Druckschrift 
Tristan : 6 Novellen
Entstehung
Seite
101
Einzelbild herunterladen
 

stieg. Er leuchtete mit einem Zündhölzchen vor sichher und öffnete im dritten Stockwerk die braune Thürzur Linken, die in seine Zimmer führte. Nachdem erUeberzieher und Hut auf den Divan gelegt, entzün-dete er die Lampe auf dem großen Schreibtisch undfand daselbst seine Reisetasche, sowie die Plaidrollemit dem Regenschirm. Er rollte die Decke ausein-ander und zog eine Cognacflasche hervor, woraus erder Ledertasche ein Gläschen entnahm und, währender seine Cigarre zu Ende rauchte, im Armstuhle hierund da einen Schluck that. Angenehm, dachte er,daß es auf der Welt doch immerhin Cognac giebt...Dann ging er ins Schlafzimmer, wo er die Kerze aufdem Nachttisch entzündete, löschte drüben die Lampeund begann, sich zu entkleiden. Er legte Stück fürStück seines grauen, unauffälligen und dauerhaftenAnzuges aus den roten Stuhl am Bette; dann jedoch,als er das Tragband löste, fielen ihm Hut und Pale-tot ein, die noch aus dem Diwan lagen; er holte sieherüber, er öffnete den Kleiderschrank... Er thateinen Schritt rückwärts und griff mit der Hand hintersich nach einer der großen, dunkelroten Mahagoni-kugeln, welche die vier Ecken des Bettes zierten.

Das Zimmer mit seinen kahlen, Weißen Wänden,von denen sich die rotlackierten Stühle abhoben, wieErdbeeren von Schlagsahne, lag in dem unruhigenLichte der Kerze. Dort aber, der Kleiderschrank,dessen Thür weit offen stand: er war nicht leer, je-mand stand darin, eine Gestalt, ein Wesen, so hold,daß Albrecht van der Quälens Herz einen Augenblick