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Alter und Verbreitung extremer xerothermer Pflanzen in Sitzungsber. der Preuss. Akademie der Wissenschaften.Bd. XX, 1914). Auch die extremen Hygrophyten sind in der Familie selten. Hierher zählen die Pygeum»Arten der tropischen Regenwälder von Asien und Afrika, die Maquilea» und Licdnia», Parinärium» und Chryso»bälanus=Arten der I Iygrophyten=Wälder von Südamerika. Die Rosaceen Mitteleuropas sind meist Mesophyten.Viele sind baumförmig, so die meisten Pirus«, Malus», Sorbus«, Prunus» und ausnahmsweise auch Crataegus» Arten.Uebergänge zu den Sträuchern bilden die Cydonia«, Sorbus», Mespilus» und Crataegus=Arten, welche in tieferenund wärmeren Lagen auf fruchtbaren Böden baumförmig werden, in höheren Gebirgslagen sowie im hohenNorden jedoch nur die .Strauchform erreichen. Von höheren Sträuchern sind Cotoneaster», Spiraea», Physocarpus»,Sorbus», Crataegus», Amelanchier«, Mespilus», Rosa» und Prunus»Arten zu nennen. Die einzigen Zwergsträucherder mitteleuropäischen Rosaceen sind Potentilla nitida und Dryas octopetala ; neuerdings wird ein weiterer Zwerg»Strauch Cotoneaster microphylla Wall, aus der alpinen Stufe des Himalaya in Gärten vielfach kultiviert. Zu denHalbsträuchern leiten diejenigen Spiraea=Arten über, deren oberste Sprossteile während der kalten Jahreszeit regel»massig zurückfrieren. Typische 1 lalbsträudier sind nur schwach vertreten, hierher mehrere Potentilla»Arten.Zu den Halbsträuchern müssen wohl auch die meisten mit ± stark verholzenden, zweijährigen Sprossen ausge»gestatteten Rubus»Arten gestellt werden. Bei diesen wird die vegetative Vermehrung durch Einwurzeln von weit»hin kriechenden oder bogenförmig auf den Boden herabhängenden Trieben bewirkt (Fig. 1085). Eine Mittelstellungzwischen Halbstrauch und Staude nehmen Comarum sowie zahlreiche Arten der Gattungen Potentilla, Alchemilla,auch Fragaria mit Wurzelstock oder Erdstode (Mesocormus) und mit dauernder oder frühzeitig schwindenderPrimärwurzel ein. Spärlich vertreten sind die Holzkopfstauden mit unterirdischer kurzer, verholzender Achse,welche jährlich aufrechte, krautige, im Herbst bis auf den Grund zurück absterbende Sprosse treiben (Aldie»milla vulgaris, Aruncus Silvester, Filipendula Ulmaria). Auch die Zahl der „Hochstauden" ist nicht gross(Sanguisorba officinalis und S. minor, Geum rivale und Geum urbanum). Die zweijährigen Kräuter sind ver»treten durch Potentilla supina, die ein» bis wenigjährigen durch Potentilla Norvegica und P. intermedia, Alche»milla arvensis. Besondere Anpassungen sind: Ausbildung von Wurzelbrut (z. B. bei Prunus», Pirus», Malus»,Rosa=Arten, bei Sorbus aueuparia), Knospenschutz durch Schuppenblätter, Bewehrung durch Dornen (bei Pirus«,Malus», Prunus», Mespilus» und Crataegus»Arten), Stacheln (bei Rosa» und Rubus» Arten), Mykorrhiza (bei Dryasoctopetala und häufig auch bei Prunus spinosa). Über die Bedeutung der Bastardierung für Apogamie undPolymorphismus siehe bei Sorbus, Rubus, Potentilla, Alchemilla und Rosa.
In den Pflanzenvereinen spielen die Rosaceen keine sehr grosse Rolle und treten vielfach nur vereinzeltauf; nur die Arten mit einer reichlichen vegetativen Vermehrung (z. B. Sibbaldia procumbens, verschiedeneRubus», Potentilla» und Aldiemilla»Arten) machen eine Ausnahme und verdrängen dann mit ihren energischvordringenden, meist oberirdischen, dicht belaubten Kriechtrieben die konkurrierenden Arten.
Die einheimischen Rosaceen»Arten zeigen hinsichtlich der Bestäubungsanpassungen eine grosse Mannig»faltigkeit. Ein ausgesprochener Windblütler ist Sanguisorba minor mit unscheinbaren, grünen Blütenköpfenund weit heraushängenden Staubblättern und Griffeln-, eine Honigabsdieidung fehlt wie bei allen typischenanemophilen Pflanzen. Pollenblumen mit reichlicher Pollenproduktion, mit zahlreichen Staubblättern und mitoffenen, vielen Insektenklassen leicht zugänglichen Blüten sind z. B. Aruncus, Rosa» und Filipendula=Arten.Blüten mit halbverborgenem Honig besitzen viele Spiraea», Crataegus», Geum» und Potentilla=Arten, solche mitfreiliegendem Honig die Gattungen Amelanchier, Alchemilla und Sibbaldia. Zur Klasse der Blüten mit völliggeborgenem Honig gehören Sorbus», Rubus», Comarum», Fragaria« und Prunus«Arten. Häufig sind gross»blutige Formen mit auffallenden, meist weissen, gelben oder roten Kronblättern oder Formen mit reichblütigenInfloreszenzen, die wirkungsvolle Schauapparate abgeben (Aruncus, Sorbus«, Pirus»Arten usw.). ZahlreicheArten lodeen durch einen eigenartigen Duft die Insekten an ; andere sondern auf einer ringförmigen Stelle desBlütenbodens Honig ab. Häufiger als die nur bei mangelndem Insektenbesuche eintretende Selbstbestäubungist die meist durch Proterogynie (selten durch Proterandrie) gesicherte Fremdbestäubung s Homogamie ist ver»breitet. Apogamie kommt u. a. bei Alchemilla»Arten vor; hier entwickelt sich der Same aus einer Embryosademutter«zelle ohne vorausgegangene Befruchtung. Die meisten Rosaceen besitzen Zwitterblüten; immerhin ist bei ein«zelnen Gattungen (Sanguisorba, Chaenomeles, Dryas, Spiraea usw.) eine Neigung zur Trennung der Geschlechterbemerkbar. Letztere ist bei Aruncus Silvester durchgeführt (pag. 671). Die Samen weitaus der meisten Rosaceenkeimen sehr langsam (viele braudien gegen 2 Jahre) und die Keimung ist teilweise stark vom Licht, teilweisevon der Wirkung des Frostes abhängig. Ausgesprochene Lichtkeimer sind Fragaria vesca, die meisten Poten»tilla»Arten, Sorbus aueuparia usw. Abweichend verhält sich nach K i n z e 1 einzig Agrimonia odorata, eintypischer Dunkelkeimer. Die Samen von Alchemilla arvensis keimen zwar leicht, werden aber doch noch starkvom Licht beeinflusst. Obstkerne, die vorher dem Froste ausgesetzt wurden, entwickeln sich wie der bei kühlerTemperatur angekeimte Winterroggen bedeutend schneller und erzeugen kräftige und reichlich fruchtendePflanzen. Allerdings geschieht die Fortpflanzung hochgezüchteter Obstsorten ja meistens durch Stecklinge, diedann gegen Krankheiten erfahl ungsgemäss empfindlich sind.