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Tristan : 6 Novellen
Entstehung
Seite
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trauen zerfraß. Zu Hause in seinem Kleiderschrankepflegte eine Flasche mit einer giftgelben Flüssigkeitzu stehen, einer verderblichen Flüssigkeit, wir nennenaus Vorsicht nicht ihren Namen. Vor diesem Schrankehatte Lobgott Piepsam buchstäblich schon aus denKnieen gelegen und sich die Zunge zerbissen; unddennoch war er schließlich erlegen... Wir erzähleneuch nicht gern solche Dinge; aber sie sind immerhinlehrreich. — Nun ging er auf dem Wege zum Fried-hof und stieß seinen schwarzen Stock vor sich hin. Dermilde Wind umspielte auch seine Nase, aber erfühlte es nicht. Mit hoch emporgezogenen Brauenstarrte er hohl und trüb in die Welt, ein elender undverlorener Mensch. — Plötzlich vernahm er hintersich ein Geräusch und horchte aus: ein sanftes Rau-schen näherte sich aus weiter Ferne her mit großerGeschwindigkeit. Er wandte sich um und blieb stehen... Es war ein Fahrrad, dessen Pneumatik aus demleicht mit Kies bestreuten Boden knirschte, und dasin voller Karriere herankam, dann aber sein Tempoverlangsamte, da Piepsam mitten im Wege stand.

Ein junger Mann saß auf dem Sattel, ein Jüng-ling, ein unbesorgter Tourist. Ach, mein Gott, ererhob durchaus nicht den Anspruch, zu den Großenund Herrlichen dieser Erde gezählt zu werden! Erfuhr eine Maschine von mittlerer Qualität, gleichvielaus welcher Fabrik, ein Rad im Preise von zwei-hundert Mark, auf gut Glück geraten. Und damitkutschierte er ein wenig über Land, frisch aus derStadt hinaus, mit blitzenden Pedalen in Gottes freie