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Tristan : 6 Novellen
Entstehung
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zu halten. Nicht, daß ich so gar nichts zu erzählen,auf meine Weise nicht dies und das erlebt hätte. ZuHause, in meiner Vaterstadt, wollte man mich sogarverhaften ... aber davon sollen Sie mündlich hören.Ich habe jetzt manchmal Tage, an denen ich es vor-ziehe, auf gute Art etwas Allgemeines zu sagen,anstatt Geschichten zu erzählen.

Wissen Sie wohl noch, Lisaweta, daß Sie micheinmal einen Bürger, einen verirrten Bürger nann-ten? Sie nannten mich so in einer Stunde, da ichIhnen, verführt durch andere Geständnisse, die ichmir vorher hatte entschlüpfen lassen, meine Liebe zudem gestand, was ich das Leben nenne; und ich fragemich, ob Sie wohl wußten, wie sehr Sie damit dieWahrheit trafen, wie sehr mein Bürgertum undmeine Liebe zum „Leben" eins und dasselbe sind.Diese Reise hat mir Veranlassung gegeben, darübernachzudenken. . .

Mein Vater, wissen Sie, war ein nordisches Tem-perament: betrachtsam, gründlich, korrekt aus Puri-tanismus und zur Wehmut geneigt; meine Muttervon unbestimmt exotischem Blut, schön, sinnlich, naiv,zugleich fahrlässig und leidenschaftlich und von einerimpulsiven Liederlichkeit. Ganz ohne Zweifel wardies eine Mischung, die außerordentliche Möglich-keiten — und außerordentliche Gefahren in sich schloß.Was herauskam, war dies: ein Bürger, der sich in dieKunst verirrte, ein Bohemien mit Heimweh nach derguten Kinderstube, ein Mnstler mit schlechtem Ge-wissen. Denn mein bürgerliches Gewissen ist es ja,