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4,2 (1923) Dicotyledones : (II. Teil)
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Trichome ist, die in ihrem Gelenk abgebogen werden, desto rascher geht der Verschluss vor sich. Wahr»scheinlich ist, dass den Digestionsdrüsen die doppelte Aufgabe nach dem Fang zukommt: zuerst die Verdauungs»säfte zu liefern und darnach die gelöste Nahrung zu resorbieren. Zu dieser Verdauung dürfte wohl auch dieLuftblase, die sich im geschlossenen Blatt entwickelt, beitragen. Erst nach einigen Tagen ist die Verdauungabgeschlossen und das Blatt öffnet sich zu einem neuen Fang (vgl. Fenner, C. A. Beiträge zur Kenntnis derAnatomie, Entwicklungsgeschichte und Biologie der Laubblätter und Drüsen einiger Insektivoren. Flora Bd. 94,1904 und Caspary, R. Aldrovandia vesiculosa Monti. Botan. Zeitung, Bd. XVII 1859 und Bd. XX 1862).Moesz erwähnt verschiedene Fälle von Abnormitäten, so Laubblätter ohne Spreiten und ohne Borsten, dasAuftreten eines borstenförmigen Blattes am Blütenstiel, spiralige Anordnung der Blätter des Doppelquirles,Verbänderung des Stengels (congenitales Verwachsen einer Reihe von Stengelgliedern) mit 12= bis 14=blätterigenQuirlen und einer Doppelblüte usw.

Die Droseraceae werden gewöhnlich mit den Sarraceniäceae und Nepenthäceae, oft auch mit den Cephalo»täceae, zu der Reihe der Sarraceniäles vereinigt, denen vor allem das ökologische Merkmal derCarnivorie"gemeinsam ist. W e 11 s t e i n schliesst die Sarraceniaceae an die Polycarpicae an und hält die meist fürselbstverständlich angesehene Verwandtschaft der Nepenthaceae mit den Droseraceae für höchst unwahrscheinlich.Auch die Einreihung der Cephalotaceae unter die Rosales ist wenig begründet. Ueberhaupt ist die systematischeStellung dieser 4 Familien, deren Laubblätter in mannigfacher Weise an den Fang und an die Verdauung vonInsekten angepasst sind, noch wenig geklärt. Selbst zu den Parietales sind die Droseraceae schon gestelltworden, die Nepenthaceen in die Nähe der Aristolochiaceae und Cytinaceae. Neuerdings haben die Unter»suchungen von Kurt Stern (Flora. Bd. 9, 1916. Neue Folge) eine Reihe von Merkmalen zutage gefördert, welchedie Verwandtschaft dieser 3 ersten Familien als unzweifelhaft erscheinen lassen sollen.

Die Sarraceniäceae umfassen drei auf die neue Welt beschränkte Gattungen, nämlich die GattungSarracdnia mit 7 Arten im atlantischen Nordamerika und die beiden monotypischen Gattungen H e 1 i ä m.phora (H. mutans Benth. am Roraima in Britisch Guyana) und Darlingtönia (D. Califörnica Torrey) inden Gebirgen von Nord»Californien bis Süd-Oregon. Alle Arten sind ausdauernd, besitzen 5»zählige, grosse(Fig. 898), radiäre, einzeln oder in lockerer Traube auf axillärem Schafte stehende, heterochlamydelsche oderhomochlamydeische Zwitterblüten, mit gelben, grünlichen bis roten Kronblättern, mit zahlreichen Staubblätternund mit einem 3= bis 5»fächerigen, oberständigen Fruchtknoten mit vielen, umgewendeten, marginalen Samen»anlagen. Die Frucht ist eine fachspaltige Kapsel, deren kleine, membranöse und dünnschalige Samen nur einInlegument aufweisen und reichlich Nährgewebe enthalten. Der Griffel ist eigenartig breitregenschirmartig"über die Staubblätter ausgespannt; die 5 Narben sitzen als kleine zapfenartige Bildungen auf der Unterseitedes Daches am Ende der Zipfel (Fig. 898 a). Die grundständigen Laubblätter sind zu schlauch» oder eng trichter»förmigen, an der Spitze wulstig verdickten Gebilden umgewandelt, die an der der Achse zugekehrten Seite eineflügeiförmige Längsleiste tragen und oben mit einem Lappen oder Zipfel endigen, der jedoch keinen beweg»liehen Deckel darstellt. Die für Springschwänze, Ameisen und andere Insekten als Fallgruben wirksamen Schlauch»blätter (Ascidien), die meist auffallend gefärbt sind (Lockfarbe), lassen bei Sarracenia inwendig 4 Zonen unter«scheiden: zu oberst eine Drüsenzone mit abwärts gerichteten Haaren und honigabscheidenden Drüsen, die alsLockmittel gedeutet werden, dann eineGleitzone", in der neben Drüsen auch dachziegelförmig angeordneteabwärts gerichtete Zellvorsprünge die Oberfläche bedecken, dann dieReusenzone" mit langen, abwärts ge»richteten Reusenhaaren, welche ein Zurückkriechen der abgestürzten Insekten verhindern und schliesslicheine unterste Zone ohne Haare und Drüsen, wo die gefangenen Tiere in dem daselbst angesammeltenWasser zu Grunde gehen. Den Blättern scheinen verdauende Enzyme und fäulnishemmende Stoffe in grössererMenge zu fehlen. Die Sarracenien stehen also noch auf einer niedrigen Stufe derInsektivorie". In BotanischenGärten werden mehrere Arten (S. Drummöndii Croom, flava L., purpürea L., psittacina Mich.) und Bastarde(z. B. S. Chelsönii hört. = S. purpurea X psittacina) gezogen. Die Anzucht aus Samen bereitet keine grossenSchwierigkeiten. In einigen westschweizerischen Mooren ist Sarracenia purpürea L. mit 6 bis 35 cmlangen, aufsteigenden, bauchig erweiterten Schlauchblättern und mit grünlich»purpurroten Blüten vor mehrerenJahren angepflanzt worden und hat sich im Berner Jura (Tavannes»Bellelay) und bei Verey (Marais de Pratin)dauernd eingebürgert. Am letzteren Orte, wo die Pflanzen aus Samen, die F. Cornu in Riant=Port bei Veveyums Jahr 1890 aus Canada mitbrachte, herangezogen wurden, blühen und fruchten dieselben alljährlich, sodass dieBlumen" in Vevey auf dem Markte verkauft werden. Von Vevey ist die Pflanze kürzlich auch insWauwiler Moos (Kt. Luzern) verpflanzt worden. S. purpurea ist nach Macfarlane (vgl. Das Pflanzenreich.Heft 34, 1908) in Nordamerika von Labrador, Neufundland und Manitoba südlich bis Florida, Alabama undLouisiana verbreitet; sie führt die einheimischen Namen pitcher»plant, side»saddle plant, forefather's cup, devil'sboots und huntsman's cup.

Die Nepenthäceae oderKannenpflanzen" sind die mächtigsten aller Carnivoren und zeigen eineweitgehende Metamorphose und Arbeitsteilung der Laubblätter. In den zu Schläuchen umgewandelten Blatt«