Druckschrift 
Die Entstehung des Doktor Faustus : Roman eines Romans
Entstehung
Seite
203
Einzelbild herunterladen
 

>«HV

T

\

brachten den Abend bei Alfred Neumanns und stießenan mit Champagner auf die Beendigung eines Werkes, andessen Plan der gute Freund so aufhorchenden Anteilgenommen. Ich las nach dem Kaffee die Echo-Kapitelzu großer Rührung. Kitty hatte, so hörten wir nächstenTages, die Nacht nicht schlafen können und nur an dasKind immer denken müssen.

Zu besorgen war jetzt der Nietzsche-Vortrag für dieFahrt nach dem Osten und nach Europa, für die wir be-reits die ersten Vorbereitungen trafen. Das essayistischeNachspiel zum Faustus nahm ungefähr vier Wochen in An-spruch und war, mit seinen vierzig Manuskriptblättern, fürden mündlichen Vortrag, den englischen wie den deut-schen, um zwanzig Seiten zu lang. Erika leistete ein Mei-* sterstück literarischer Regie, indem sie den Aufsatz, eben

fürs Mündliche, durch hundert Aussparungen im ein-zelnen und unter Bewahrung des Wesentlichen, genauum die Hälfte kürzte. Ein Artikel zu Hermann Hesses70. Geburtstag beschäftigte mich zusammen mit der Re-daktion der englischen Fassung des Nietzsche-Vortragswährend der letzten Wochen vor unserer Abreise. Am22. April brachen wir nach dem Osten auf und schifftenuns am 11. Mai auf der «Queen Elizabeth» ein. Ich sprachin London. Eines Juni-Vormittags — und es war wie einTraum — saß ich auf der Bühne des Zürcher Schauspiel-hauses, wo ich mich vor acht Jahren mit einer Vorlesungaus Lotte in Weimar verabschiedet hatte, und führte, glück-lich belebt von dem Wiedersehen mit der trauten Stadt,einem dies Wiedersehen freundlich mitbegehenden Publi-kum Fiteibergs Riccaut-Szene auf. Wir verbrachten eini-> ge Wochen dieses sonnenstarken Sommers in Flims,

203