmatisch und ohne Sehnsucht heißt,solltet bedenken, daß es ein Künstlertum giebt, sotief, so von Anbeginn und Schicksals wegen, daß keineSehnsucht ihm süßer und empfindenswerter erscheint,als die nach den Wonnen der Gewöhnlichkeit.
Ich bewundere die Stolzen und Kalten, die aufden Pfaden der großen, der dämonischen Schönheitabenteuern und den „Menschen" verachten, — aberich beneide sie nicht. Denn wenn irgend etwas im-stande ist, aus einem Litteraten einen Dichter zumachen, so ist es diese meine Bürgerliebe zumMenschlichen, Lebendigen und Gewöhnlichen. AlleWärme, alle Güte, aller Humor kommt aus ihr, undfast will mir scheinen, als sei sie jene Liebe selbst, vonder geschrieben steht, daß Einer mit Menschen- undEngelszungen reden könne und ohne sie doch nur eintönendes Erz und eine klingende Schelle sei.