Guddenörooks
Roman. Neue wohlfeile Ausgabe. Geh. M. s.—, geb. M. s.—.
Stimmen der Presse:
. . . Vier Generationen einer Lübecker Patrizier-Familie,vier Großkaufmanns-Generationen läßt der Dichter vor unseinander ablösen. Wir sehen Kinder heranwachsen, heiratenund wieder Kinder in die Welt senden, wir sehen diese scharfcontourierten und mit frappanten Einzelzügen deutlich vonein-ander abgesetzten Menschen essen, schlafen, sich sehnen, sorgen,schaffen und erkranken. Und aus ihrem Wesen wächst ihr SchicksalMit einer Technik, die nur strengste Selbstzucht einer blut-strotzenden Phantasie «bringt, wird das Hinsiechen dieses ge-waltigen Baumes — Familie Buddenbrook — in Bildern vonvehementer Regsamkeit entwickelt. Wie in den Kindern schon,die in die Tradition wachsen sollen, der Keim des Niedergangestreibt, wie sich mühsam die eben ragenden Glieder oben zuhalten suchen, wie unausweichlich das Ende naht, der psychischeund physische Zusammenbruch, das im Blute gegebene, vorneidischen und hämischen Mitbürgern, die knirschend verehrenmußten, nicht mehr zu maskierende Absterben. Ein Zug insUngemessene eignet allen Buddenbrooks. Und die Kraftlosigkeitihrer gesamten Konstitution verdirbt diesen nicht recht begriffenen,aber von einzelnen zäh bekämpften Trieb. Da ist Thomas,der Konsul, das Haupt der Familie, der seiner Firma und ihrerWucht nicht mehr gewachsen ist, ... da ist Toni, seine Schwester,ausgewachsen in gläubiger Ehrfurcht vor dem Glanze ihresVaternamens, ... da ist Christian, der Bruder, das wandelndeSymbol der Decadence seines Hauses, begabt, ironisch, cynisch,marklos, da ist der kleine Hanno, die bange Zukunftshoffnungdes entwurzelten Machthabers, dem selbst die Standarte desHauses aus den zitternden Händen sinkt, Hanno, der langsamSterbende, das scheue Kind, das nicht mehr Mann werden kann,weil es der Sohn der Ohnmacht ist ... .
Was ist das Wunderbare an diesem unbewegten, mit festerChronistenhand Zeile um Zeile sorgfältig aufgebauten Buche?Warum erleben wir an der eigenen Seele alle diese so gleich-giltigen Geschehnisse, diese Tagtäglichkeiten eines weltabgeschiedenenBürgerhauses, warum ist es uns, wenn wir den Band dann voruns hinlegen, weh und wund ums Herz? Ist es die unerhörteMeisterschaft der Darstellung, diese kalte, ruhige Macht der Er-zählung? Ist es der helläugige, sonore Dichter, in dessen Schatten