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ganz so ausführlich behandelt der Historiker Gercken 18 ) die Bibliothek; erscheint überhaupt von den Zwiefaltnern nicht durchweg erbaut gewesen zusein. Er greift natürlich die historischen Handschriften heraus, 169, f74, 170,168, 183, 172, 173, 167 und 142, die meist auch schon Gerbert aufgefallenwaren, und geht dann noch besonders auf Pergamenthandschrift 2 ein.Nach Gerbert und Gercken hat dann noch der Karlsruher Professor Sandereinen kurzen Bericht über die Zwiefaltner Handschriften gegeben, deroifenbar auch auf eigener Einsichtnahme beruht. Daß übrigens solche Be-suche von Bibliophilen nicht immer so ganz harmlos waren und wahr-scheinlich im Kloster manchmal mit sehr gemischten Gefühlen aufgenom-men wurden, ist zu ersehen aus einem Besuch des Herzogs Karl Eugenvon Württemberg, der damals zu Gunsten seiner Lieblingsschöpfung, derÖffentlichen Bibliothek, überall in der Welt herumreiste. Karl Eugen war1784 nach Zwiefalten gekommen und hatte mit gefährlicher Freude dieBücherschätze geprüft, auf die er gewissermaßen ein landesväterlichesAuge geworfen. Von der Reise heimgekehrt, ließ er dem Kloster schreiben,daß ihm eine Handschrift aufgefallen sei, die sich auf Württemberg bezieheund die er natürlich nicht ungern sein eigen nennen würde. Das Klostersucht sich zunächst aus der unbehaglichen Lage dadurch zu retten, daßes die ungenaue Bezeichnung, die der Herzog dem Stück gegeben, alsAusflucht nimmt. Aber man wartet in Stuttgart mit genaueren Angabenauf und erklärt, es sei das Chronicon Bertholdi gemeint. Nun konnten dieZwiefaltner aufatmend versichern, diese Handschrift sei schon lange ver-schollen. Aber der Herzog läßt sich nicht so leicht abspeisen und gibtnicht nach, bis ihm das Chronicon Maius gesandt wird. Nun ließ er zwarmitteilen, daß dies nicht die von ihm gesuchte Handschrift sei; aber eineRückgabe erfolgte trotz alledem nicht und so blieb das Chronicon in Stutt-gart. Es sollte bald mehr nachfolgen.
Am Schluß des Jahrhunderts bekam das Kloster vorher noch fürden wertvollsten Teil seiner Bibliothek, die Handschriften und Wiegen-drucke, einen ausgezeichneten Katalog durch P. Gabriel Haas, der 1792in 2 Bänden die ganze Handschriftensammlung, getrennt nach Pergament-und Papierhandschriften, eingehend beschrieb und der jedenfalls zugleichdamals eine neue Aufstellung und Zeichnung nach den neuen Nummernvornahm. Aber es war ein tragisches Geschick, das des Klosters harrte,ähnlich wie bei Weingarten. Kaum war die genaue Aufnahme der Bücher-schätze abgeschlossen und endgültig Ordnung geschaffen, so nahte dieZeit, da die Sammlungen von ihren jahrhimdertalten Heimstätten ver-schwinden sollten. Schon auf dem Rastatter Kongreß 1798 war im Grund-satz der Plan aufgestellt worden, die deutschen Fürsten für Gebiets-verluste, die sie auf dem linken Rheinufer zu Gunsten von Frankreich zugewärtigen hatten, durch Säkularisation von geistlichen Gebieten zu ent-schädigen. Zur Ausführung kam dieser Plan durch den Reichsdeputations-hauptschluß vom 25. Februar 1803 in Regensburg, wo das Reichsstift Zwie-falten Württemberg zugeteilt wurde. Von der Bücherei wurden die Hand-schriften und Inkunabeln bei der Gründung einer Zentralbibliothek fürNeuwürttemberg in Ellwangen, wo man auch eine katholisch-theologischeFakultät errichtete, sogleich im Jahre 1803 nach dieser neuen Bibliothekgebracht. Im Jahre 1806 wurde aber die besondere Bibliothek in Ell-wangen wieder aufgehoben, worauf die Bestände zum größten Teil in dieÖffentliche Bibliothek nach Stuttgart kamen, zum kleineren seit 1810 indie dortige Königliche Handbibliothek. Aber auch letzterer Teil der Hand-schriften, der eine Reihe von Jahrzehnten in der Hand-, später Hof-bibliothek aufbewahrt worden war, ist seit 1886 in die öffentliche Biblio-thek, jetzt Landesbibliothek geheißen, übergeführt worden und gilt seit1901 auch als ihr Eigentum, so daß heute die Zwiefaltner Handschriften-bestände, soweit sie sich noch auffinden lassen, mit ganz verschwindendenAusnahmen in einer großen Bibliothek vereinigt und dort der wissen-schaftlichen Forschung bequem zugänglich sind.
18 ) Ph. W. Gercken, lieisen durch Schwaben, Baiern, angranzende Schweiz,in den Jahren 1779—1782.., Tbl. 1, 1783, S. 68«.