mo liberi 1» Es war der «Corriere della Sera», der das rief.
Ich war vertieft in Schindlers B(?«/Aiw«-Biographie,ein geistig spießbürgerliches, aber anekdotisch anregen-des und sachlich lehrreiches Buch. Das Kretzschmar-Ka-pitel war im Gange, aber die Aufzeichnungen jener Tagesprechen von Müdigkeit und Depression, von dem Be-schluß, den Roman, dessen Fortschritte ich forciert, jetztzurückzustellen und mich vorerst der Herstellung einesfür den Herbst in Washington zugesagten Vortrags zuwidmen, — in der Hoffnung, daß, wenn dies abgetan seinwürde, die Lust zu dem «Teufelsbuch» sich erfrischt habenwerde. «Nach siebzig Seiten hat sich der erste stürmischeAnlauf erschöpft. Unterbrechung scheint notwendig, aberfür anderes fühle ich mich auch nicht tauglich.» Immerhinwar eine kleinere, mir kollegial am Herzen liegende Auf-gabe rasch erfüllt: Die Emigration traf Vorbereitungenzur Feier von Alfred Döblins 65. Geburtstag, und füreine Sammelmappe handschriftlicher Glückwünsche, dieBerthold Viertel betreute, beschrieb ich ein schönes Per-gament-Folioblatt mit Worten empfundener Ehrerbie-tung für das machtvolle Talent des Verfassers von BerlinAlex anderplat?^ und des Wallenstein, der in Amerika ein be-schämend unbeachtetes Dasein führte. Der Feier selbst,im Play House, Montana Avenue, bei der ein reiches Pro-gramm rezitatorischer und musikalischer Darbietungenablief, wohnte ich bei. Mein Bruder Heinrich sprach, undeine Rede des Gefeierten selbst, gewandt und sympathisch,beschloß das Ganze. «Bei der Bowle nachher», so ist no-tiert, «Gespräch mit Döblin und Ernst Toch über dessenMusik. Überraschend seine Bewunderung für PfitznersPalestrina. Zu viel Aufhebens werde gemacht von der