Druckschrift 
4,3 (1924) Dicotyledones : (II. Teil)
Entstehung
Seite
1727
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1727

Hoeffgen (Botanisches Archiv. Bd. I, pag. 94) auch diese Verwandtschaft keine sehr innige zu sein wie auchzu den Balsaminaceen und Aceraceen, während zu den Buxaceen, Euphorbiaceen, Linaceen, Oxalidaceen undRutaceen nähere Beziehungen bestehen. Dementsprechend stehen nach Hoeffgen die Tropaeolaceen auf demEuphorbiaceae»Oxalidaceae=Zweig oberhalb der Geraniaceen (vgl. Fig. 1608, pag. 1643).

Das Verbreitungsgebiet der etwa 50 Tropaeolum.Arten ist fast nur auf Südamerika beschränkt ; nurganz wenige Arten dringen bis Süd»Mexiko vor. Die einzelnen Arten kommen unter den verschiedenstenLebensbedingungen vors vom tropischen Regenwald Brasiliens und Venezuelas reichen sie bis zur Schnee»grenze in den Anden von Peru und Chile und bis zu den ariden Gebieten (Punas) von Chile, Peru und desgemässigten Argentiniens.

Die Gewebe der Tropaeolaceen sind im allgemeinen sehr wasserreich; das Mesophyll ist schwammiglocker. Die Pflanzen sind auch gegen Frost und Kälte fast ausnahmslos (nur wenige Arten so T. polyphyllumund T. sessilifolium sind widerstandsfähiger) sehr empfindlich und gehen bei uns im Freien regelmässigmit dem Eintritt der kälteren Jahreszeit zugrunde. Immerhin lassen sich bei richtiger Pflege auch 1 »jährigeArten im Kalthause durch Verpflanzen in Töpfe oder durch Ableger lange erhalten. Die Winterblätter sinddann bei T. maius kleiner als die Sommerblätter und stets abstehend behaart. Bei der stets unterirdischstattfindenden Keimung bleiben die verwachsenen Keimblätter innerhalb der Samenschale und geben schrumpfendund vertrocknend ihre Reservestoffe anden Keimling ab. Amputierte Keimlingetreiben zwischen den Keimblättern eineErsatzknospe und können nach P. F. F.

Schulz Teile der Samenhaut und derFruchtschale nach deren Verschleimen alsNährstoffe nutzbar machen. Die ersten Blät«ler sind zahnförmig»schuppig oder normaleLaubblätter. Ursprünglich steht die Blatt»spreite in der Verlängerung des Blattstielesvertikal, um erst später, wenn sie in derHauptsache ausgewachsen ist, eine Drehungum 90° auszuführen. Bei der Schlafstellungfindet wiederum eine Rückkehr in die Ver»tikalstellung statt (G o e b e 1, K. Entfaltungs»bewegungen, pag. 159). Die lange erhaltenbleibenden Haupt wurzeln der 1»bis mehr»jährigen Arten sind dünn, kurz, fein ver»zweigt und breiten sich hauptsächlichunter der Traufe der Laubblätter ausj dieausdauernden Arten haben vielköpfigeRhizome oder unterirdische, mit Nieder»blättern besetzte Ausläufer. Sehr seltenwerden auch Knollen ausgebildet. DerStengel der meisten Arten klettert. Auchein Winden und Ranken mit Hilfe der reiz»baren Blatt, und Blütenstiele kommt vor.

Viele Arten sind jedoch nur imstande zukriechen) hierher gehören besonders diehäufig kultivierten T. maius und T, minus(vgl. Schulz, P.F. F. Unsere Zierpflanzen,

Leipzig 1909), welches typische Solitär«pflanzen sind und die an ihren natürlichenStandorten (Rinnsale in den vegetationsarmen Felsfluren der Peruanischen Anden) ohne Konkurrenzkampfum den Raum nach allen Richtungen unbeschränkt wachsen können. An freien Standorten müssen sie deshalbaufgebunden werden j nur in Hecken und Gebüschen, an Gittern, Spalieren u. dergl. genügt die Reizbarkeit ihrerBlattstiele, um eine Art Klimmen zu ermöglichen. Die erst spät sich entwickelnde Schildform der Laub»blätter entsteht nicht etwa dadurch, dass die beiden untersten Seitenlappen miteinander verwachsen, sonderndurch Auswadisen des unteren Randes der Insertionsstelle des Stieles, nachdem das Wachstum der Spreiteschon weit vorgeschritten ist. Die jungen Laubblätter von T. Moritzianum und ebenso diejenigen der Arten derT. maius.Gruppe sind stark gelappt, gleichwie ihre Primärblätter. In der Nähe der Endigungen der 10 Haupt.

201*

Fig. 1657. Tropaeolum maius L. a, b, c Veränderungen des Geschlechts-apparates während des Aufblühens: a Blütengrund von vorn mit dem Sporneingang.b Erster (männlicher) Zustand: Staubblatt 1 und 2 vorgestreckt, c Zweiter (weiblicher)Zustand: die verblühten Staubblätter nach abwärts gebogen, der mittlere Narben-lappen nach aufwärts gerichtet, d Eben geöffnete Blüte (Vorderseite entfernt);alle Staubblätter abwärts gebogen, e Eines der 3 unteren Kronblätter, /bis i Pollen-körner. k Längsschnitt durch den fast reifen Samen (vom Perikarp umschlossen)mit den grossen Kotyledonen und den beiden Schenkeln des Suspensors. I Blütendiagramm. m Querschnitt durch eine ältere Blütenknospe (Fig. a bis e nach W.Brenner,k nach K a y s e r, m nach G o e b e 1).