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Die Handschriften des Klosters Zwiefalten
Entstehung
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89 ab folgt die Gruppe der Liturgica, von 134 ab die Monastica. Aber von160 an schließt sich nochmals eine Reihe von Predigthandschriften an, dieman bei der Homiletikgruppe erwartet hätte, wo sie aber wohl deshalbnicht untergebracht wurden, weil sie namenlose Sammlungen darstellen.Bei 168 scheinen wir ins Gebiet der Profanliteratur zu gelangen, zunächstmit geschichtlichen Werken, dann mit medizinischen, denen sich einigeSchulbücher anreihen. Den Schluß sollen wohl Zwifaltensia bilden. Esbleibt also im ganzen keine sehr klare Ordnung, wodurch die Vorführungder Zwiefaltner Schätze schon dieses äußeren Momentes wegen der wuch-tigen Wirkung ermangelt, um besonders eindrucksvoll zu wurden. Frei-lich liegt das Ausbleiben einer solchen Wirkung nicht allein an diesemtaktischen Mangel, sondern es ist nicht zu verkennen, daß die Hand-schriftensammlung, wenn auch an Umfang gewiß beachtenswert, dochnicht sehr reich ist an besonderen Wertstücken. Dieses Urteil drängt sichvornehmlich beim Vergleich mit der Bibliothek des benachbarten Wein-garten auf, die allerdings schon dem Umfang nach stark überlegen ist,die aber doch auch verhältnismäßig viel mehr Glanzstücke besitzt. DieZwiefaltner Sammlung trägt verglichen mit dieser anderen Bibliothek nochausgeprägter den Stempel einer einseitigen Klosterbücherei: so steht z.B.der nicht unbeträchtlichen Zahl von Klassikern, die Weingarten besaß, inZwiefalten nicht viel Gleichwertiges gegenüber — ganz abgesehen von demeinzigartigen Kleinod der Weingartner Liedersammlung, die ja wohl weni-ger als Verdienst einer planmäßigen Erwerbungsabteilung der Kloster-bücherei angesehen werden darf —. Aber auch in ihren rein klösterlichenBüchern hat die Zwiefaltner Sammlung der Wissenschaft noch verhältnis-mäßig wenig Dienste tun können 17 ), was zum großen Teil darauf beruht,daß hier gerade die älteste Schicht fehlt, die in der Weingartner Biblio-thek einen recht beachtlichen Teil ausmacht.

Doch hat darum die Zwiefaltner Handschriftenbibliothek nicht minderihren Wert gerade durch ihre besondere Eigenart, die vornehmlich imältesten Teil einen einheitlichen, durch fremden Zuwachs nicht verwischtenGehalt zeigt, den wir als Rüstzeug einer ausgesprochenen Cluniazenser-stätte ansehen dürfen. Bezeichnend dafür ist schon die Tatsache, daß dieHandschriften der Bibliothek, die von der wissenschaftlichen Forschungunserer Zeit seither noch am meisten herangezogen worden sind, histori-sche Stücke waren. Im Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum,zwischen kirchlicher und weltlicher Macht, ging es im Einzelnen oft umden Besitz klösterlicher oder anderer geistlicher Stätten, und dieser Kampfwurde meist mit Urkunden, echten oder unechten, ausgeführt. Die Kämpfermußten also vorwiegend sich ins Gebiet der Geschichte begeben; ge-schichtliche Aufzeichnungen, geschichtliche Kenntnisse waren nicht bloßwissenschaftliche Werte, sondern Waffen im Kampf. Daß die Geister imKloster in der ältesten Zeit sich vornehmlich diesem Kampfe zugewandthatten, verrät die Bibliothek jener Zeit noch in manchen kleinen Einzel-heiten. Man verfolge z. B. die besonderen, wenn auch manchmal nurkurzen Aufzeichnungen und gelegentlichen Nachträge über solche Dinge,z. B. in Pergamenthandschrift 26, 37, 58 und 84 18 ).

Aber auch abgesehen vom Inhalt verdient die Sammlung besonderesInteresse durch ihre Schriftformen, die vor allem für das 12. Jahrhunderteine Schreibstube mit ganz ausgeprägter Schrift bezeugen. Zunächst fälltein ungewöhnlich langes Festhalten an runden Formen auf, wodurch dasSchriftbild einen altertümlichen Ausdruck bekommt. Die spätere Zeit der

") Als Einzelheiten sei hier aufgeführt Pergainenthandsehrift 2(i, die füreine alte Bedn-Ausgabe Druekvorlage war, die zwei Abschriften der ImitatioChristi, Papierhandst-hrift 52 und IIB. die Susohandschrift Paplerh. 28, nebendie als wertvolle religiöse Liedersammlung Papierh. !)3 gestellt werden kann,der C'ato Xovus mit seinen althochdeutschen Glossen in Pergainenthandsehrift 29,die durch 37 und 186 ergänzt werden; endlich möge noch auf einige Humauisten-hnndschriften hingewiesen werden, z. B. Papierhandschrift 147.

> 8 ) Anhangsweise seien hier einige Handschriften angeschlossen, die Inähnlicher Weise kurze Angaben zur Geschichte von Zwiefalten enthalten: Per-gamenthandschrift 4, 9, 17 und 7!», neben den eigentlichen Chroniken, Annalenund Nekrologen des Klosters.