1655
Allgemeine Verbreitung: Stammt aus Nordamerika, heute in Süd» und Mittel»europa eingebürgert (nördlich bis Südskandinavien).
Aendertab: f. diffusa (Boenningh.) (= O. stricta L. var. procumbens agrästis Schur). Stengel i nieder«liegend; Aeste verlängert, aus niederliegendem Grunde aufsteigend. Hie und da. — f. ramosissima Schur.Stengel zahlreich, niederliegend, 15 bis 30 cm lang, vom Grunde an reich ästig. Blüten etwas grösser, lebhaftgelb. — var. pseudocorniculäta Murr (= O. stricta L. var. decumbens Bitter). Stengel niedrig, amGrunde meist i niederliegend, bis 60 cm lang, oft mit kurzen Ausläufern; Aeste abstehend. Blättchen oftbreiter, tiefer ausgebuchtet, weniger gefaltet, dunkler grün. Blütenstiele vor der Blüte völlig zurückgeschlagen.Blüten weitgeöffnet. Kronblätter grösser, bis 11 mm lang, goldgelb. Selten, so von Murr bei Marburg, vonWidder (1922) bei Deutsch=Landsberg beobachtet.
Die aus Nordamerika stammende Art dürfte vielleidit mit Tabak und Kartoffeln nach Europa gekommensein, um dann daselbst mit Sämereien, Setzlingen, wahrscheinlich auch mit Kohlen (Schweiz i Wxnterthur, Tannertobel«Rüti, Bahnhof Hinwil) weiter verbreitet zu werden. Hie und da tritt sie plötzlich ganz massenhaft auf, um dannebenso schnell wie sie gekommen wiederum zu verschwinden. Als Archäophyt, wie dies z.B. von Laus ge«schieht, darf die Art nicht angesehen werden. Nach Nicholson wurde sie 1658 nach Europa gebracht undzuerst in Oxford von Morrison kultiviert. Bei Hannover wurde sie 1826, in Schleswig»Holstein 1807 vonRabenkirchen in Angeln beobachtet; aus Bayern wird sie anfangs der 50 er Jahre des letzten Jahrhunderts ausdem Donautal von Dinkelsbühl und aus dem Rednitztal erwähnt, 1854 aus Innsbruck, 1866 von Salzburg, 1870aus der Schweiz von Genf, Lausanne und Bex, 1874 zum erstenmal aus Graubünden, 1873 in Bellach (Kt. Solo=thurn). In vielen Gegenden scheint sich die humusliebende Pflanze auf offenem Erdreich rasch auszubreiten undganz einzubürgern-, in Gemüsegärten ist sie stellenweise zu einem gemeinen und lästigen Unkraut geworden,zumal sie infolge der kurzen Ausläufer schwer auszurotten ist. An einzelnen Orten ist sie bereits auch innatürliche Pflanzenvereine eingedrungen. Bei Trins im Gschnitztal, wohin die Pflanze wahrscheinlich aus demInnsbrucker Botanischen Garten verschleppt wurde, bringt sie seit einigen Jahrzehnten keimfähige Samen zur Keife,
Die hellgelben Blüten sind nach Kerner von 8 bis 4 Uhr geöffnet, bleiben aber bei schlechtemWetter geschlossen. Die Antheren der längeren Staubblätter stehen nach Schulz mit der gleichzeitig mit ihnenentwickelten Narbe in gleicher Höhe und liegen ihr an, so dass eine spontane Selbstbestäubung unvermeidlichist. Darauf ist auch die massenhafte Frucht» und Samenbildung zurückzuführen, die sie zu einem schwer ver.tilgbaren Unkraut macht-, dazu kommt noch die stark ausgebildete vegetative Vermehrung sowie dieAusdauer ihrer Rhizome, so dass der Pflanze eine starke Lebensfähigkeit zukommt. Ausgerissene Exemplarekönnen auf dem Boden liegend leicht wieder einwurzeln. Kleistogame Blüten sind noch nicht beobachtet worden
1772. Oxalis corniculäta L. (= O. repens Thunb., = O. pusilla Salisb., — Öxys lutea Lam.).Horn »Sauerklee. Ital.: Carpigna; im Tessin: pan' vino. Taf. 171, Fig. 6; Fig. 1616 und 1614- e.
Ein» oder zwei» bis mehrjährige Pflanze, zahlreiche, (5) 15 bis 30 cm lange, meist ober»irdische Ausläufer treibend. Stengel niederliegend oder aufsteigend, vom Grunde an ästig, anden Knoten oft wurzelnd, meist ziemlich dicht behaart. Laubblätter trübgrün, oft violett über»laufen, langgestielt, 3»zählig; Blättchen breit verkehrt»herzförmig mit ausgeschweiften Seiten»rändern, ganzrandig, sehr kurz gestielt, etwas stärker behaart als bei der vorhergehenden Art.Nebenblätter klein (Taf. 174, Fig. 6 b), länglich, so breit oder wenig breiter als der Blattstiel,diesem angewachsen, oberseits kahl, unterseits spärlich behaart, am Rande reichlich bewimpert.Blüten in 2» bis 6»blütigen, langgestielten, blattachselständigen, doldenähnlichen, ziemlich dichtbehaarten Wickeln, sehr selten einzeln. Kelchblätter eiförmig oder gestutzt, spitz, etwa 3 1 /«bis 4 1 /s mm lang, aussen behaart, innen kahl, erhalten bleibend. Kronblätter verkehrt»eiförmig,vorne ausgerandet, 4 bis 6 mm lang, fast doppelt so lang als der Kelch, goldgelb. Narbe köpf»förmig. Kapsel vielsamig, länglich walzlich, 5=kantig, ziemlich dicht behaart, aufrecht oderauf herabgeschlagenen Stielen aufwärts gerichtet. Samen 1 bis 1,2 mm lang, breitelliptisch,ach, scharf querrunzelig, braun. — (V) VI bis XI.
Hie und da an Mauern, Wegrändern, zwischen Pflastersteinen, auf Schutt, |fiAeckern, Hecken, Weinbergen, Gärten, Parkanlagen, auf Gräbern usw. verwildert und stellen»weise (besonders südlich der Alpen vollständig) eingebürgert; gern auf sandigem Boden undfast nur in der Ebene (in der Schweiz bei Mayenfeld bei 550 m, in Faido über 720 m). In Nord»deutschland meist unbeständig.