Druckschrift 
4,2 (1923) Dicotyledones : (II. Teil)
Entstehung
Seite
563
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

563

Tafel 142.

Erklärung der Figuren.

Fig. 1. Saxi/raga adscendens (pag. 619) Habitus.

2. Saxifraga moschata (pag. 606). Habitus.

3. Saxifraga Seguierii (pag. 604). Habitus. 4. Saxifraga Burseriana (pag. 585). Habitus. 5. Saxifraga aizoides (pag. 596). Habitus. 6. Saxifraga stellaris (pag. 624). Habitus.

7. Saxifraga aspera subsp. bryoides (pag. 598).Habitus.

Fig. 8. Saxifraga oppositifolia subsp. arcto-alpina

(pag. 579), Habitus.

8a. Saxifraga asperasubsp.elongata(pag. 597).Habitus.

9. Saxifraga caesia (pag. 583). Habitus. 10. Saxifraga androsacea (pag. 605). Habitus. 11. Saxifraga aphylla (pag. 602). Habitus. 12. Saxifarga exarata (pag. 609). Habitus.

Die Saxifragaceae zeigen zu mehreren Familien innerhalb der Rosales nahe verwandtschaftliche Be=Ziehungen. Die Crassulaceae, die sich den Saxifragaceae am meisten nähern, unterscheiden sich einmal durch denanatomischen Bau der Vegetationsorgane, dann durch den meist wickeligen Blütenstand (bei den Saxifragaceaeselten wickelig), ferner durch das schuppen förmige, drüsige Anhängsel am Grunde der Fruchtblätter. Von denCunoniaceae weichen die Saxifragaceae durch wediselständige (sehr selten gegenständige) Laubblätter und das Fehlender Nebenblätter ab. Die Rosaceae, die sich durch die Spiraeoideae den Astilbinae nähern, besitzen in mehrerenKreisen eine unbestimmte Anzahl Staubblätter, während bei den Astilbinae nie mehr als zwei Staubblattkreisevorkommen. In der Ausbildung der Vegetationsorgane herrscht bei den Saxifragaceae grosse Mannigfaltigkeit.Besondere, die ganze Familie kennzeichnende Eigentümlichkeiten sind nicht vorhanden. Dasselbe gilt auch imallgemeinen für den anatomischen Bau. Dagegen können einzelne Untergruppen wie die Sektionen der GattungSaxifraga anatomisch gut charakterisiert werden. Als wichtig für die Unterscheidung der Sektionen, Gattungenund selbst der Unterfamilien erweisen sich die Haare. So besitzen die Saxifragoideae 1» bis mehrreihige, mehr»zellige Haare, die Escallonioideae dagegen stets einzellige Haare. Auch die Hydrangeoideae haben meist ein.zellige unverzweigte Haare. Gerbstoffzellen sind u. a. vorhanden bei Saxifraga Cymbalaria und verwandtenArten, bei S. paradoxa, bei Chrysosplenium und Parnassia.

Blütenbiologisch zählen die Saxifragaceae fast durchwegs zu den Insektenblumen, die bald an derBlütenachse, bald am Fruchtknoten Honig absondern. Eigentümliche Nektarien (Staminodien) mit langen Drüsen,fransen finden sich bei der Gattung Parnassia (Taf. 143, Fig. 7 a und Fig. 977). Weniger Uebereinstimmungals die Blütenökologie zeigt die Oekologie der vegetativen Organe.

Eigentliche Schwimm, und Wasserpflanzen fehlen zwar, doch sind mehrere Saxifraga.Arten (S. stellaris,S. aizoides etc.) und Chrysosplenium.Arten (bei uns Ch. oppositifolium) fakultativ flutend. Von den klimatischenLebensformen R a u n k i ä r's sind die Hemikryptophyten und Chamaephyten (ausdauernde Stauden, Halbsträucher,Rosetten, und Polsterpflanzen) am meisten vertreten; spärlich dagegen sind die einjährigen Therophyten. Vonhöhern, blattwechselnden Sträuchern sind u. a. die Gattungen Ribes, Deützia, Hydrdngea, Philadölphus zunennen. Macrophanerophyten, Bäume, finden sich bei verschiedenen Gattungen (z. B. bei Ixörba, Hydrangea,D6dea, Polyösma). Das immergrüne Hartlaubblatt ist vertreten bei Colmeiroa, Bröxia, Anöpterus, Itea u. a.Gattungen, bei denen mehrfach eine auffallende Konvergenzbildung zu unserm Ilex.Blatt auftritt, so z. B. beiPolyosma ilicifölia und bei Itea ilicifolia aus China. Klettersträucher bietet die Gattung Decumärxa. Selbst dieLianenform hat in der monotypen Gattung Roüssea auf Mauritius und in einigen Hydrangea.Arten der SektionCornidia aus dem tropischen und subtropischen Amerika ihre Vertreter gefunden. Die Familie kann somitweder systematisch noch ökologisch als einheitlich bewertet werden.

Die Verbreitung und Fortpflanzung der einheimischen Arten geschieht hauptsächlich durch die kleinen,flugfähigen Samen. Das Gewicht derselben erreicht bei manchen Arten von Saxifraga kaum 0,1 mg, die Längeöfter weniger als 0,5 mm. Viele Samen besitzen eine warzig.stachelige Schale, die ein leichtes Anheften ge.stattet. Hiedurch sowie durch die drüsig.klebrigen, öfter sehr zerbrechlichen Fruchtstände, die leicht am Pelzder Vierfüssler hängen bleiben, können manche Arten verbreitet werden. Weiterezoochore" Anpassungenbesitzen die Arten der beerentragenden Gattungen Ribes, Dichroa und Roussea. Vegetative Vermehrung durchkriechende Ausläufer kommt bei den Gattungen Saxifraga und Chrysosplenium häufig vor. Demselben Zweckdienen die grund. und blattachselständigen Brutknospen mancher Saxifraga Arten oder blattbürtige Sprosse wie beiTolmi<5a Menziösit (Fig. 938); ebenso sind bei manchen Saxifragen einwurzelnde Rosettenableger zu beobachten.

Ausser den unten beschriebenen Gattungen werden zahlreiche nicht einheimische Saxifragaceae alsKalthaus» und Gartenpflanzen kultiviert. Die wichtigsten sind;

Hydrangea 1 ) (Hortensia) Commers. mit etwa 45 Arten im subtropischen und gemässigten Ostasienund Nordamerika, leicht kenntlich an den gegenständigen 'Laubblättern und an den (bei den Gartenrassen) durch

') Von griech. tdrop [hydor] = Wasser und ayyeiov [dngeion] = Gefäss ; wohl in Bezug auf den grossenWasserbedarf der Pflanze, vielleicht auch auf die Kapseln, die einem Gefäss ähnlich sehen.