um tjUhr),setzte ich mich in meinem Schlafrock ans Fen-ster, betrachtete das Kommen und Gehen am großen Por-tal, sah nach den Fortschritten der sich begrünenden Bäu-me des Hofs und las unter Anstreichungen in NietzschesSchriften, denn immer noch schwebte die schuldige «lec-ture» über ihn mir als nächstes Agendum vor. Dann tratwohl Dr. Fennister, Vorsitzender der American Associa-tion of Surgeons und Chefarzt der Universitätsklinik,bester Typ amerikanischen Gelehrtentums, bei mir ein,erkundigte sich nach meiner Beschäftigung, blätterte inmeinerNaumann’schenNietzsche-Ausgabe und hinterließeinen oder den anderen medizingeschichtlichen Artikel,der seinen Verfassernamen trug. Adams und sein Gefolgekamen auf ihrem Rundgang zur Morgenvisite; es kammeine Frau, die Töchter kamen, und von auswärts fandmancher Besuch im Lauf des Tages, im Lauf der Tagesich ein: Bermann und Gumpert sprachen vor, BrunoWalter, der eben in Chicago konzertierte, saß an meinemBett, Caroline Newton hatte gleichfalls die Fahrt vonNewYork nicht gescheut und brachte Geschenke: ein Tee-geschirr für denNachmittag, eine Decke aus feinerWolle.Alfred Knopf schickte Kaviar. Und an Blumen fehlte esnie. Drohten sie einmal auszugehen, so trat Erika mit fri-schen Rosen herein. In kritischer Lebenslage umgebenvon so viel Liebe, Teilnahme, Fürsorge, fragt man sich,womit man sie verdient hat — und tut es ziemlich verge-bens. War je einer, dem der Kobold des Hervorbringensim Nacken saß, so ein vom Jahr- und Tag-Werk immerVersorgter, Besessener, Präokkupierter—ein erfreulicherMitmensch ? Dubito. Und ich bezweifle es für mich per-sönlich noch ganz besonders. Wie ist es? Kann das Be-
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