Druckschrift 
4,2 (1923) Dicotyledones : (II. Teil)
Entstehung
Seite
546
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

silzend im Kreise herum, um ein Nektarium nach dem andern auszusaugen (Revolverblüten"). Die häufigstenBesucher sind Hummeln, Bienen, Falter und Fliegen. Sehr häufig ist besonders auf S. tectorum und S. arach»noideum ein Rostpilz Endophyllum Sempervivi (Alb. et Schwein.) De Bary zu beobachten, welchereine vollständige Aenderung im Aussehen der Blattrosetten hervorruft. Die Blätter wachsen dabei stark indie Länge. Audi nidit parasitäre Missbildungen sind bei Sempervivum=Arten ziemlich häufig anzutreffen,so eine Verbänderung des Stengels und der Blütenstandsäste, das Auftreten von Laubsprossen im Blüten»stand, eine Vergrünung der Blüten, eine Umwandlung der Staubblätter in Fruchtblätter oder der Fruchtblätter inStaubblätter. Reichlich verästelte Stengel entstehen gelegentlich an den in Geröllhalden wadisenden Pflanzennach einer Amputation der Hauptachse durch Auswachsen von Achselknospen. Besonderes Interesse bietendie Neubildungen an den nach einer Amputation der primären Blüten entstandenen Blüten. K1 e b s konnte durchkünstliche Veränderung an Blüten Samen gewinnen, aus denen zum Teil stark veränderte Pflanzen hervorgingen,so solche mit in Kronblätter umgewandelten Staubblättern. Damit glaubte er die Vererbbarkeit künstlicher Ver»änderungen nachgewiesen zu haben, lieber die Embryoentwicklung vgl. E. JacobssonsStiasny. Diespezielle Embryologie der Gattung Sempervivum im Vergleich zu den Befunden bei den andern RosalesDenkschr. der k. Akad. der Wissensch. Wien, math.»naturw. Kl. Bd. LXXIX, 1913 pag. 707/815). Nach Kinzelist die Keimung der Samen der Sempervivum=Arten durchaus vom Licht abhängig. Die Keimkraft der dünn«schaligen Samen erlischt meist schon nach einem Jahr vollkommen. Josef Hoffmann (Oesterr. Botan. Zeitschrift.Bd. XLVI. 1896) konnte aus dem Verlauf der Leitbündel in den Blättern (Fig. 930), ebenso aus der Verteilung derGerbstoffbehälter in den Blättern nachweisen, dass die anatomischen Merkmale für die natürliche Verwandtschaftder einzelnen Gruppen verwertet werden dürfen, ebenso für die intermediäre Stellung von Bastarden. Zu diesemZwecke werden die Blätter einige Tage in eine wenigprozentige Chloralhydratlösung gebracht.

1. Krön» und Kelchblätter 12 bis 16 (Fig. 924 e)j erstere lanzettlich bis lineal, spitz, ganzrandig, stern»förmig ausgebreitet. Blüten rot oder gelb 2.

1*. Kron= und Kelchblätter meist 6 -, erstere lanzettlich, am Rande gefranst, glockig zusammenneigend,stets gelb 9,

2. Blüten rosenrot, lila oder purpurn 3.

2*. Blüten gelb (getrocknet grünlich) 6.

3. Rosettenblätter auf der Fläche ganz kahl, nur am Rande kurz gewimpert, stets ± rasch zugespizt.

S. tectorum nr. 1397.

3*. Laubblätter auf der Fläche i drüsig behaart 4,

4. Rosettenblätter an der Spitze durch spinnwebige Haare miteinander verwebt (Fig. 924 k).

S. arachnoideum nr. 1403.

4'. Laublätter an der Spitze ohne spinnwebige Haare ') 5.

5. Laubblätter auf der Fläche schwach drüsenhaarig, am Rande von deutlich kräftigeren Haaren ge=wimpert, rasch fein zugespitzt. Kronblätter rosenrot mit breitem, lebhaft rotbraunem Mittelstreif. Nur inSüdtirol S. Dolomiticum nr. 1400.

5°. Laubblätter auf der Fläche reidilidi drüsenhaarig, am Rande von nicht oder kaum kräftigerenHaaren gewimpert, kurz spitz. Kronblätter bläulich-rosenrot bis violett mit dunklerem Mittelstreif.

S. montanum nr. 1402.

6. Staubfäden purpurrot 7.

6*. Staubfäden weiss S.

7. Laubblätter auf der Fläche kahl, am Rande gewimpert S. Wulfenii nr. 1398.

7*. Rosettenblätter auf der Fläche reichlich drüsenhaarig. Nur im Wallis . . S. Gaudinii nr. 1399.

8. Rosettenblätter auf der Fläche von sehr kräftigen Drüsenhaaren fast zottig. Blüten lebhaft hellgelb.Nur auf Serpentinboden in Steiermark S. Pittonii nr. 1401.

8°. Rosettenblätter auf der Fläche dicht mit feinen, kurzen Drüsenhaaren besetzt. Blüten gelblidiweissoder weiss . . S. montanum nr. 1402.

9. Rosettenblätter beiderseits drüsenhaarig. Nur in Südtirol S. Allionii nr. 1404.

9*. Rosettenblätter auf der Fläche kahl 10.

10. Rosettenblätter länglidi»verkehrt»eiförmig, im obersten Drittel am breitesten. Rosetten kugelig,geschlossen S. s o b o Ii f er um nr. 1407.

10°. Rosettenblätter länglich bis lanzettlich, im unteren Drittel am breitesten 11.

11. Rosetten kugelig, geschlossen. Rosettenblätter an der Spitze meist braun. Stengelblätter nichtbreiter als die Rosettenblätter, stets kahl, beim Verwelken silbergrau werdend. Alpen und Vorälpen vonOesterreich S. arenarium nr. 1406.

') Findet sich an der Blattspitze ein kleines Büschel längerer, mitunter etwas spinnwebiger Haare, soliegt ein Bastard von S. arachnoideum vor (vgl. pag. 560).