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Tristan : 6 Novellen
Entstehung
Seite
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Er hatte ihr ehemals einigermaßen Widerpartzu halten vermocht, obgleich er ihr periodenweise un-mäßig gefröhnt hatte. Als ihm aber Weib und Kin-der entrafst waren, als er ohne Halt und Stütze, vonallem Anhang entblößt, allein auf Erden stand, wardas Laster Herr über ihn geworden und hatte seinenseelischen Widerstand mehr und mehr gebrochen. Erwar Beamter im Dienste einer Versicherungssocietätgewesen, eine Art von höherem Kopisten mit monat-lich neunzig Reichsmark bar. In unzurechnungs-fähigem Zustande jedoch hatte er sich grober Ver-sehen schuldig gemacht und war, nach wiederholtenVermahnungen, endlich als dauernd unzuverlässigentlassen worden.

Es ist klar, daß dies durchaus keine sittliche Er-hebung Piepsams zur Folge gehabt hatte, daß er nunvielmehr vollends dem Ruin anheimgesallen war.Ihr müßt nämlich wissen, daß das Unglück des Men-schen Würde ertötet — es ist immerhin gut, ein wenigEinsicht in diese Dinge zu besitzen. Es hat eine son-derbare und schauerliche Bewandtnis hiermit. Esnützt nichts, daß der Mensch sich selbst seine Unschuldbeteuert: in den meisten Fällen wird er sich für seinUnglück verachten. Selbstverachtung und Laster aberstehen in der schauderhaftesten Wechselbeziehung, sienähren einander, sie arbeiten einander in die Hände,daß es ein Graus ist. So war es auch mit Piepsam.Er trank, weil er sich nicht achtete, und er achtete sichweniger: und weniger, weil das immer erneute Zu-schandenwerden aller guten Vorsätze sein Selbstver-