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4,2 (1923) Dicotyledones : (II. Teil)
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den blauschwarzen bereits die gelben Wachspflaumen (= Mirabellen?), Columella dreierlei (ceröolum[= Wachspflaume], prunum Damasci und onydiinum). Plinius führt eine grosse Menge an, darunter alsdie edelsten und verhältnismässig spät eingeführten die Damaszenen. Im Capitulare de villis ist nur vonprunarios die Rede. Hingegen unterscheidet die Heilige Hildegard von den wilden Schlehen diegarten«slehen" (wohl Haferschlehen), roszprumen (Rosspflaumen bei Bock, Tabernaemontan u.a., wohl ebenfallseine Form der subsp. insititia) undkriechen" ; Albertus Magnus nennt u.a. eine rundfrüchtige Sortecinus". Viele europäische Namen deuten ebenso wie bei den Kirschen weniger auf Einführung aus demSüden als eine solche aus dem Osten (vgl. Anm. 1 pag. 1109). Von der Pflaume abgeleitete Orts» und Flur,namen sind ziemlich selten, so Kriechenbaum und Chriechbäumen (vielleicht auch Chriechenwil im Kanton Bern)in der Nordschweiz, Flumenthal bei Solothurn, vielleicht auch Fluntern (820 Flobontisreine) in Zürich, Prommetschim Oberwallis, Premi, Pronneys, Prumeret, Promeyriaz in der Westschweiz, Prunätschl und Bruniaun in Südtirol.

Heute bestehen die ausgedehntesten Pflaumen» (besonders Zwetschgen»)Kulturen in Jugoslavien (nament»lieh Bosnien und Serbien), wo die Zwetschgen ganze Wälder bilden und im Herbst einen Hauptbestandteil derNahrung und zugleich einen Hauptexportartikel ausmachen, sowohl frisch, wie namentlich getrocknet und vergorenzu dem beliebten Zwetschgenwasser oderslivovica" (von sliva = Pflaume, stammverwandt mit Schlehe). DieEinführung des Baumes fällt vielleicht mit dem Auftreten der Magyaren zusammen. Aehnlich ausgedehnteKulturen bestehen in Ungarn (dieHungarischen Zwetschken" waren schon im 17. Jahrhundert in Deutschlandsehr beliebt) und in der Tschechoslovakei, wo das Zwetschgenmuspowidl" eine Nationalspeise darstellt. Auchin Süd» und Ostdeutschland sind viele gute Sorten gezüchtet worden. 1900 wurden in Deutschland 69,4 MillionenPflaumenbäume (41 °/o aller Obstbäume) gezählt, und doch decken diese den Bedarf bei weitem nicht; sowurden 1909 für 2622000 Mark frische und für 14400000 Mark getrocknete Zwetschgen (besonders aus Oester«reich«Ungarn) und für 1532000 Mark Mirabellen und Reineclauden eingeführt. Die Kultur feinerer Sorten hatihre grösste Blüte in Frankreich erreicht, wo schon 1680 deren 180 unterschieden worden. So wurden schonim 17. Jahrhundert von Brignols in der Provence die sogenannten Brignolen (Pruna Briolensia") oder Prünellenin Menge ausgeführt und wie Feigen (in Schachteln) verpackt auch in Deutschland viel gekauft. Auch inEngland und Nordamerika, von wo besonders viele Pflaumen exportiert werden, wird ihnen grosse Aufmerk»samkext geschenkt. Besondere Erfolge hatte der Engländer Luther B u r b a n k, der zuerst in Massachussetsund seit 1875 zu Santa Rosa in Kalifornien Züchtungen im allergrössten Massstab vornahm. Durch Kreuzungzweier Abkömmlinge japanischer Pflaumen, der Kelsey» und der Burbankpflaume, erzielte er (nach1890) die Wicksonpflaume, eine vorzügliche, grosse, rotfleischige Frucht, die ebenso wie z.B. die Sat»sumapflaume und Zuckerpflaume heute in Kalifornien im grossen für den Export nach der ganzenWelt gebaut wird. Für Deutschland eignen sich diese wenig winterharten Züchtungen nicht.

Die meisten europäischen Pflaumen sind hingegen bedeutend anspruchsloser in Bezug auf Wärmeund Pflege als die Aprikosen, Pfirsiche und Mandeln, dagegen etwas wärmebedürftiger als viele Kirschensorten,ertragen dafür Nässe besser als diese. Die am meisten gezogenen Hochstämme werden zumeist auf Pflaumen»Sämlinge oder Wurzelschosse veredelt, die niedrig (als Buschobst) kultivierten hauptsächlich auf die St. Julien»Pflaume. Doch wussten bereits die Kräuterbuchverfasser des 16. und 17. Jahrhunderts, dass sich Pflaumen auchauf Pfirsiche, Mandeln, Kirschen und selbst auf Birnen pfropfen (peltzen") lassen. In Bezug auf Wurzel-sprosse, Gummifluss und Blüteneinrichtung stimmen die Pflaumen mit den meisten anderen Prunus»Artenüberein. Sie dürfen wie die Kirschen nur sehr wenig beschnitten werden und eignen sich daher (mit wenigenAusnahmen) nicht für Pyramiden» und Spalierformen. Einzelne, wie die frühreifen Mirabellen, sind für Topf»kultur brauchbar. Die Altersbestimmung der Stämme ist schwierig, da oft durch abweichende Färbung Jahres»ringe vorgetäuscht werden. Das harte, rotgeflammte Kernholz ist für Schreiner» und Drechslerarbeiten brauchbar.Die Blüten entfalten sich meist gleichzeitig mit dem Laub, etwas später als diejenigen von P. spinosa und P.avium (in Glessen nach Hoffmann bei einer Wärmesumme von 1423°, für die Fruchtreife 5780°), doch ver«halten sich hierin die einzelnen Formen sehr verschieden. Gelegentlich entstehen Blütentriebecauliflor" anälteren Stämmen; auch ein proleptisches Austreiben der Kurztriebe im Herbst kommt vor. Die Blüten sind schwachproterogyn bis homogam; bei der subsp. ceconomica scheint Selbstbestäubung leichter einzutreten als bei der subsp.insititia. Vom Pflaumenwickler (Carpocapsa funebrana) gilt das für den Apfelwickler Ausgeführte (Vgl. pag. 754). Der völlige Anthozyanmangel der Blütensprosse aller Pflaumen und der Früchte vieler ist ein Domestikations»merkmal, ebenso wie die Nichtausbildung von Dornen und die Abnahme von Bitterstoffen in Fruchtschale undSame. Die Früchte zeigen nach Wehm er folgende prozentuale Zusammensetzung:

Wasser

Zucker

Saccharose} freie Säure

N»Substanz

Asche

Steine

Mirabelle

80,68

4,97

4,65

0,56

7,34

0,56

4,98

Reineclaude

82,13

5,92

4,81

0,82

0,55

0,41

3,40

Verschiedene Pflaumen .

78,6

7,3

7,4

0,77

1,01

0,49

5,64

Zwetschgen

81,62

5,92

5,73

0,92

0,78

0,63

5,34