1686
begleitet. In Skandinavien sind Aconitum septentrionale, Trollius Europaeus, Archangelica officinalis, Pole-monium campanulatum und Mulgedium alpinum besonders häufige Begleiter.
Der dichasiale Bau des Blütenstandes und vielleicht auch die geringe Beweglichkeit der Blütenstiele(Nidcen nur vor dem Aufblühen) scheinen primitive Merkmale zu sein. Die meist starke Bedrüsung derBlütenstandsachsen wird als Schutz gegen unberufene Blütenbesucher gedeutet. Die Blüteneinrichtung dieserArt veranlasste Christian Konrad Sprengel 1787 zu seinen klassischen Blütenuntersuchungen. Die Narbenöffnen sich erst, nachdem die Staubblätter verstäubt und sich zurückgekrümmt haben (Fig. 1624 k bis m), wodurchSelbstbestäubung ausgeschlossen wird. Ab und zu sollen neben proterandrischen Stöcken auch homogamevorkommen, bei denen spontane Selbstbestäubung möglich ist. In vielen Gegenden trifft man nicht selteneinzelne Individuen mit viel kleineren Krön» und Staubblättern, deren Staubbeutel verkümmert und mehr gelb»lieh gefärbt sind. Solche weibliche Blüten kommen vereinzelt auch an normal zwitterigen Stöcken und im
übrigen bei ganz verschiedenen Rassen (ähnlich wie auch bei vielen anderenGeranium. Arten) vor, so dass es nicht gerechtfertigt ist, derartige Pflanzenvon den grossblütigen (= var. genuinum Ducommun, = var. typicumBede) als besondere Varietät (var. braehystömon Godet, = var. parviflörumBrittxnger, = var. braehypetalum Lamotte) auszuscheiden. Viel seltener(z. B. in Tirol und in Skandinavien) kommen auch männliche Blüten vor,deren Kronblätter mindestens so gross wie bei den Zwitterblüten sind undderen Narben sich überhaupt nicht ausbreiten. Die im Spätsommer nach derMahd gebildeten Blüten sind regelmässig kleiner als die normalen. AlsBlütenbesucher wurden zahlreiche Apiden, Schmetterlinge, Fliegen und einigeKäfer festgestellt. — In manchen Gegenden sollen die Blüten noch heutezum Blaufärben (im Schwarzwald von Ostereiern) verwendet werden; aufIsland scheint das schon in vorchristlicher Zeit der Fall gewesen zu sein.In Norwegen wird aus der Pflanze ein gelber Farbstoff gewonnen.
1778. Geranium rivuläre 1 ) Vill. (= G. aconitifölium L'Herit.,= G. rivdle. Vill., = G. striätum Clairv. non L., = G. sil=vdticum L. subsp. rivuläre Rouy et Fouc. et var. rivuläre Fioriet Paol.). Blassblütiger oder Alpen«Storchschnabel.Fig. 1631 b bis d und Fig. 1634.
Sehr ähnlich dem G. silvaticum. Wurzelstock i wag=recht, dicht mit sehr breiten, glänzendbraunen, völlig kahlenNebenblättern besetzt. Stengel meist einzeln oder zu 2, meistnur 2 bis 3 (bis gegen 5) dm hoch, unter dem Dichasium meistnur mit 1 i 1 1 I» dm langen Internodium oder mit 2 und danndazwischen mit 1 unpaaren, ± lang gestielten Stengelblatt, dünn,kantig, unterhalb des Blütenstandes kahl oder schwach angedrücktbehaart, völlig drüsenlos. Rosettenblätter zu 2 bis 6, mit i 6 bis 10 cm langem Stiel und 4 bis6 cm breiter, zu 5 le bis 9 /io in spitze Lappen geteilter, beiderseits ziemlidi dicht anliegend be=haarter Spreite; Lappen eiförmig=lanzettlich, in spitze, z. T. ± gezähnte Zipfel fiederteiligzerschlitzt. Stengelblätter oft nur in 3 Paaren und sehr kurz gestielt an den unteren Knotendes Dichasiums, an den oberen oft nur Hochblätter mit verkümmerter Spreite. Nebenblättertrockenhäutig, lebhaft rotbraun, die unteren 1 1 /s bis 2 cm lang und 1 h bis 1 cm breit, kurzzugespitzt, die oberen viel kleiner, in eine lange Spitze ausgezogen. Blütenstände + 8= bis12»blütige Dichasien mit wollig=flaumig behaarten Achsen, gewimperten Tragblättern und i1 bis 2 cm langen, von ebensolchen Haaren hellgrauen, drüsenlosen, nur vor dem Aufblühennickenden, dann bleibend aufrechten Blütenstielen. Blüten kleiner als bei G. silvaticum. Kelch»
*) Der Name ist unzutreffend, da die Art nicht an Bächen (lat. rivus), sondern in oft sehr trockenenAlpenheiden und Nadelwäldern wächst, muss aber beibehalten werden, da er um 8 Jahre älter als G. aconiti»folium ist.
Fig. 1634. Geranium rivuläre L.a Habitus, b Blüte im Längsschnitt.c Frucht.